Ratgeber Gesundheit Warum Schichtarbeit krebserregend sein kann
30.07.2026 · 10:56 Uhr
Wer tagsüber wegen Schichtdienstarbeit ins Bett gehen muss, schläft oft schlechter (Symbolbild).
Foto: dpa-tmn/Christin KloseDüsseldorf · Längst bekannt ist, dass Schichtarbeit den Biorhythmus aus dem Takt bringt. Das hat Folgen wie Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und laut WHO-Studie möglicherweise sogar ein erhöhtes Krebsrisiko. Warum das so ist und wie Sie gut durch Schichtdienste kommen.
Helligkeit und Dunkelheit sind die wesentlichen Faktoren, die unseren Biorhythmus bestimmen. Der Körper lässt sich nur begrenzt an wechselnde Arbeitszeiten anpassen. Früher oder später hat Nachtarbeit deshalb negative Auswirkungen auf den Körper.
„Die innere Uhr unseres Körpers reguliert den biologischen Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen“, erklärt Volker Harth, Arbeitsmediziner vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Dieser steuert wichtige Stoffwechselfunktionen wie Körpertemperatur, Hormonhaushalt, aber auch den Schlaf. „Arbeitnehmende, die in Wechsel- oder Nachtschicht arbeiten, fühlen sich oftmals belastet, da sie entgegen diesem natürlichen Rhythmus leben“, so der Experte.
Das kann viele verschiedene gesundheitliche Auswirkungen haben. Dazu zählen Schlafstörungen, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Langfristig steigt unter anderem das Risiko für Magen-Darm-Erkrankungen, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden. Eine Auswertung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2019 zeigt sogar, dass Nachtarbeit wahrscheinlich krebserregend ist.
Wie Sie gut durch Schichtdienste kommen - 8 Tipps
Prof. Volker Harth vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geben Tipps, wie Sie am besten durch den Schichtdienst kommen.
1. Den Schlaf schützen
Wer nachts arbeitet, läuft Gefahr, in ein Schlafdefizit zu kommen. „Schichtarbeitende sollten ihren Schlaf ganz bewusst planen und für diese Zeit keine Termine beim Arzt oder Amt machen“, sagt Frank Brenscheidt. Nach der Nachtarbeit sollte man möglichst schnell in den Schlaf kommen, rät Volker Harth.
„Da der Tagschlaf sowieso verkürzt ist, sollte dieser möglichst störungsfrei sein“, so der Mediziner. Ein kühles, dunkles und ruhiges Schlafzimmer hilft dabei. Auch könne man Ohrstöpsel nutzen oder Verdunklungsvorhänge aufhängen. Wichtig: die Türklingel ausschalten, um nicht vom nächsten Paketboten geweckt zu werden.
2. Licht vor dem Schlaf meiden
Licht macht wach. Wer also nach der Arbeit möglichst schnell zur Ruhe kommen möchte, kann beispielsweise mit einer Sonnenbrille versuchen, weniger Lichtreize aufzunehmen. Insbesondere blaues Licht, wie von Smartphones und Tablets, sollte vor dem Schlafen vermieden werden. „Es triggert den Menschen zum Wachsein“, erklärt Volker Harth.
3. Leichte Mahlzeiten zu sich nehmen
In der Nacht läuft die menschliche Verdauung normalerweise auf Sparflamme. Deswegen sollte man in der Nacht fettarm und proteinreich essen. „Es wäre gut, die Hauptmahlzeit zum Abendessen zu sich zu nehmen und leichtes Essen über die Nacht hinweg. So verhindert man, dass man am Morgen wach bleibt, weil der Verdauungstrakt arbeitet“, so Harth.
4. Wachmacher nur gezielt einsetzen
Kaffee, Cola oder Energy-Drinks - Getränke mit Koffein oder Taurin halten wach und geben Energie. Das kann im Nachtdienst durchaus sinnvoll sein. Allerdings, rät Volker Harth, solche Wachmacher nur bewusst und gezielt einzusetzen. Putscht man sich noch wenige Stunden vor dem Schlafengehen auf, ist die Gefahr groß, nach dem Nachtdienst nicht zur Ruhe zu kommen.
5. Soziale Interaktion einplanen
„Wer arbeitet, wenn alle anderen frei haben, gerät schnell in eine gewisse soziale Isolation“, sagt Frank Brenscheidt. Er empfiehlt deshalb soziale Kontakte aktiv zu pflegen. Hilfreich sei beispielsweise ein fest eingeplantes gemeinsames Mittagessen mit der Familie oder auch eine private Verabredung mit einem Schichtkollegen.
6. Bewegung als Stressabbau
Ist der Tag-Nacht-Rhythmus gestört, kann der Körper Stress schlechter abbauen. Sport kann dabei unterstützen, einen gesunden Ausgleich zu schaffen, sagt Frank Brenscheidt. Auch helfe Bewegung am Nachmittag, später wieder in einen stabilen Rhythmus zurückzufinden, erklärt Volker Harth.
7. Nach der letzten Nachtschicht zurück in den Tagesrhythmus finden
Nach der Nachtschicht wach bleiben? Auch das kann in Ausnahmefällen sinnvoll sein. Nämlich dann, wenn man nach der letzten Nachtschicht möglichst schnell in einen normalen Tagesrhythmus zurückfinden möchte. „Die Idee dabei ist, dass man einen großen Schlafantrieb für die ganz natürliche Schlafenszeit am Abend entwickelt“, so Harth. Das bedeutet aber nicht, dass man sich zum Wachbleiben quälen sollte. Auch ein kürzerer Mittagsschlaf muss kein Hindernis dafür sein, abends wieder ausreichend müde zu sein.
8. Ein gutes Schichtsystem nutzen
Zusätzliche Schichten oder kurzfristige Dienstplanänderungen belasten den Körper besonders. „Ein gutes Arbeits- und Schichtsystem ist die wichtigste Voraussetzung, um in Schichtarbeit fit und gesund zu bleiben“, sagt Frank Brenscheidt. Dabei sei wichtig, nicht mehr als drei Nachtschichten nacheinander zu machen. „Erholung darf nicht aufgeschoben werden“, so Brenscheidt.
Auch sollten Unternehmen und Schichtarbeitende darauf achten, dass die Schichtwechsel vorwärts rotieren, also vom Frühdienst über den Spätdienst zum Nachtdienst und danach eine möglichst lange Pause geplant ist. „Ganz wichtig ist die Planungssicherheit. Wenn frei ist, muss auch sicher frei sein“, sagt Brenscheidt.
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