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Reisen | RP ONLINE · Aug 21, 2026

Großbritannien: Auf Drachenjagd in Wales

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unbekannt · RP ONLINE

Großbritannien Auf Drachenjagd in Wales

22.08.2026 · 00:24 Uhr

Der rote walisische Drache (Y Ddraig Goch) ist ein fester Bestandteil des Cardiff Castle in Wales.

Foto: Carsten Heinke

Drachen-Abenteuer in Wales: Wer mit dem Nachwuchs durch das Land im Südwesten Großbritanniens reist, trifft dessen Wappentier besonders oft.

Als Opa seinen Enkeln Finn und Philipp Basecaps mit dem roten Drachen aus Wales mitbrachte und von den feuerspeienden Reptilien erzählte, war sofort klar: „Wir wollen auch ins Drachenland.“ Ihre Ritterhelme, Schwerter und Schilde hatten die Drei- und Fünfjährigen schnell gepackt. Nur ein Wohnmobil mussten die Eltern noch besorgen. Via Niederlande, Belgien und Frankreich ging es dann damit per Schiff nach England.

Nun rollt der Camper schon durch Wales. Mit Adleraugen spähen beide Jungen in die grüne Landschaft und entdecken wundersame Hexenbäume, Mauern, Burgen, Zwergenhäuser sowie jede Menge Schafe. Von flugfähigen Märchenechsen jedoch keine Spur.

Vorläufig ein schwacher Trost: Zumindest auf der allerorts präsenten Nationalflagge taucht der rote Drache auf grün-weißer Fläche auf und ziert Bauwerke und Denkmäler in vielerlei Gestalt – besonders häufig in der Hauptstadt Cardiff.

Die Legende des Wappentiers von Wales kennt Papa Alex: „Als ein Keltenkönig seine Burg errichten lassen wollte, stürzten deren Mauern immer wieder ein. Von Zauberer Merlin erfuhr er, dass zwei Lindwürmer im Inneren des Burgbergs kämpften. Der rote walisische besiegte den weißen angelsächsischen und wurde zum Symbol der tapferen Waliser.“

Der erste Campingplatz am Meer verdrängt zunächst die Fabelwesen-Träume. Bei Finn und Philipp sind jetzt Beach und Baden angesagt. Zu verführerisch locken die Wellen des Môr Hafren, wie der Bristolkanal auf Walisisch heißt. Nun dient er als Planschbecken. Potenzial für viel Bewegungsspaß und Kreativität bieten die Strände auf der Gower-Halbinsel. Der helle Pulversand ist ideal zum Toben – und wie der Kiesstrand nebenan genauso gut für Burgkonstruktionen, Türme oder fantasievolle Reliefs geeignet.

In der Ruine der Märchenritterburg Harlech Castle können Kinder mit Schild, Schwert und Helm Schaukämpfe austragen.

Foto: Carsten Heinke

„Ich glaube, hier gibt’s Drachen“, meint Philipp zu seinem Bruder, als sie tags darauf zwischen den Klippen nahe New Quay stehen. Die organische Struktur der Felsen weckt die Phantasie der Kinder – und das Meer die Lust hineinzurennen. Philipp und sein Opa schwimmen los. Nicht weit vom Strand ragen ein paar dicke Brocken aus der Bucht. Dort geht das Entdecker-Team „an Land“ und sieht: Nicht weit dahinter in der Kliffwand gähnt ein langer schwarzer Spalt. Das muss eine Drachenhöhle sein!

Wenige, sehr aufregende Augenblicke später stehen Großvater und Enkel in dem hohen, schmalen Hohlraum in der Klippe – mit zwei Metern breit genug, um sogar einen kleinen Kieselstrand zu haben. Ihre Stimmen hallen eindrucksvoll, genauso wie das Meer, das in die Höhle rauscht. Jede Welle schiebt die runden Steine klackernd hin und her. Mutig, doch für alle Fälle Opa an der Hand, peilt Philipp die Lage, traut sich bis ins Dunkle und stellt dann enttäuscht, doch auch erleichtert fest: „Der Drachen ist bestimmt zur Ritterburg geflogen.“

Nur mit Mühe lassen sich die Kinder überzeugen, weitere mögliche Behausungen der beliebten Ungeheuer zu besuchen. Hauptargument für die geplante Tour zum Höhlensystem Dan yr Ogof nahe Ystradgynlais im Bannau-Brycheiniog-Nationalpark ist der Saurierpark dort, der im Showcaves-Ticket inklusive ist. Schließlich sind auch Dinos Drachen, finden die Erwachsenen und müssen sich die Unterschiede von den Jungs erklären lassen.

Den sensationellen, aber leider drachenlosen Höhlen mit illuminierten Gängen, Wasserfällen und Kanälen schenken sie nur wenig Aufmerksamkeit. Von den Kunststoff-Urzeitechsen, die sich sehr effektvoll in der üppig grünen Berglandschaft verstecken, teils bewegen oder furchterregend brüllen, sind sie dagegen ganz begeistert.

Ihren Beifall findet ebenso die einstündige Fahrt mit der Vale of Rheidol Railway von der Küstenstadt Aberystwyth bis zur Teufels-Brücke. Sie ist eine der zwölf historischen Dampfeisenbahnen von Great Little Trains of Wales. Bei der Ankunft auf dem Campingplatz am Abend schlummern die jungen Abenteurer schon in neuen Träumen.

Als sie am Morgen aus dem Camper klettern, thront vor ihnen, auf einer 60 Meter hohen Klippe, die Märchenritterburg Harlech Castle. Im Mittelalter hatte sie noch einen Schiffsanleger. Seitdem ist das Meer „gewandert“ und beginnt nun einen Kilometer weiter westlich.

Die Kinder lassen sich nicht lange bitten. Eine Viertelstunde später kämpfen sie – mit Schild und Helm – als Ritter in der Burgruine, lassen ihre Plastikschwerter aufeinanderkrachen, wälzen sich im Gras. Was sie nicht ahnen und auch keiner von den Großen wusste: Gleich wird ihnen ein Zwei-Mann-Theater einen Traum erfüllen.

Die Eltern winken. Opa hält die Kamera bereit. Vor einer Turmtür in der Burghofecke sammelt sich schon Publikum. Keiner weiß etwas. Doch alle sind gespannt. Auf einmal steht ein Coblyn da, furchtbar hässlich, grantig, aber nett – wie die Kobolde in Wales halt sind. Auf der Treppe rumpelt es. Rufe dringen aus dem Turm. Ein Mann in Mittelalter-Outfit kommt heraus. Auf seinen Schultern schläft – ein „echter“ Drachen!

Der öffnet die Augen und wirkt eher schüchtern als gefährlich. Vor den Menschen hat er mindestens so viel Respekt wie sie vor ihm. Der Coblyn macht den Kindern Mut: „Er ist lieb. Ihr könnt ihn ruhig streicheln.“ Die kleinen Ritter trauen sich, legen sogar ihre Hände lange auf den stacheligen Echsenkopf.

Am Urlaubsende findet Philipp: „Das Schönste war der Drache.“ Der dreijährige Finn bestätigt das und fügt hinzu: „Nur seine Haut hat sich wie Gummi angefühlt.“

Die Recherche zu diesem Beitrag wurde von Visit Wales und Visit Britain unterstützt.

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