Niedrige Füllstände der Gasspeicher Verbraucherschützer warnen vor steigenden Gaspreisen
19.08.2026 · 21:30 Uhr
Ein Arbeiter geht am Verdichter eines Untergrund-Gasspeichers in Sachsen-Anhalt entlang. (Archiv)
Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Jan WoitasBerlin · Die deutschen Gasspeicher sind nur gut zur Hälfte gefüllt, zugleich steigen die Preise am Weltmarkt. Das Bundeswirtschaftsministerium gibt an, die Lage zu beobachten. Verbraucherschützerin Ramona Pop ruft Gaskunden zum Prüfen der Verträge auf. Reicht die Vorsorge?
Angesichts der geringen Füllstände der Gasspeicher hat der Verbraucherzentrale Bundesverband vor steigenden Preisen gewarnt. Ramona Pop, Vorständin des Verbandes, sagte unserer Redaktion: „Niedrige Speicherstände würden die bereits angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen. Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten.“
Seit Monaten wird wegen der hohen Preise am Weltmarkt infolge des Iran-Krieges kaum Gas eingespeichert. Die Sperrung der Straße von Hormus hat weltweit das Angebot an Flüssigerdgas reduziert. Die deutschen Speicher sind deshalb nur zu gut 50 Prozent gefüllt, die vollständige Befüllung bis zum Beginn der Heizsaison ist daher bereits kaum noch machbar.
Gasspeicherstände sind „derzeit noch sehr gering“
Verbraucherschützerin Pop sagte dazu: „Wir beobachten die Gasspeicherstände sehr genau und sehen die möglichen Herausforderungen für den kommenden Winter.“ Auch beim zuständigen Bundeswirtschaftsministerium hat man die Lage im Blick, wie eine Sprecherin am Mittwoch in Berlin betonte. Die Gas-Importeure seien aufgefordert, mehr Gas einzuspeichern. „Wir setzen darauf, dass weiter gefüllt wird, das ist ihre Aufgabe, für die Wintervorsorge“, so die Sprecherin. Auch sie bezeichnete die Füllstände als „derzeit noch sehr gering“. Allerdings sei die Lage mittlerweile eine andere als während der Gaskrise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Inzwischen verfüge Deutschland über eigene Importkapazitäten für Flüssigerdgas (LNG) und könne sich laufend versorgen.
Der Preis für europäisches Erdgas stieg am Mittwoch auf das höchste Niveau seit der Anfangsphase des Iran-Krieges. Der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat wurde an der Börse in Amsterdam zu 64,60 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das ist der höchste Stand seit Mitte März. Zum 1. November müssten die deutschen Gasspeicher nach gesetzlichen Vorgaben eigentlich zu jeweils 80 Prozent gefüllt sein, mit einigen festgelegten Ausnahmen.
„Oberste Priorität ist die Versorgungssicherheit“
Netzagentur-Chef Klaus Müller nahm die Händler in die Pflicht. „Es ist ausreichend Gas verfügbar. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Gashändler seinen Kunden erklären möchte, dass es im Winter nicht genug Gas gibt, weil er nicht ausreichend vorgesorgt hat“, sagte er zu „T-Online“. „Ich erwarte, dass die Gashändler ihrer Verantwortung nachkommen.“
Die Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums verwies darauf, dass ihr Haus kein Gas einkaufe. „Wir machen ja keine Verträge, das machen ja die Unternehmen.“ Ministerin Katherina Reiche (CDU) führe aber politische Gespräche, um Gaslieferverträge mit weiteren potenziellen Lieferanten den Weg zu bereiten. Man sei jederzeit in der Lage zu reagieren, versicherte die Sprecherin. „Oberste Priorität ist die Versorgungssicherheit für den Winter zu gewährleisten.“ Künftig soll eine strategische Gasreserve die Versorgung sichern. Die Finanzierung ist aber noch unklar.
Verbraucherschützerin teilt Tipps zur Kostensenkung
Kritik an Reiches Kurs gibt es trotzdem. Der energiepolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Jörg Cezanne, sagte unserer Redaktion: „Es ist kaum zu fassen, dass sich Katherina Reiche selbst dann nicht von ihrer Marktgläubigkeit lossagt, wenn doch die internationalen Gasmärkte durch die Kriege Russlands und der USA vollkommen durcheinandergeraten sind.“ In einer derart unsicheren Weltmarktsituation auf einen milden Winter oder auf funktionierende LNG-Märkte zu bauen, damit die halbleeren Speicher ausreichen, sei „ein Poker mit der sicheren Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung.“
Verbraucherschützerin Pop rät Gaskunden nun zur Vorsicht: „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten jetzt prüfen, ob ihr Vertrag über den Winter hinaus eine Preisbindung vorsieht.“ Das schütze zunächst vor steigenden Preisen. „Zugleich lohnt es sich, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln“, sagte Pop. „Das gilt insbesondere für Haushalte in der Grundversorgung.“
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