Vorbild Steam Machine So bauen Sie Ihren Wohnzimmer-Mini-PC zum Spielen
20.08.2026 · 14:51 Uhr
Die Hardware in einem Mini-PC hat nicht viel Platz zum Atmen. Rechts in Silber: Der CPU-Kühler. Links in Schwarz: Das Netzteil.
Foto: Christian AlbustinDüsseldorf · Valves „Steam Machine“ kostet mindestens 1039 Euro, ist heiß begehrt – und bis auf Weiteres vergriffen. Ein Selbstbau-Mini-PC mit SteamOS kostet weniger und ist dabei schneller. Wie das geht, zeigt unser Praxistest.
Seit jeher waren die Lager der Computerspieler getrennt: zwischen den Konsolen von Sony, Nintendo und Microsoft auf der einen Seite – und dem PC auf der anderen Seite. Die einen fläzen sich gemütlich auf der Couch, die anderen sitzen am Schreibtisch. So weit die eingeübten Klischees. Doch PC-Spieleplattform-Betreiber Valve könnte dieses „Naturgesetz“ dieses Jahr außer Kraft setzen: mit der „Steam Machine“.
Valve hatte seine „Steam Machine“, benannt nach Valves Spieleplattform „Steam“ im vergangenen Jahr angekündigt. Seitdem war ein gigantischer Hype um den kleinen 16 mal 16 mal 16 Zentimeter großen Würfel entstanden. Aufgrund der durch KI ausgelösten Speicherkrise musste das Gerät bis Juni 2026 verschoben werden. Dann startete die Reservierungsphase. Richtig gehört: Interessenten konnten sich für einen Platz in der Reservierungsliste anmelden. Wer es nicht auf die Liste schaffte, landete auf einer Nachrückerliste.
Sobald die Geräte dann tatsächlich verfügbar sein werden, werden Interessenten drei Tage Zeit haben, sich für den Kauf final zu entscheiden. Auf Ebay werden die Plätze auf der Reservierungsliste teils für mehrere Tausend Dollar gehandelt. Das Gerät selbst kostet, je nach Ausstattung, zwischen 1039 Euro und 1428 Euro.
Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Valve stellt das SteamOS, das auf der „Steam Machine“ zum Einsatz kommt – eine von Valve weiterentwickelte Linux-Variante – zur freien Verfügung. Wer sich seine eigene „Steam Machine“ bauen will, sei herzlich dazu eingeladen. SteamOS hatte in den vergangenen Jahren reichlich Zeit, auf dem „Steam Deck“ – Valves Gaming Handheld – zu reifen. In seiner aktuellen Version ist es nicht nur komplett mit dem Controller bedienbar, sondern auch denkbar einfach einzurichten.
Der Knackpunkt ist aber die Hardware. Es ist gar nicht so einfach, wohnzimmergerecht und einigermaßen preisgünstig einen vollwertigen Spiele-PC zu bauen. Wir haben uns daher angesehen, was man für den Gegenwert einer „Steam Machine“ im Eigenbau erwarten kann.
Unscheinbar und ohne Laufwerk, der angeschrägte Knopf schaltet den Mini-PC an.
Foto: Christian Albustin- Gehäuse Das Gehäuse ist das A und O. Wer möchte sich schon einen klobigen PC-Tower ins Wohnzimmer neben den Fernseher stellen? Mini-ITX-Gehäuse gibt es schon ab 32 Euro, aber dieses muss auch Platz für eine handelsübliche Grafikkarte bereitstellen, sonst bleibt die Gaming-Leistung auf der Strecke. Für unseren Test haben wir uns für ein schlichtes Gehäuse für etwa 50 Euro entschieden, das gerade mal 18 Zentimeter hoch, 23 Zentimeter breit und 37 Zentimeter lang ist.
- Mainboard Aufgrund der Speicherkrise entscheiden wir uns an dieser Stelle für die AMD Vorgänger-Plattform AM4. Ein Mini-ITX-Board bekommt man für rund 90 Euro.
