Torhüterposition bei den Krefeld Pinguinen Mit Konkurrenzkampf zum Klassenerhalt
31.07.2026 · 14:53 Uhr
Update | Krefeld · Felix Bick überzeugte in den DEL2-Play-offs mit einer Fangquote von fast 92 Prozent. Doch Neuzugang Juha Jatkola bringt ein anderes Profil und anderes Potenzial mit. Wie können sich die Torhüter ergänzen?
Die Kaderplanung der Krefeld Pinguine ist mittlerweile weit fortgeschritten, am Freitagmittag wurde dann auch endlich ein weiteres großes Fragezeichen geklärt: Zunächst humorvoll per Video, dann ganz offiziell per Schreiben verkündeten die Krefeld Pinguine die Verpflichtung ihres neuen Torhüters Juha Jatkola. Vom finnischen Vizemeister KooKoo schließt sich der 23-jährige Finne mit sofortiger Wirkung dem DEL-Aufsteiger an und komplettiert somit das Torhüter-Duo um die bisherige Nummer 1 Felix Bick. Während die Frage nach dem neuen Goalie nach Wochen des Rätselns somit geklärt ist, tut sich damit wiederum eine neue Frage auf: Wird der hochveranlagte Finne die Rolle als klare Nummer eins übernehmen oder darf sich Aufstiegsheld Bick weiterhin berechtigte Hoffnung auf ausreichend Eiszeit machen?
Dass diese Diskussion überhaupt aufkommt, hat sich Bick durch seine Leistungen in den vergangenen Jahren selbst erarbeitet. Anfang Mai fasste der damalige Torwart-Trainer Anton Lukin die Leistung seines Goalies nach den DEL2-Play-offs mit einem Wort zusammen: „Unglaublich“. Und tatsächlich spielte der 33-Jährige hervorragende Play-offs, seine Fangquote von fast 92 Prozent und der Gegentor-Schnitt von 1,99 waren allesamt beeindruckende Zahlen, dabei leistete sich der Torhüter keine nennenswerten Fehler. Nicht nur Lukin, sondern das gesamte Trainerteam stellte sich dabei stets hinter ihre Nummer eins und betonte seine Wichtigkeit. Dabei lief die Saison nicht durchgehend so blendend für den Torhüter. Nach passablem Saison-Start schlich sich im Herbst eine Schwächephase ein, zusätzlich machte es die dominante Spielweise seiner Vorderleute dem Torhüter nicht leicht: Oftmals bekam er zwei Drittel lang keine Scheibe aufs Tor, nur um dann plötzlich hellwach sein zu müssen. In Anbetracht der vergangenen Saison ist dabei jedoch wichtiger, dass sich der Schlussmann im Laufe der Saison erheblich steigerte und zum Ende hin eben richtig ablieferte.
Konkurrenzkampf pushte Bick
Dies hing auch mit der Verpflichtung von Danny aus den Birken als möglichen Starter zusammen. Der Konkurrenzkampf um den Status als Nummer eins tat Bick gut, schließlich entschied er das interne Duell für sich und bestätigte diese Entscheidung eben mit starken Leistungen. Der aufkommende Konkurrenzkampf könnte Bick also erneut zu Höchstleistungen anregen. Mit Blick auf die vergangene Saison gehört jedoch auch zur Wahrheit mit dazu: Die Pinguine waren aufgrund ihrer spielerischen Überlegenheit zu keinem Zeitpunkt auf einen Torhüter angewiesen, der ihnen auch mal alleine ein Spiel rettet.
In der kommenden Saison wird das anders sein. Ein herausragender Torhüter wird ein elementarer Baustein in der Mission „Klassenerhalt“ für die Pinguine. Bick, der bereits seit 2023 in Krefeld aufläuft und allgemein einen guten Ruf genießt, müsste seine Leistungen zum Saisonende somit nicht nur bestätigen, er müsste noch einmal eine Schippe drauflegen. Das stößt dann eben die Frage auf, wie viel Luft nach oben in dem DEL2-erfahrenen Torhüter noch steckt. Den Großteil seiner Karriere verbrachte Bick in Deutschland zweithöchster Spielklasse, rund 400 Einsätze stehen dort in seiner Vita. Das ist eine Menge Erfahrung, speziell in Krefeld, einerseits – andererseits aber eben „nur“ in der Zweitklassigkeit.
Andere Vorzeichen bei Jatkola
Hier kommt Neuzugang Jatkola ins Spiel, welcher gänzlich andere Vorzeichen als Bick mitbringt. Der zehn Jahre jüngere Finne kommt mit einem deutlich höheren Leistungspotenzial, wurde nicht umsonst im NHL-Draft 2023 von den Nashville Predators ausgewählt und in den vergangenen Jahren auch europäisch auf oberstem Niveau eingesetzt. Ihm wird neben seiner starken Athletik auch ein cleveres Spielverständnis nachgesagt. Theoretisch dürfte der Neuzugang somit als Nummer eins eingeplant werden, in der Praxis kann es schnell anders aussehen. Für Jatkola ist der Wechsel nämlich auch erst mal viel Umstellung: Land, Liga, Spielweise, Mannschaftskollegen – auf persönlicher Ebene wird es eine große Herausforderung für den Schlussmann.
Außer Acht lassen wir hierbei mal den „Finnen-Fluch“ der Pinguine, welcher durch die durchwachsene Saison vom letztjährigen finnischen Neuzugang Roope Mäkitalo zusätzlich gefüttert wurde. Dennoch spielt man in Finnland eben anderes Eishockey. Als Torhüter ist diese Umstellung in der Spielweise zwar weniger relevant als beispielsweise als Stürmer, es ist dennoch ein wichtiger Aspekt. Mitverantwortlich in diesem Prozess wird dabei auch der neue Torwarttrainer Danny aus den Birken sein, der mit seiner Erfahrung ein ganz wichtiger Faktor sein wird. Gelingt es ihm und dem restlichen Trainerteam, Jatkola bei einem guten Einstieg zu helfen, dürfte wohl kein Weg am Finnen als Nummer eins vorbeigehen.
Ohnehin wäre das Allerbeste für die Pinguine, wenn die Debatte nicht um ein „Jatkola gegen Bick“, sondern um ein „Jatkola und Bick“ geht. Denn, wie erwähnt, ergänzen sich beide Goalies auf ihre Weise und bringen somit ganz unterschiedliche Einflüsse in die Mannschaft – beide haben dabei ihren Wert. Selbst wenn Jatkola zunächst den Vortritt erhält, wird die Tür für Bick nicht geschlossen sein. Trainer Popiesch ist ein großer Verfechter des Leistungsprinzips und wird auch Bick seine Einsatzzeiten geben.
Ob auch der dritte Mann im Torhüter-Team diese erhalten wird, ist schwer abzuschätzen. Für den 21-jährigen Julius Schulte, der vergangene Saison in der DEL2 zu überzeugen wusste, kommt das deutsche Oberhaus wohl noch zu früh. Im Notfall haben die Pinguine aber auch hier einen sehr spannenden, weiteren Torhüter im Kader.
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