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Panorama - SZ.de · Aug 24, 2026

Japan: Der Sommerhit in diesem Jahr? Eine Kaltwasser-Nudelsuppe

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David Pfeifer · Süddeutsche Zeitung

Der Sommerhit dieses Jahres? Laut dem Wirtschaftsmagazin Bloomberg kam der weder von Bad Bunny noch von Olivia Rodrigo, sondern vom Suppenhersteller Nissin. Dessen „Kaltwasser Cup-Nudeln“ waren in Japan innerhalb einer Woche ausverkauft, wie das Unternehmen jüngst meldete.

Das Timing diesen Juli war gut, die Kaltsuppe zum Aufgießen wurde pünktlich zum Ende der Regenzeit in Japan ausgeliefert. Denn wenn Beton und Asphalt nicht mehr abkühlen und die Temperaturen unerträglich hoch bleiben, hat niemand mehr Lust auf heiße Suppe. Trotzdem war man von dem Erfolg der Kaltsuppen überrascht, erklärt Haruka Aoki, die im Marketing von Nissin arbeitet und den Besucher im Nudelsuppenmuseum in Yokohama empfängt.

„Fünf Jahre haben wir an der Entwicklung gearbeitet“, sagt Aoki, während ihr Kollege einen Testbecher mit kühlschrankkaltem Wasser füllt. Dass die Nudeln weich werden und sich das Geschmackspulver auflöst, war eine gar nicht einfach zu lösende Ingenieursaufgabe. Klar, die Erderhitzung war einer der Auslöser, der Bedarf an kühlen Lebensmitteln wird weiter wachsen. Das neue Produkt eignet sich aber auch für den Katastropheneinsatz, wenn es keine Möglichkeit gibt, Wasser zu erhitzen, wie Aoki erklärt.

60 Milliarden Cup-Noodle-Becher verkaufte Nissin seit der Erfindung weltweit

Fertigessen bildet auch den Zustand einer Gesellschaft ab. Nissin-Firmengründer Momofuku Ando experimentierte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit Trockennudeln, um die hungrige Nachkriegsgeneration in Japan zu versorgen, so wird es im Nudelsuppenmuseum erklärt und mit der Erfindung der Waschmaschine verglichen, was durchaus zutreffend ist. Denn Wäschewaschen war eine enorm zeitaufwendige und mühsame Angelegenheit, die vor allem Frauen verrichteten, bis sie durch die Einführung der automatischen Waschmaschine davon befreit wurden.

Auch die heiße Aufguss-Nudelsuppe, wie sie in Japan nicht nur von Nissin, sondern auch von Lebensmittelkonzernen wie Toyo Suisan Kaisha Ltd. und Sanyo Foods Co. hergestellt wird, hat Frauen von Einkaufs- und Kochdiensten befreit. Folgerichtig verlief der Triumphzug der „Cup Noodles“ in die Hochregale der Küchen parallel mit dem Wirtschaftswunder, das in den 1960er-Jahren nicht nur Deutschland, sondern auch Japan erfasste.

Instant-Nudeln-Schlürfende in Tokio kurz nach der Erfindung.

Instant-Nudeln-Schlürfende in Tokio kurz nach der Erfindung.

Nissin

Mittlerweile bildet sich im Erfolg der Fertignahrung die zunehmende Vereinzelung der Gesellschaft ab, wo Nahrungsaufnahme zu einer lästigen Verrichtung wird, die man mit minimalem Aufwand vollziehen möchte.

Leider darf Haruka Aoki nicht verraten, wie viele Kaltsuppen genau abgesetzt wurden. Nur so viel: Seit Erfindung der Cup-Noodles hat Nissin 60 Milliarden Becher weltweit verkauft. Wobei – auf alle Aufguss-Nudelsuppen-Hersteller gerechnet – nicht Japan der Hauptabsatzmarkt ist, wie die „World Instant Noodles Association“ meldet. Hier führen China, Indonesien, Indien und Vietnam die Liste an. Erst danach folgen Japan und die USA. Deutschland liegt auf Rang 24 mit 455 Millionen verkauften Einheiten im Jahr 2025. Die Deutschen sind nicht sehr schlürfsicher, was Nudelsuppen angeht. Dafür verkauft sich ein Reisfertiggericht von Nissin besonders gut, das wenig Kalorien und dafür viel Protein enthält, damit die Muskeln wachsen, nicht aber der Bauch. Auch das passt bestens in die Zeit.

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