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Medien - SZ.de · Aug 21, 2026

Spielfilmtipps zum Wochenende: Verwirrte Seelen überall

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Harald Hordych · Süddeutsche Zeitung

Das Boot – Director’s Cut

Kriegsfilm, SWR/SR, Sonntag, 20.30 Uhr

Allein dieser Ton. Schon das eiskalte Pling macht diesen Film zu einem düsteren Spektakel: Das Echolot der englischen Zerstörer, die auf der Jagd nach ihrem Jäger sind, lässt die Männer im U96 erstarren. Als der Kriegsberichterstatter Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer) im Jahr 1941 an Bord kommt, ist der U-Boot-Krieg im Atlantik schon in vollem Gang; aber zum Himmelfahrtskommando wird die Fahrt der U96 erst, als der Kommandant (Jürgen Prochnow) den Auftrag erhält, durch die von England kontrollierte Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer vorzustoßen. Wolfgang Petersens Kriegsdrama nach dem Roman von Lothar-Günther Buchheim ist psychologisches Drama auf engstem Raum: meisterlich inszeniert, vom ganzen Ensemble brutal überzeugend gespielt und bei aller Spannung, wenn es ums blanke Überleben geht, zu keiner Sekunde ein Film, der das elende Ausgeliefertsein an den grausamen Krieg herunterspielt.

Der Exorzismus von Emily Rose

Horror, ZDF Neo, Nacht von Samstag auf Sonntag, 4.20 Uhr.

Wer den „Exorzist“ gesehen hat, weiß, was an Schrecken droht, wenn eine Teufelsaustreibung ansteht. Diese Erwartungen werden auch hier erfüllt – allerdings in der Form eines Justizdramas, was die Schockmomente des Horrors ungewöhnlicher macht. Der Priester Richard Moore (Tom Wilkinson) wird gerufen, weil die 19-jährige Rose fürchterliche Angstzustände durchleidet und die Behandlung gegen Epilepsie nicht anschlägt. Moore erkennt einen Dämon und führt einen Exorzismus durch, bei dem Rose stirbt. Er wird angeklagt, schlägt aber einen Deal mit der Staatsanwaltschaft auf fahrlässige Tötung aus. Mit Hilfe seiner Anwältin (Laura Linney)  besteht er darauf, vor Gericht Emilys Leidensgeschichte öffentlich zu machen – auch vor dem Hintergrund, dass die Kirche heimlich ihre Einwilligung zu der umstrittenen Maßnahme gegeben hat und seine Aussage verhindern will. Der Horror scheint in Rückblenden auf – eine elegante Abwechslung im sonst so düsteren Genre.

Frühstück bei Tiffany

Drama, 3sat, Sonntag, 16.40 Uhr

Ein lässig hingetupfter Film, voller komischer Szenen, wie man sie bei einem Gag-Genie wie Blake Edwards erwarten darf. Aber auch – und das ist die Überraschung – voller mindestens ebenso vieler berührender und zärtlicher Momente. Truman Capotes Romanvorlage verlangte Edwards und den Darstellern einiges an Feinjustierung der krass wechselnden Stimmungen ab. An der Oberfläche des trubeligen New Yorker Nachtlebens ist „Frühstück bei Tiffany“ von himmelsstürmender Ausgelassenheit. Aber Holly Golightly, das bezaubernde Partygirl aus der Provinz, lässt sich von ihren Verehrern aushalten, um mit Stil über die Runden zu kommen. Die gleiche Überlebensstrategie fährt der junge Schriftsteller Paul Varjak (George Peppard). Das Drama der beiden verwirrten Seelen schimmert immer wieder durch die Leichtigkeit eskapistischer Lebensfreude hindurch. Mit keinem Film wird Audrey Hepburn so verbunden wie mit diesem flirrenden Meisterwerk, zu Recht.

Ödipussi & Pappa ante portas

Komödie, Kabel Eins Classics, Sonntag, ab 20.15 Uhr

Loriot gleich im Doppelpack. Das ist strapaziös für die deutsche Nachkriegsseele – aber zugleich eines ihrer größten Vergnügen. Niemandem sonst war es gegeben, die Spießer-Klemmbügel-Pedanterie, die uns nachgesagt wird, derart treffend aufs Korn zu nehmen.  Zwei Mal hat Vicco von Bülow das neben seinen Fernsehepisoden in langen Filmen getan. „Ödipussi“ erzählt die Geschichte eines 56-jährigen Junggesellen, der noch immer von seiner Mutter verhätschelt wird. Als die verführerische Diplom-Psychologin Margarethe Tietze in seinem Möbelgeschäft auftaucht, nimmt eine Liebesgeschichte ihren unaufhaltsamen Loriotverlauf.  Danach folgt „Pappa ante portas“ (21.40 Uhr). Diesmal Loriot als Einkaufsdirektor Heinrich Lohse, der seine Familie, vor allem aber seine Frau Renate, in Alarmstimmung versetzt, weil er (eher unfreiwillig) in den Vorruhestand geht. In beiden Filmen ist Evelyn Hamann der unverzichtbare, kongeniale weibliche Gegenpart.

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