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Politik | RP ONLINE · Aug 20, 2026

Spitzenkandidat Leif-Erik Holm in Anklam: Wie die AfD im Nordosten Manuela Schwesig beerben will

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Mey Dudin · RP ONLINE

Spitzenkandidat Leif-Erik Holm in Anklam Wie die AfD im Nordosten Manuela Schwesig beerben will

21.08.2026 · 09:37 Uhr

Leif-Erik Holm im Wahlkampf in Anklam.

Leif-Erik Holm im Wahlkampf in Anklam.

Foto: Mey Dudin

Analyse | Berlin · Leif-Erik Holm will in Mecklenburg-Vorpommern Ministerpräsident werden und hofft auf eine „blaue Wende“. Auf seiner Wahlkampftour macht er Station in Anklam – einer Stadt, in der die rechtsextreme Szene seit vielen Jahren fest verankert ist.

Vor dem Rathaus der Hansestadt, wo vor vier Monaten der langjährige, parteilose Bürgermeister den AfD-Gegenkandidaten haushoch besiegt hat, prangen auf einer Bühne auf blauem Hintergrund die Worte: „Bereit für die blaue Wende“. Darauf hofft die AfD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. In Anklam haben die Rechtspopulisten bei der Bundestagswahl 2025 mehr als 45 Prozent der Zweitstimmen geholt. Doch bei der Bürgermeisterwahl im April war davon wenig zu spüren: Der Amtsinhaber Michael Galander, Kandidat der Wählergemeinschaft Initiativen für Anklam, gewann mit gut 72 Prozent – und regiert jetzt in der vierten Amtszeit. Der AfD-Kandidat erhielt nur knapp 28 Prozent.

Ein Widerspruch? Nicht unbedingt. Eher ein Hinweis darauf, dass Partei- und Personenwahlen unterschiedlichen Regeln folgen.

AfD setzt auf freundliche Gesichter

Im Nordosten setzt die AfD auf ihren Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm (56), Bundestagsabgeordneter, gebürtiger Schweriner, früher als Radiomoderator unter anderem bei Antenne MV und dem NDR im Bundesland bekannt. In dieser Woche macht er auf seiner Wahlkampftour Station in Anklam. Die AfD setzt in diesem Jahr auf zwei betont freundliche Gesichter. Holm steht zwar im Schatten von Tiktok-Star Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt. Doch ist auch er ein Kandidat mit nahbarem Auftreten, der die radikalen Inhalte seiner Partei weiter in die gesellschaftliche Mitte tragen kann.

Im Wahlprogramm fordert sein Landesverband nicht wie andere eine „Remigrationsoffensive“, sondern konkreter die „Remigration“ syrischer Flüchtlinge. In Anklam fordert er eine „Landesausreiseeinrichtung“ für konsequente Abschiebungen und eine eigene „Grenz- und Rückführungspolizeieinheit“.

Wird Ulrich Siegmund der erste AfD-Ministerpräsident?

Da die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zwei Wochen auseinanderliegen, erhofft sich Holm vom Abschneiden seines Parteifreunds einen zusätzlichen Schub für den Wahltag am 20. September. Vor etwa 150 Zuschauerinnen und Zuschauern, die zu seinem Auftritt auf den Anklamer Marktplatz gekommen sind, sagt er: „Der Uli Siegmund kann es wirklich packen.“ Wenn der es schaffe, erster AfD-Ministerpräsident in Deutschland zu werden, „dann werden auch bei uns alle Dämme brechen“.

Anklam stand einst für Abwanderung, Arbeitslosigkeit und Armut. Heute sehen Besucher eine hübsche Kleinstadt mit einem Marktplatz, der von kleinen Geschäften und Restaurants umsäumt ist. Das Städtchen mit rund 12.000 Einwohnern war über viele Jahre als Neonazihochburg in den Schlagzeilen. Es gab auch Gegenstrukturen wie den sogenannten Demokratiebahnhof. Vor ziemlich genau zehn Jahren gaben auf dem Vorplatz die Punkband „Feine Sahne Fischfilet“, Rapper „Marteria“ und Campino von den „Toten Hosen“ ein Überraschungskonzert unter dem Motto „Nazis abwählen“.

Unvereinbarkeitsbeschlüsse und Brandmauern bleiben wohl nur eine Theorie

Tatsächlich flog die NPD kurz darauf bei der Landtagswahl aus dem Parlament, weil sie bei der Wahl nur noch drei Prozent erreichte. Allerdings zog zugleich die AfD ein – mit fast 21 Prozent. In Anklam ist der Demokratiebahnhof inzwischen geschlossen. Die alteingesessenen rechtsextremistischen Strukturen wiederum sind langjährigen Beobachtern zufolge mit ihren Betrieben ein fester Bestandteil der Stadtgesellschaft.

In Anklam hat auch der neue Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen, Philipp Amthor (CDU), sein Wahlkreisbüro – auf Google Maps ist es als „CDU-Eierverband“ eingetragen. Nur 100 Meter davon entfernt ist die Landesgeschäftsstelle der Partei „Die Heimat“, wie sich die frühere NPD heute nennt. Dass Unvereinbarkeitsbeschlüsse und Brandmauern hier wohl eher Theorie bleiben, zeigte sich zuletzt daran, dass einem NDR-Bericht zufolge Stadtvertreter von CDU, AfD und „Die Heimat“ gemeinsam gegen einen Jahresempfang zur Ehrung von Bürgerinnen und Bürgern für besonderes Engagement stimmten.

AfD-Politiker Leif-Erik Holm strebt 43 Prozent an

Auch wenn Holm die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) beerben möchte, arbeitet er sich bei seinem Wahlkampfauftritt in Anklam vor allem an der CDU ab, die laut Umfragen in Mecklenburg-Vorpommern auf etwa zehn Prozent kommt. „Die CDU wählen, es macht einfach sowas von keinen Sinn“, ruft er. „Da sie mit der AfD nichts unternehmen wollen, mit der AfD nicht regieren wollen, kann es ja nur so sein, dass diese CDU entweder selber mitmacht in einer Koalition mit der SPD und mit den Linken oder Rot-Rot toleriert.“ Er betont: „Nur wenn wir stark genug sind, werden wir auch regieren können.“

43 Prozent plus X strebt Holm an, was seiner Einschätzung nach für eine Alleinregierung reichen könnte. Die AfD belegt bei Umfragen zwar klar den ersten Platz, steht aber mit 36 Prozent deutlich unter dem selbstgesetzten Ziel. Nach einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Umfrage kommt die SPD von Ministerpräsidentin Schwesig auf 29 Prozent.

Am Ende dürfte in Mecklenburg-Vorpommern entscheidend sein, ob bei der Landtagswahl die Partei oder die Person den Ausschlag gibt: Entscheidet sich das Wahlvolk vor allem nach Parteipräferenz, könnte die AfD mit Holm stärkste Kraft werden. Gibt dagegen die Person den Ausschlag, dürfte sich Schwesig behaupten.

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