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Gesellschaft - SZ.de · Aug 25, 2026

Kolumne „Schön doof“: Diese saublöden Männer

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Christian Mayer · Süddeutsche Zeitung

Die meist männlichen Politiker der alten Bundesrepublik hatten früher die Angewohnheit, jegliche Kritik an sich abperlen zu lassen. Manche waren sogar stolz darauf, besonders viel aushalten zu können, zumindest wollten sie diesen Eindruck erwecken. Zum Beispiel Franz Josef Strauß, der gerne mit dem Satz zitiert wurde: „Was kümmert es die Eiche, wenn sich die Sau an ihr reibt?“ In Wahrheit waren diese Herren oft verletzlicher, als sie in der Öffentlichkeit taten, manche hatten eine eher kurze Zündschnur. Und dabei ging es meist nur um die Politik, die sie zu verantworten hatten. Wie sie aussahen, in welchen Anzügen sie steckten, ob sie ein Brillengestell aus der Hölle trugen oder eine Frisur wie aus einem Sketch von Didi Hallervorden: Das spielte alles keine Rolle damals.

Im Social-Media-Zeitalter ist alles anders, auch Politiker sollen sich jetzt optimieren und einem bestimmten Idealbild entsprechen. Politikerinnen kriegen besonders viel Spott und Häme ab, wenn sie es nicht tun. Und nicht alle bleiben in dieser Situation so cool wie früher die Kanzlerin Angela Merkel. Was musste sie sich alles an saublöden Kommentaren anhören, über ihre Frisur (die ein Berliner Meister-Coiffeur dann doch noch optimierte), ihre Hosenanzüge, ihren Ausschnitt, ihre Figur. Aber Merkel reagierte auf ihre Weise, nämlich gar nicht; sie hatte den Satz von Franz Josef Strauß wirklich verinnerlicht: Sollen die Blödmänner, und es sind seltsamerweise sehr oft Männer, doch sagen und posten, was sie wollen.

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Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hält es anders, sie mag sich die ewigen Kommentare zu ihrem Äußeren nicht länger anhören. Nachdem sie gerade von einem Besuch in der Ukraine zurückgekehrt war, machte sie auf ihrem Instagram-Account die Bemerkung eines plastischen Chirurgen öffentlich: „Hey Mette, sollen wir diese kleine Stelle auf der Nase nicht mal korrigieren?“

Vielleicht war das ja die eine Bemerkung zu viel: „Ich kann nicht zählen, wie viele Nachrichten ich über die Jahre zu meinem Aussehen bekommen habe“, schrieb sie weiter. Ihre Frisur, ihre Zähne, Hautauffälligkeiten, alles werde begutachtet und bewertet, selbst wenn sie gerade aus einem Kriegsgebiet komme. An die Adresse des übergriffigen Mediziners gerichtet stellte sie klar: „Ich bin mit meinem Körper zufrieden und brauche die Meinung eines männlichen Schönheitsarztes dazu nicht!“

Mette Frederiksen wird für ihren Instagram-Post gefeiert.
Mette Frederiksen wird für ihren Instagram-Post gefeiert. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Wie sich die Zeiten ändern: Früher hätte man es für unklug gehalten, dass sich eine Regierungschefin überhaupt zu einer öffentlichen Reaktion herablässt, wenn sie die Faxen dicke hat. Aber Gefühle zu zeigen im harten politischen Geschäft, sich zu wehren gegen Bodyshaming und andere Unverschämtheiten, kann einem Kraft und Glaubwürdigkeit verleihen. Mette Frederiksen wird jedenfalls in Dänemark und auch anderswo für ihren Instagram-Post gefeiert. Man könnte auch sagen: Sie hat die Nase vorn!

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