Der Münchner Hauptbahnhof soll irgendwann wieder das Tor zur Stadt werden. „Irgendwann“ bedeutet in diesem Fall gegen Ende der 2030er-Jahre, wenn der Hauptbahnhof weitgehend neu gebaut ist und der Bahnhofplatz autofrei sowie fußgängerfreundlich.
Derzeit ist die Situation eher so: Wer am Hauptbahnhof ankommt, möchte möglichst schnell wieder weg. Wer in die Innenstadt will, hat eigentlich über die Bayerstraße oder die Schützenstraße nur ein paar Hundert Meter bis zum Stachus. Doch diese Zuwegung ist alles andere als attraktiv. Baustellen und Bauzäune prägen in der Schützenstraße das Bild, der Gehweg in der Bayerstraße, entlang der Tramgleise, ist schmal. Weil er sehr belebt ist, wird es zuweilen eng.
Nun hat die Stadt in der Bayerstraße ein optisches Leitsystem für Fußgänger auf dem Trottoir angebracht. Gelbe Fußspuren auf blauem Hintergrund sollen zusammen mit der Aufschrift „City“ den Weg ins Zentrum weisen. Die Fußspuren, 50 an der Zahl, beginnen am südlichen Ausgang des Hauptbahnhofs an der Kreuzung der Bayer- mit der Goethestraße und führen über die Bayerstraße Richtung Stachus. Die Schützenstraße wird ebenfalls noch als Route für Fußgänger markiert – dieser Weg mit 60 Piktogrammen beginnt am Nordausgang zur Arnulfstraße. Auch in die Goethestraße sollen bald zehn Fußspuren weisen, voraussichtlich mit dem Schriftzug „Central Quartier“.
Freilich wird der Fußweg zum Stachus selbst mit den Markierungen auf dem Pflaster kein Aushängeschild. Um die Fußgängerzone in der Schützenstraße entlang des früheren Karstadt-Komplexes zumindest ein wenig ansprechender zu gestalten, wird dort häufiger die Straße gereinigt und Müll entsorgt. Zudem ist der Bauzaun vor dem ehemaligen Kaufhaus derzeit auf einer Länge von 160 Metern mit einer Ausstellung des Stadtmuseums über die „Photographische Abteilung“ des Warenhauses Hermann Tietz, später Hertie, verziert – ein Einblick in die Münchner Mediengeschichte des frühen 20. Jahrhunderts.
Wer den Weg in die City partout aber nicht selbst gehen will, kann vom Hauptbahnhof auch noch die S-Bahn oder die Trambahn Richtung Zentrum nehmen. Die sind im Hauptbahnhof ausgeschildert. Einen Hinweis auf eine Fußgängerroute Richtung City sucht man in der Gleishalle indes vergeblich.
Das neue Leitsystem vor dem Bahnhof soll intuitiv und international verständlich sein. Ausgedacht hat es sich die „Taskforce Bahnhofsviertel“. In der Taskforce arbeiten Vertreter verschiedener städtischer Referate, der Polizei, der Deutschen Bahn und Anlieger zusammen. Ihr Ziel ist es, das Bahnhofsviertel sicherer, sauberer und lebenswerter zu machen. Weitere Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr folgen, kündigt Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller an. Geplant sei im Rahmen eines Pilotprojekts in der Goethestraße unter anderem, dem Fuß- und Radverkehr mehr Platz zu geben, Lieferzonen und zusätzliche Fahrradabstellanlagen einzurichten, Raum für Freischankflächen und Schanigärten zu schaffen sowie mobile Bäume aufzustellen. Zwischen Bayer- und Landwehrstraße gilt zur Verkehrsberuhigung bereits Tempo 20.
Das Leitsystem hat sich die Taskforce Bahnhofsviertel ausgedacht, Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller, Bürgermeisterin Mona Fuchs und Stefan Reisinger vom Baureferat (v. l.) haben das Konzept vorgestellt.
Foto: Stephan Rumpf
Baustellen-Chaos am sowie rund um den Hauptbahnhof: Wenn Züge ankommen, wollen alle Passagiere zugleich raus – und nicht jeder weiß den richtigen Weg.
Foto: Stephan RumpfAuf Anregung der Taskforce hat die Stadt unter anderem schon die Umgestaltung des alten Botanischen Gartens und des Nußbaumparks mit ausgedünntem Gesträuch und Kameraüberwachung realisiert, seither patrouillieren dort auch häufiger Polizeistreifen.
„Gerade rund um den Hauptbahnhof gibt es durch Baustellen und Leerstände aktuell viele Herausforderungen. Das sehen wir, und wir packen sie an“, sagt Münchens Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne). Mit der Taskforce setze man nach und nach konkrete Verbesserungen um, die neuen Fußspuren seien ein sichtbares Beispiel. Sie helfen dabei, schnell und unkompliziert den Weg in die Innenstadt zu finden. In der Goethestraße, so Fuchs, wolle man das Straßenbild ebenso verbessern. „So machen wir das Viertel Stück für Stück zu einem Ort, an dem man sich gerne aufhält.“
KVR-Chefin Sammüller erklärt, wer am Hauptbahnhof ankomme, solle sich schnell zurechtfinden. Gerade bei der aktuellen Baustellensituation falle Ankommenden die Orientierung schwer.
Wegen ihres leuchtenden Gelbtons seien die Fußspuren auch für Menschen mit Sehbehinderung gut erkennbar, sagt Stefan Reisinger, Abteilungsleiter Straßenplanung und -bau im Baureferat. Die Markierungen aus einer gut haltbaren Farbe haben laut Reisinger rund 20 000 Euro gekostet.

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