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Neuss | RP ONLINE · Aug 22, 2026

IHK fordert mehr Investitionen: Niedrigwasser setzt Industrie und Logistik unter Druck

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Sonja Reinecke · RP ONLINE

IHK fordert mehr Investitionen Niedrigwasser setzt Industrie und Logistik unter Druck

22.08.2026 · 05:30 Uhr

Niedrige Pegelstände erschweren den Gütertransport auf dem Rhein.

Niedrige Pegelstände erschweren den Gütertransport auf dem Rhein.

Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Neuss · Die IHK fordert vom Bund Investitionen in Wasserstraße und Schiene – Unternehmen sichern sich mit größeren Lagern und Ausweichrouten ab.

Wenn der Rhein zu wenig Wasser führt, können Schiffe weniger laden. Transporte verzögern sich oder müssen auf andere Verkehrsträger verlagert werden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein fordert deshalb vom Bund Maßnahmen für eine verlässlichere Schifffahrt. In einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger verweist sie auf die Bedeutung des Flusses für die regionale Wirtschaft.

Betroffen seien unter anderem die Chemieindustrie in Krefeld und Dormagen, die Getreide- und Futtermittelwirtschaft rund um den Neusser Hafen sowie Stahl- und Baustoffbetriebe. Ein Binnenschiff könne bis zu 150 Lkw-Fahrten ersetzen, schreibt die IHK. Fällt die Wasserstraße teilweise aus, könne dies Lieferketten und Produktionsabläufe belasten.

Unternehmen haben nach Angaben der Kammer bereits auf frühere Trockenperioden reagiert. Sie halten größere Lagerbestände vor, verteilen Lieferungen auf mehrere Bezugsquellen oder nutzen Bahn und Straße. Das könne die Folgen niedriger Pegelstände abmildern, die fehlende Verlässlichkeit der Infrastruktur aber nicht dauerhaft ausgleichen, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz.

Die Kammer fordert eine Verbesserung der Fahrrinne zwischen Duisburg und Stürzelberg. Dazu gehören aus ihrer Sicht die Beseitigung von Engstellen und eine Stabilisierung der Rheinsohle. Das Vorhaben ist im Bundesverkehrswegeplan 2030 vorgesehen. Zudem verlangt die IHK mehr Investitionen in die Wasserstraßen, digitale Prognose- und Steuerungssysteme sowie eine stärkere Förderung von Schiffen, die auch bei niedrigen Pegeln eingesetzt werden können.

Langfristig sollten Möglichkeiten für mehr Wasserrückhalt im Rheinsystem geprüft werden. Genannt werden Staustufen und eine Nutzung von Tagebauseen. Diese könnten bei Hochwasser mit Rheinwasser gefüllt und bei Niedrigwasser zur Stützung des Flusses eingesetzt werden. Kurzfristig seien solche Vorhaben nicht umzusetzen.

Zusätzliche Ausweichmöglichkeiten sieht die IHK auf der Schiene. Sie nennt den Ausbau der Revierbahn zwischen Rheinschiene und Aachen sowie die 3RX-Verbindung mit einem zweiten Gleis zwischen Viersen-Dülken und Nettetal-Kaldenkirchen. Damit könnten Güter bei Einschränkungen auf die Bahn verlagert werden. Zugleich würde die Anbindung an die ZARA-Häfen – Zeebrügge, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam – gestärkt.

Die IHK begrüßt, dass der neue Verkehrsminister die Niedrigwassersituation aufgegriffen hat. Nun müsse es darum gehen, kurzfristige Reaktionen mit einer langfristigen Strategie für Rhein und Schiene zu verbinden.

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