- Arbeitsspeicher SteamOS ist als Linux-Variante sehr sparsam, was den Arbeitsspeicherverbrauch angeht. Mit 16 Gigabyte DDR4-Speicher mit 3200 MHz ist man bereits gut bedient. Diesen gibt es für rund 110 Euro. Die original „Steam Machine“ kommt zwar mit DDR5-Speicher, aber auch nur 16 Gigabyte. Das gesparte Geld verwenden wir lieber für eine leistungsstärkere Grafikkarte.
- Prozessor Valve gibt für die „Steam Machine“ eine CPU von AMD an, mit 6 Kernen, 4,8 GHz maximaler Taktfrequenz und einer Leistungsaufnahme von 30 Watt. Ein AMD Ryzen 5 5600, mit ebenfalls 6 Kernen und bis zu 4,4 GHz ist zwar eine Generation älter (Zen 3 statt Zen 4), dürfte mit seiner Leistungsaufnahme von 65 Watt aber einiges wettmachen. Unsere CPU schlägt mit etwas über 120 Euro zu Buche. Für AMD als Prozessorhersteller entscheiden wir uns, weil das SteamOS seit jeher für die AMD-Plattform optimiert wurde und wir uns sicher sein können, dass das Betriebssystem auch kompatibel ist.
- Grafikkarte Auch hier entscheiden wir uns für einen AMD-Chip, und zwar den der Radeon RX 9060 XT der aktuellen Baureihe. Grafikkarten damit sind ab etwas über 300 Euro erhältlich und haben in der 8-GB-Variante genau so viel Speicher wie der „Steam Machine“-Grafikchip zur Verfügung, sind aber deutlich flotter. Hier ist das beim Speicher gesparte Geld gut investiert. Wer hier noch mehr ausgeben will, kann auch die Variante mit 16 GB Speicher nehmen. Je nachdem wie speicherintensiv das Spiel ist, kann das nochmals einen ordentlichen Leistungsschub bringen, kostet aber auch mindestens 100 Euro extra. Worüber man sich in dieser Preiskategorie aber unbedingt im Klaren sein sollte: Eine Auflösung von 4K bei aktuellen Titeln, mit hohen Grafikeinstellungen, ist damit nicht zu machen. Eine Auflösung von maximal 2560x1440 mit 60 Bildern pro Sekunde sollte das Ziel sein, je nach Titel womöglich niedriger.
- Netzteil An dieser Stelle empfehlen wir sehr, ein möglichst leises Netzteil zu verwenden. In Mini-ITX-Gehäusen ist nicht viel Platz: Falls ein ATX-Netzteil dennoch hineinpasst, raten wir dazu. In Tests hat sich ergeben, dass die kleineren SFX-Netzteile deutlich schlechter darin sind, die entstehende Wärme geräuscharm abzuführen. Eine Leistung von 450 Watt reicht bei der bisherigen Konfiguration locker und ist für knapp 70 Euro zu haben. Wer in die Zukunft planen und sich gegebenenfalls die Tür für eine stärkere Grafikkarte offen halten möchte, kann an dieser Stelle auch bereits ein 550-Watt-Netzteil einbuchen gegen einen entsprechenden Aufpreis.
- Kühlung Nach einigem Herumprobieren hatten wir uns zunächst für eine kompakte Wasserkühlung für den Prozessor entschieden. Ein kleiner 120-mm-Radiator hatte so gerade eben Platz in unserem Gehäuse und verbesserte die CPU-Temperatur zunächst signifikant. Im Langzeittest stellte sich jedoch heraus, dass die Radiator-Lüfter-Lösung nicht genug Abwärme aus dem Gehäuse abführte und die Gesamttemperatur aller Komponenten bei mehrstündigen Laufzeiten unnötig stark anstieg. Ein Tower-Kühler für die CPU und mehrere leise Gehäuselüfter stellten sich im Endeffekt als die bessere Lösung heraus.
