Debatte um Jugendschutz Nicht die Nutzung, das süchtig machende Design muss verboten werden
19.08.2026 · 18:17 Uhr
Meinung | Düsseldorf · Die jüngsten Social-Media-Nutzer unserer Gesellschaft brauchen den stärksten Schutz. Aber da helfen klare Beschränkungen für die Anbieter mehr als ein wie auch immer geartetes Nutzungsverbot.
Diskussionen über Social-Media-Verbote oder Nutzungseinschränkungen in Deutschland anzustoßen, mag in der politischen Auseinandersetzung seinen Nutzen haben. Aber juristisch durchsetzbar sind solche Verbote nicht. Allein der Digital Services Act der EU verhindert das. Tatsächlich ist es ein schmaler Grat zwischen gesellschaftlicher Verantwortung auf der einen sowie dem Recht junger Menschen auf Meinungs- und Kommunikationsfreiheit auf der anderen Seite. Und dem Recht der Eltern, zu entscheiden, wie weit diese Freiheit gehen können soll.
Was die Praxis angeht, sollten wir ehrlich sein: Wem der Zugriff aus Altersgründen verwehrt wird, wird sich über den großen Bruder oder sonst wen womöglich doch Einlass verschaffen. Danach würde der Versuch, junge Menschen zu schützen, vielfach wirkungslos verpuffen.
Dennoch gibt es keinen Zweifel: Die jüngsten Social-Media-Nutzer unserer Gesellschaft brauchen unseren Schutz am meisten. Darum sind Prozesse gegen den Facebook-Konzern Meta umso wichtiger, weil sie die Perspektive in der Bewertung verändern. Es darf in der Diskussion um Prävention und Verbot nämlich nicht nur darum gehen, wie der Staat oder die Familie die Teens vor den gesundheitlichen Gefahren schützen kann, sondern auch darum, was der Konzern Meta dafür tun muss.
Und dass er dafür zur Verantwortung gezogen wird, wenn er seine Pflichten missachtet und im Gegenteil das Suchtpotenzial seiner Angebote trotz Warnungen aus dem eigenen Haus verschleiert. Dass ein Konzern für solche Fehler zahlt, ist die zwangsläufige Folge, aber nicht der entscheidende Hebel bei einem Unternehmen, das an der Börse Billionen wert ist und Milliarden umsetzt. Social-Media-Designs, die süchtig machen, müssen verboten werden, ihre Nutzung nicht durch Millionenstrafen erkaufbar sein.
Übrigens: Wenn wir über Social Media und die Nachteile reden, sollten wir auch über Erwachsene sprechen, die sich im Restaurant schweigend gegenübersitzen, weil sie nicht genug von Facebook und Instagram bekommen und daraus mehr Vergnügen ziehen als aus dem Gespräch mit dem Gegenüber. Schon mehr als einmal beobachtet, nie verstanden. Wo bleibt deren Vorbildfunktion?
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