Niedrigwasser am Rhein Müllsammler entdecken fünf Tresore am Rhein bei Dormagen
18.08.2026 · 09:00 Uhr
Dormagen · Aufräumen der besonderen Art: Zehn Müllsammler haben das Niedrigwasser genutzt und das Rheinufer in Dormagen nach Abfall durchforstet. Gefunden haben sie nicht nur fünf Tresore.
Die anhaltende Trockenheit hat viele Schattenseiten. Wälder und Felder leiden, die Gefahr von Bränden steigt, und auch der Rhein führt immer weniger Wasser. Doch das extreme Niedrigwasser bringt zugleich Dinge ans Licht, die sonst verborgen bleiben.
Im Rhein am Silbersee, an der Stadtgrenze zwischen Dormagen und Neuss, liegt derzeit der alte Aalschokker nahezu vollständig frei. Das rostige Wrack zieht zahlreiche Fotografen und Schaulustige an. Doch Karin Schwanfelder hatte einen ganz anderen Blick auf das, was dort zum Vorschein kommt.
Niedrigwasser in NRW – erstaunliche Funde aus dem Rhein
12 Bilder
Die Gründerin von Rhein-Clean Up Dormagen-Zons hatte Fotos des freiliegenden Aalschokkers gesehen und darauf auch jede Menge Müll entdeckt. „Da habe ich gedacht: Das ist jetzt die Gelegenheit“, erzählt sie. Sie startete Aufrufe in Dormagener und Neusser Facebook-Gruppen, schrieb Helfer persönlich an und machte so auf die Aktion aufmerksam. Rund zehn Helfer kamen schließlich zusammen.
Helfer finden Tresore, Autoteile und Nähmaschine im Rheinschlamm
Was sie unten am steilen Ufer erwartete, überraschte selbst die erfahrenen Müllsammler. „Da liegen Sachen, die uralt sind, wahrscheinlich seit Jahrzehnten“, sagt Schwanfelder. Zwischen Schlamm und Steinen fanden die Helfer Autoteile, Reifen, drei Fahrradrahmen, eine alte Nähmaschine, eine Stoßstange eines VW Käfers und auffällig viele Teile eines Volvo. Und fünf Tresore.
Zwei der kleineren Tresore konnten die Helfer ausgraben, doch längst nicht alles ließ sich bergen. Viele Gegenstände sind schwer, teilweise tief im Boden versunken. Schwanfelder vermutet, dass zumindest ein Teil des Mülls nicht vom Rhein angeschwemmt, sondern von der Brücke hinuntergeworfen wurde.
Steiler Abhang erschwert Bergung – weitere Aktion geplant
Die größte Herausforderung war schließlich, die Fundstücke den steilen Abhang hinauf zu bekommen. Die Helfer bildeten eine Kette und reichten sich die schweren Metallteile Stück für Stück nach oben. Trotzdem musste einiges zurückbleiben. Deshalb will die Gruppe am Mittwoch erneut anrücken. Dann mit sechs kräftigen Helfern, Spitzhacke, Akku-Flex und Seilwinde.
Auf den Aalschokker selbst ging die Gruppe bewusst nicht. Schwanfelder beobachtet mit Sorge, dass Besucher das alte Wrack betreten. „Das finde ich lebensgefährlich“, sagt sie. Niemand könne wissen, wie stabil die jahrzehntealte Konstruktion noch sei oder wo man einbrechen könne.
Für Schwanfelder ist die Aktion nur eine von vielen. Seit acht Jahren sammelt sie mit Mitstreitern Müll am Rhein und führt darüber Statistik. Fast 4000 alte Reifen habe man in dieser Zeit bereits aus dem Grind und vom Rheinufer geholt. Immerhin: Es werde inzwischen weniger. Doch rund um den alten Aalschokker hat der niedrige Rhein gerade noch einmal sichtbar gemacht, was Menschen über Jahrzehnte achtlos verschwinden ließen.
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