RSS Amplifier

Simays bunte Welt · Jul 22, 2026

Ok, Bruder

0
Sign in to vote or save

Simay · Simays bunte Welt

Ich will die Sonne einladen, in mein Herz einzuziehen. Es ist Year of the fucking Firehorse und mein Funken ist noch nicht übergesprungen. Wir wissen alle, dass ich die Power, die Intention und das LEBEN in mir trage, aus einem Funken ein loderndes Feuer brennen zu lassen. Wenn da nur nicht diese schüchtern schimmernde Selbstbemitleidung wäre.

Die letzten Wochen haben mich viel Kraft gekostet, Kraft, die ich nicht hatte. Leere Batterien, keine Reserven. Nur der Pumuckl, um mich aus dem tiefsten Brunnenwasser wieder rauszuholen. Aber wenn ich einmal unten bin, ist der Weg nach oben ein langer, länger und nässer als gedacht. Wie eine Badenixe sitz ich da unten, während über mir das Leben vorbeizieht. So fühlt es sich manchmal an. Und einsam fühle ich mich. Das kostet auch Überwindung, allein wohinzugehen. Immer wieder die Kraft finden, mich hochzuziehen, anzuziehen, rauszuziehen. Mit mir selbst, in meiner Ruhe und dem urmenschlichen Bedürfnis nach Connectivity und Trust.

Abundant - lacht sie, ich weiß auch nicht viel mit dem Begriff anzufangen. Wie machen die Menschen das, so ein Urvertrauen zu spüren, sich völlig losgelöst (Ohrwurm-Gefahr, sorry) in das pralle Leben zu werfen? Ich beneide die People, die sich so leichtfüßig durchbewegen, die sich an den Gesprächen, an dem Gewummer aufladen. Mich entlädt das eher und Kleinigkeiten bringen mich aus dem Konzept. Wenn Gen-Z Kids mit ihren Adidas-Jacken, George Gina & Lucy-Taschen und natürlich Cowboy-Boots aufkreuzen, das bringt mich zum Beispiel aus der Fassung. Besonders zugänglich ist sie noch nicht, diese nachkommende Generation. Sie haben sich ihr Bild schon gemacht, müssen sie auch, es sieht ja nicht rosig aus. Aber dass sie die Millenials, oder mich Zillenial so sarkastisch abtun, meh, I don’t know. Das ist nicht ok, Bruder. Wir leben dieses Leben ja auch zum ersten Mal.

In der Gruppentherapie hab ich jetzt nach 4 Monaten endlich Vertrauen gefunden, ich fühle mich angekommen. In meiner Geburtstagswoche denk ich Fuck it! Und komme mit dem pinken, flauschigen Fransenbolero in die Gruppe. That’s the real me, ich zeige mich jetzt in meiner Fülle.

Wir besprechen das Thema Freiheit in sich drin finden, auch wenn das Außen ein enger Käfig ist. “Wann hast du dich zuletzt so richtig frei gefühlt?”, frag ich. Sie stöhnt, ich seh das Zittern hinter ihren Augen. Die Bemitleidung.

Ich fühle mich komplett frei, wenn ich so stark lache, dass ich mich fast einpinkle. Das teile ich in der Gruppe und alle lachen und hängen dem Gedanken nach, als würden sie sich an ihre eigenen Lebensmomente zurückerinnern, wo das einmal so war. Selbst die Therapeutin ist in irgendeinem Eck ihrer Erinnerungen. Ich liebe das, wenn der Bauch schon wehtut und das Einatmen kaum Platz findet, wenn die Blase drückt und man vor Lachschmerzen nicht weiß, ob man es rechtzeitig zum Klo schaffen wird. Danach dieses seufzende Ausatmen, die vielen Lacher, die immer wieder glucksend hochschießen. Ein Blick genügt und alle liegen wieder am Boden vor Lachen, man ermahnt sich, nicht wieder damit anzufangen. Wann hat man jemals genug gelacht?

Mir pressierts schon länger, einen Fakt anzusprechen, der mir im Zuge des Schreibens aufgefallen ist: Ich verwende “man” wie im Standarddeutsch, wie in der Schule gelernt. Nur, wie ihr vielleicht wisst, verwenden viele mittlerweile “mensch” statt “man”, ich weiß das eh. Ich glaub ich weiß auch, woher das kommt: Um “Mann” aus dem Sprachgebrauch zu dezentrieren, deswegen heißt es jetzt oft “jemensch”, als Anwendungsbeispiel in einem Satz: “Es gibt die Option xy, wenn mensch das möchte.” Das ist die erste Hürde im queerfeministischen Lernbereich, die ich nicht nehmen will. Wurde mir doch früher in die Volksschule die neue deutsche Rechtschreibung so hart eingetrichtert. Ich war zutiefst enttäuscht, als meine Lehrerin meinte, ich schreibe meine 4 nicht schön genug. Von meiner Mama, der Designerin, hatte ich eine bauchige 4 abgeschaut und übernommen. Das hat nicht gepasst, die 4 musste eckig und kantig geschrieben werden. Nicht in einem Zug, sondern dazwischen absetzen. Es war, wenn mensch so will, die alte Schule (pun very much intended).

