Die verurteilte Rechtsterroristin Beate Zschäpe will ihre vorzeitige Haftentlassung erreichen – und ist dazu nun vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG) angehört worden. Es habe am Donnerstag eine mündliche Anhörung in nicht öffentlicher Sitzung gegeben, sagte eine OLG-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Dies diene der Vorbereitung einer Entscheidung des Gerichts darüber, wie lange Zschäpe mindestens noch in Haft bleiben muss. Zuvor hatten Münchner Merkur und tz darüber berichtet.
Der Antrag fällt zeitlich zusammen mit einer geplanten Gedenkveranstaltung für die beiden Münchner NSU-Opfer. 25 Jahre ist es her, dass der Besitzer eines Gemüseladens mit zwei Schüssen in den Kopf regelrecht hingerichtet wurde. Dem damals 38-jährigen Habil Kılıç wird am kommenden Samstag bei einer Trauerveranstaltung gedacht. Dabei sein werden sowohl Vertreter des Münchner Türkenrats als auch der Stadt. Erinnert wird auch an Theodoros Boulgarides, er wurde vier Jahre nach Kılıç in seinem Münchner Schlüsseldienstladen erschossen.
Gedenken zum Todestag von Habil Kılıç
:Der NSU-Terror und das endlose Leid zweier Münchner Familien2001 ermorden rechtsextreme Terroristen Habil Kılıç, vier Jahre später Theodoros Boulgarides. Die Wunden der Hinterblieben heilen nicht. Über den Überlebenskampf der Familien.
Zschäpe war vom OLG München im Jahr 2018 als Mittäterin an der sogenannten NSU-Mordserie zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das OLG stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen. Diese Frist läuft nach Angaben des Gerichts aber nun im November aus – weil Zschäpe im November 2011 in Untersuchungshaft kam. Deshalb muss das Gericht in Kürze über die sogenannte Mindestverbüßungsdauer entscheiden.
Der Anhörungstermin an diesem Donnerstag habe rund eineinhalb Stunden gedauert, sagte Zschäpes Anwalt Mathias Grasel der dpa am Nachmittag. Er selbst forderte demnach für seine Mandantin eine Haftstrafe von insgesamt nicht mehr als 20 Jahren.
Zschäpe sitzt Haft in Chemnitz ab
Zschäpe sitzt in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz in Sachsen, musste also für die Anhörung vor Gericht eigens nach München gebracht werden. Vergangenes Jahr hatte sie ihre Aufnahme in ein Neonazi-Aussteigerprogramm erreicht.
Der „Nationalsozialistische Untergrund“ (NSU) war eine Terrorzelle, bestehend aus Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die von 2000 an unerkannt zehn Morde in ganz Deutschland verübte, fünf davon in Bayern. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. Mundlos und Böhnhardt verübten zudem zwei Bombenanschläge in Köln mit Dutzenden Verletzten. Die beiden töteten sich 2011, um ihrer Festnahme zu entgehen – erst damit war der NSU aufgeflogen. Zschäpe, einzige Überlebende des Trios, wurde als Mittäterin verurteilt, auch wenn es bis heute keinen Beweis gibt, dass sie selbst an einem Tatort war.

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