Eine heftige Sturzflut in der Grenzregion zwischen Nepal und China hat eine tiefe Spur der Zerstörung hinterlassen und Menschen in beiden Ländern in den Tod gerissen. Die Zahl der Todesopfer nach der heftigen Sturzflut in einer Gebirgsregion von Nepal ist auf mindestens 270 gestiegen. Das teilte die Polizei des Landes auf der Plattform X mit.
Fast 1500 Menschen – darunter Hunderte Reisende aus Nepal und aus dem Ausland sowie Polizisten und Soldaten – werden vermisst. Die Behörden gaben für die flussabwärts gelegenen Gebiete in dem Himalaya-Staat eine Katastrophenwarnung heraus. In China berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, zwei Menschen seien gerettet worden. Die chinesischen Behörden sprachen demnach zunächst weiter von drei Todesopfern.
Der Chef der nepalesischen Touristenpolizei, Bishow Raj Adhikari, sagte der Deutschen Presse-Agentur, derzeit seien mehr als 350 Touristen nicht erreichbar. Nach Angaben von Trekkingagenturen befänden sich darunter acht deutsche Staatsangehörige. Die Mehrheit der Vermissten seien Inder, zudem seien viele Menschen aus den USA und Großbritannien darunter, erklärte Adhikari. Acht Südkoreaner, die bei einem Wasserkraftwerk in dem Gebiet arbeiteten, werden ebenfalls vermisst, wie die Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf das Außenministerium in Seoul meldete.
Rettungsarbeiten am überspülten Grenzübergang erschwert
Die Rettungskräfte in den Katastrophengebieten in Nepal und China suchten einen Tag nach dem Unglück weiter mit Hochdruck nach Vermissten. In China erreichten 111 Experten der Feuerwehr am Vormittag (Ortszeit) den Flughafen in Tingri, im Südwesten Tibets, um von dort ins Katastrophengebiet aufzubrechen, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Das Gebiet ist schwer zugänglich.
Die dicken Schlammmassen am dramatisch überspülten Grenzübergang Gyirong erschwerten die Rettungsarbeiten, weil dadurch Zufahrtswege blockiert waren, wie es im chinesischen Staatsfernsehen hieß. Chinas Rettungsmannschaften waren zunächst nach der Flut nur aus der Luft oder mit langen Autofahren an den Grenzübergang herangekommen.
Chinas Behörden befürchten außerdem mögliche weitere Fluten. Auf nepalesischer Seite habe sich an einer Flussmündung ein Stausee gebildet, berichtete das chinesische Staatsfernsehen unter Berufung auf das Ministerium für Wasserressourcen. Es bestehe das Risiko eines Dammbruchs. Im Staatsfernsehen liefen Aufnahmen aus der Luft, die den See zeigten. Dieser soll nahe am Grenzposten Gyirong, doch noch auf dem Gebiet Nepals liegen. Die Behörden überwachten die Lage weiter und führten Berechnungen durch, hieß es.
Naturkatastrophe
:Fast 1500 Vermisste nach Sturzflut in Nepal und TibetMindestens 270 Menschen starben bei der plötzlichen Sturzflut. In der Grenzregion zu Tibet wurden zahlreiche Häuser und Straßen zerstört. Auch im benachbarten Tibet werden nach einer Schlammlawine Opfer gemeldet.
Nach Berichten der Zeitung Kathmandu Post und anderer nepalesischer Medien richteten die Wasser- und Schlammmassen große Zerstörungen in Ortschaften und an Infrastruktur entlang des Bhotekoshi an, der im Hochland von Tibet entspringt und die nepalesische Provinz Bagmati durchfließt. Bilder des nepalesischen Fernsehens und Videos in den sozialen Medien zeigten, wie zahlreiche Häuser, Wasserkraftanlagen und Straßen zerstört, Brücken weggespült und ganze Dörfer überflutet wurden. Auch mehrere Wasserkraftwerke zur Stromversorgung des Himalaja-Staates seien betroffen, berichteten Medien aus Nepal.
Bekanntes Trekkingziel
Die Sturzflut brach am Mittwochmorgen über den Fluss Bhotekoshi im Gebirgsmassiv Langtang Himal nahe der Grenze zu Tibet herein. Der Distrikt Rasuwa im Norden Nepals ist ein bekanntes Trekkingziel. Die Region ist berühmt für ihre spektakulären Himalaja-Landschaften, zahlreiche Bergseen und das „Tal der Gletscher“ genannte Langtang-Tal mit seinen gewaltigen Eismassen.
Genauer Ablauf der Ereignisse noch unklar
Unklar war zunächst, was die Sturzflut ausgelöst hat. Der Katastrophenschutz vermutete, dass die Eismassen eines Gletscherabbruchs einen Fluss blockiert haben, wobei sich die Wassermassen dann schlagartig entluden. Forschende aus den USA und Europa sprachen von einer Eislawine, deren Schmelzwasser zur Flut führte.
Experten gehen davon aus, dass der Klimawandel die Flutkatastrophe begünstigt hat. Die Erderwärmung schaffe Bedingungen, die Fels und Eis im Hochgebirge destabilisierten, erklärte Simon Cox vom Forschungsinstitut Earth Sciences New Zealand.
Der Dalai Lama spricht einer Mitteilung zufolge von „Anzeichen für eine tiefer liegende Ursache – sei es der Klimawandel oder andere Faktoren.“ Das Glaubensoberhaupt der Tibeter bete für alle, die ihr Leben verloren hätten, und spreche den Hinterbliebenen sowie allen von dieser Tragödie Betroffenen sein Mitgefühl aus. Auch Papst Leo XIV. hat den Betroffenen der schweren Sturzflut in Nepal seine Anteilnahme ausgesprochen.
In den besonders betroffenen nepalesischen Orten Syapru Besi und Timure konnten Behördenangaben zufolge wegen der hohen Wasserstände zunächst keine Hubschrauber landen. „Es könnte zahlreiche Opfer oder schwere Sachschäden geben“, sagte Bezirksverwalter Narendra Pariyar der Nachrichtenagentur Reuters. „Aber ich weiß es noch nicht genau.“
Die Regierung von Premierminister Balendra Shah hat Einheiten der Armee für Such- und Rettungseinsätze mobilisiert. Medizinische Teams, Pfadfinder und das Rote Kreuz wurden für Hilfsmaßnahmen ins Katastrophengebiet entsandt. Auch kündigte das katholische Hilfswerk Caritas Nepal auf Facebook Hilfe für die Betroffenen an. Die Behörden appellierten an die Bewohner am Fluss Trishuli, in den der Bhotekoshi mündet, sich in sicherere Gebiete zu begeben.
Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua wurden auch in Tibet Straßen-, Kommunikations- und Stromverbindungen durch eine Schlammlawine beschädigt oder zerstört. Es soll Opfer und Vermisste geben. Präsident Xi Jinping habe „umfassende Anstrengungen“ zur Suche und Rettung von Vermissten angeordnet. Zudem mahnte er demnach, das Frühwarnsystem zu stärken. Xi gibt solche Anweisungen in der Regel nur bei besonders schweren Unglücken. Zudem schickte er in Zhang Guoqing einen ranghohen Kader der Kommunistischen Partei in die betroffene Region, um die Rettungsmaßnahmen zu überwachen.

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