Man, mensch. Mensch, oh man. Ich schreibe in Chatnachrichten seit Jahren “oh man” und nicht “Oh Mann”. Oh Menno. Oh Menscho. Man man man. Man wird ja wohl noch nach der Rechtschreibung schreiben dürfen, oh dear. Aber das fühlt sich so konservativ an, warum kann ich das nicht übernehmen, wenn es so vielen anderen Personen gelingt? Also, ich oute mich, auf das “man” will ich nicht verzichten. Ich reagiere nur auf “man”, wenn es Menschen nicht gelingt, bei sich zu bleiben und so in einem dritte Person-Äther über ihre eigenen Empfindungen sprechen. “Ja, man vermisst halt die Freundin,” hat ein Freund mal gesagt. Schatz, sprich es aus, ich weiß es ist schwer, aber “Ich vermisse meine Freundin” bringt viel mehr Nähe rein. Das “man” ist ungreifbar, deswegen stört es mich auch nicht so, ich denke da nicht an “Mann”. Man und mensch wird es mir nachsehen.

Das hier lese sich wie ein Stream of conciousness - hab ich als Feedback auf meinen Newsletter bekommen. Well, well, well. Ja, ich bin mir meiner Lage, meiner Geschichte sehr bewusst. Ich weiß so circa, wohin die Reise geht und bin offen für alle Wendungen, die noch kommen werden. Mach Raum in deinem Kleiderschrank für Outfits, die da noch nicht hängen. Häng leere Kleiderbügel auf. Boah, hat das mit mir räsoniert.

Ich war an so einem Dienstagvormittag allein unterwegs ins Museum und es hat mich einsam fühlen lassen. Alle in den großen Häusern verschwunden, alle am Hackln. Dienstagvormittag passiert ja noch richtig was in der Arbeitswelt, da sind gerade die JourFixes und wichtigen Präsentationen, auf die ihr hingezittert habt. Wie gern würd ich euch das abnehmen, ich würd mich auf alle Panels setzen und gscheit daherschwadronieren. Am liebsten würd ich kurz vor der wichtigen Präsi einmal die Folien durchklicken und mir 3 Min anhören, was passiert ist, und dann euren Kollegis einen süffisanten Bericht hinknallen. Gibt’s noch Fragen? Thought so.

Ja, aber, warum änderst du deinen Namen nicht? You fucking asshole bastards, wie könnt ihr es wagen, mir so einen Vorschlag zu machen? Bevor ich mich ändere, muss sich die Welt ändern, müsst ihr euch ändern. Wir kriegen es ja auch hin, Beyoncé und Zendaya auszusprechen. Bei Rihanna gibt es weiterhin große Unklarheit, wie genau der Name ausgesprochen wird, aber at this point ist es auch schon bissl wurscht, sag ich. Dann werdet ihr doch die 5 Buchstaben, die meinen Namen krönen, irgendwie über die Lippen kriegen. Ich chauffier euch eh durch, ich bin geduldig und helfe euch, es gibt eine Eselsbrücke, goddamn. Would you like to see my shoes? Während ich euch helfe, hasse ich alles daran, ich hasse meinen Tonfall, denn hinter der freundlich-geduldigen Fassade bröckelt mir alles ab. Bitte mach kein Ding draus, bitte stell keine Nachfragen. Bemüh dich einfach, streng dich an. Fokus auf das, was du hörst. Einmal nachsprechen, zweimal nachfragen. Aber bitte, bitte, frag mich nicht, woher der Name kommt. Mit y. Ja. Nein. Irgendwas mit S, genau.

Press play to pause. Press anything, really. Die Haptik und die Schwapptik, da brezelt es wieder den Pumuckl durch mich durch. Er ist so ein cooler Reimer, weil es muss sich nicht immer alles reimen bei ihm, haha! Er ist Clown durch und durch, eine Userin kommentiert “Drama Queen”, als er irgendwas nicht bekommt und aufgelöst schreit, dass er Hunger hat. I can relate. Wenn ich hungrig bin, kriegen das meistens alle um mich herum sehr schnell und schwerwiegend mit. Da gibt es eine ganz kurze Zündschnur, eigentlich gibt es gar keine Schnur, es gibt nur einen sehr schmalen Pfad und der führt besser Richtung Essen, sonst kracht es. Kruzifix nochamol, Herrschoftszeitn! Auch den Meister Eder mag ich sehr, ein kinderlieber Opi, der für seine Kundschoft stets verfügbar ist. Wie sie sich alle über ihn wundern, den verschrobenen Alten, der in seiner Einsamkeit eine unverhoffte, verspielte Zweisamkeit gefunden hat.

Na dann, Bruder, gib Check. Broski. Pass auf dich auf, Bruder, mach langsam, Bruder. Es kommen sicher wieder andere Tage, Bruder. Einfach Fokus. Durchziehen. Du schaffst das,

Bruder.

Keine Posts

Read the original on simay.substack.com

Comments

Nothing yet. Say the first thing.

    Sign in to join the conversation.