- Festplatte Auch die Preise für SSD-Festplatten sind dank des KI-Hypes in ungeahnte Höhen geschnellt, haben sich zuletzt aber auch wieder etwas beruhigt. Eine 512-GB-SSD kriegt man für knapp 90 Euro, für ein Terabyte werden rund 130 fällig.
Die angegebenen Preise sind Einstiegspreise einschlägiger Preis-Vergleichsportale im Internet. Wer alle Komponenten bei einem Händler oder so wenig Händlern wie möglich bestellen möchte, muss mit einem entsprechenden Aufpreis rechnen.
In dem Mini-ITX-Gehäuse ist wirklich nicht viel Platz für Kabel, Komponenten und Hände, die das alles zusammenbringen sollen. Insbesondere der Einbau der Wasserkühlung erforderte mehrere Anläufe, bis wir die richtige Ausrichtung gefunden hatten, mit der sich die eigentlich zu langen Schläuche unterbringen ließen. Auch die nachträglich installierte Tower-Kühler-Lösung für den Prozessor will vor dem kauf gut ausgemessen werden. Ist der Kühler zu hoch, passt der Gehäusedeckel nicht mehr drauf. Davon abgesehen war der Zusammenbau auch nicht anders als beim großen PC. Wer den Selbstbau scheut, kann auch bei verschiedenen Internethändlern den Zusammenbau gleich mitbuchen, gegen Aufpreis versteht sich.
Valves SteamOS kann auf der Internetseite von Steam heruntergeladen werden. Das Image muss anschließend auf einen USB-Stick kopiert werden. Die Anleitung, wie das geht, steht ebenfalls auf der Internetseite. Die Installation selbst ist einfach und schnell erledigt. Danach startet der Mini-PC automatisch in das SteamOS und beginnt mit der Ersteinrichtung. Ein Steam-Account und ein Controller sind Voraussetzung, um die „Steam Machine“ im Eigenbau nutzen zu können.
Das Gehäuse ist nicht viel breiter als das verbaute Mainbaord, das auf der Rückseite die üblichen Anschlüsse vorhält.
Foto: Christian AlbustinDie Komponenten unseres Mini-PCs in der kleinsten Variante lassen sich laut Preisvergleich (Stand 6. Juli) für 883 Euro inklusive Versand bei drei verschiedenen Anbietern bestellen. Damit liegt man ein gutes Stück unter den 1039 Euro für die kleinste „Steam Machine“-Variante. Im Gegenzug dafür, dass man den Mini-PC selbst zusammenbauen muss, bekommt man allerdings eine spürbar flottere Variante, die sich zudem später leichter aufrüsten lässt.
Was man im direkten Vergleich zum Original jedoch nicht hinbekommt, sind der niedrige Stromverbrauch und der damit verbundene extrem niedrige Geräuschpegel. Dadurch, dass die Steam Machine nur etwas mehr als 140 Watt verbraucht, entsteht auch entsprechend weniger Abwärme. In unserem Selbstbau hat bereits die Grafikkarte allein einen maximalen Stromverbrauch von 160 Watt, der Prozessor zieht bis zu 65 Watt. Auch an die noch kompaktere Größe von circa 16 mal 16 Zentimetern Kantenlänge kommt unser Selbstbau nicht heran.
Das Betriebssystem SteamOS ist inzwischen über jeden Zweifel erhaben. Valve hat die vergangenen Jahre intensiv daran gearbeitet, die Kompatibilität zu älteren und aktuellen Titeln zu verbessern. Es ist bemerkenswert, wie gut die für Windows programmierten Spiele inzwischen auf dem Linux-System laufen, ohne dass man als Nutzer noch eingreifen muss. Und in Sachen Couch-Bedienbarkeit hat SteamOS gegenüber Windows die Nase meilenweit vorn. Bei Windows kommt man ohne eine Tastatur nicht mehr über die Login-Hürde.
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