6,6 Milliarden Euro zusätzlich in 2027 Krankenkassen weisen Kritik der Krankenhäuser zurück
23.08.2026 · 17:03 Uhr
Stefanie Stoff-Ahnis ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes.
Foto: GKV-SpitzenverbandExklusiv | Berlin · Die Vize-Chefin des GKV-Spitzenverbandes, Stoff-Ahnis, hat Krankenhäuser dafür kritisiert, trotz zusätzlicher Mittel von den Kassen im kommenden Jahr von Kürzungen zu reden. Es sei ausreichend Geld im System für notwendige Veränderungen – die müssten nun kommen.
Mit den Reformen der deutschen Krankenhauslandschaft und der Beiträge für die gesetzlichen Krankenkassen kommt derzeit viel Bewegung ins Gesundheitssystem. Nun hat der GKV-Spitzenverband die Kliniken dazu aufgerufen, angesichts zusätzlicher Milliarden von den Kassen für das Jahr 2027 die notwendigen Veränderungen auch anzugehen.
„Im kommenden Jahr werden die Krankenhäuser mindestens 6,6 Milliarden Euro zusätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen erhalten“, kündigte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Stefanie Stoff-Ahnis, an. „Damit werden die Einnahmen der Krankenhäuser um rund 5,5 Prozent gegenüber diesem Jahr steigen“, sagte sie unserer Redaktion. „Die Krankenhäuser erhalten weiterhin genug Geld, um die Menschen gut zu versorgen, die Pflegekräfte und Ärzteschaft weiterhin gut zu bezahlen und den notwendigen Strukturwandel aktiv anzugehen“, betonte die GKV-Vizechefin. „Die Krankenhäuser sind innerhalb und außerhalb des Gesundheitswesens die einzige mir bekannte Branche, die bei Mehreinnahmen von 5,5 Prozent von Kürzungen spricht“, kritisierte Stoff-Ahnis. „Bei diesen vielen zusätzlichen Milliarden Euro habe ich kein Verständnis dafür, dass manche Krankenhausvertreter von Kürzungen sprechen und wahre Schreckensbilder an die Wand malen.“
Zuletzt hatte es mit der Krankenhausreform Bemühungen gegeben, die Klinikfinanzierung anzupassen und unnötige Krankenhausschließungen zu vermeiden. Auch die jüngst von Bundestag und Bundesrat beschlossene Reform zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassenbeiträge sollte dazu beitragen, Milliardendefizite in den Griff zu kriegen. Ein wesentlicher Grundsatz dabei: Ab 2027 soll die gesetzliche Krankenversicherung nicht mehr ausgeben als sie an Einnahmen aus Beitragsgeldern der Versicherten und Arbeitgeber generiert. Diese einnahmeorientierte Ausgabenpolitik soll den Anstieg der Zusatzbeiträge und die zunehmende Belastung des Wirtschaftsstandortes Deutschland stoppen.
Wie es nun aus dem GKV-Spitzenverband hieß, könne im Zuge der einnahmenorientierten Ausgabenpolitik seitens der Kliniken weder von einer Nullrunde noch einer Minusrunde gesprochen werden. Denn wenn sich die Einnahmen der GKV erhöhten, könnten auch die Ausgaben für die Krankenhausbehandlung steigen.
Bei einem Blick auf die jetzt schon bezifferbaren Steigerungen für Krankenhäuser in 2027, so hieß es vom GKV-Spitzenverband, ergebe sich folgendes Bild: Für die Vereinbarung des Landesbasisfallwerts für das Jahr 2027 werde der für das Jahr 2026 vereinbarte oder festgesetzte Landesbasisfallwert ohne Ausgleiche per Gesetz um 1,14 Prozentpunkte erhöht. Damit wird die Preiskomponente der Krankenhausvergütung um 1,35 Milliarden Euro angehoben, hieß es. Dies entspreche ohne Berücksichtigung einer möglichen Tarifrefinanzierung für das Jahr 2027 bei einem Mengenanstieg von 0,5 Prozentpunkten einer Steigerung von 6,59 Milliarden Euro oder 5,5 Prozent.
Stoff-Ahnis sagte dazu: „Die Krankenhäuser bekommen auch im nächsten Jahr genug Geld, um die notwendigen Veränderungen anzupacken und sich so aufzustellen, dass die Versorgungsqualität für die Patientinnen und Patienten besser wird und sie selbst ihren Platz in einer modernen Krankenhausstruktur finden.“ Aber klar sei auch: Nur wer sich verändere, könne die Zukunft gewinnen. „Es ist höchste Zeit, aus dem Protestmodus in den konstruktiven Gestaltungsmodus umschalten“, forderte Stoff-Ahnis.
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