Düsseldorfer Autor Bernard Hoffmeister Die Leiden des jungen Benjamin
20.08.2026 · 17:06 Uhr
Düsseldorf · Bernard Hoffmeister ist mit seinem Roman „Benjamin im Stroboskop“ für die Hotlist nominiert. Sein Protagonist ist fast 30, „gebildet, aber hängen geblieben“. Hoffmeister erklärt, warum er trotzdem gern mit Benjamin befreundet wäre und warum sein Roman ein Buch über das Scheitern ist.
Als „dauerironischen Intellektuellen“ und „privilegien-verwahrlosten Snob ohne Stil und Etikette“ beschreibt Hoffmeister seinen Protagonisten Benjamin. Trotzdem hat man ihn ein bisschen gern. Oder man hat ein wenig Mitleid mit ihm, je nachdem. Der Debütroman „Benjamin im Stroboskop“ des Düsseldorfer Autors Bernard Hoffmeister begleitet den Doktoranden Benjamin durch seine Sinnkrise. Er ist fast 30, schreibt seine Doktorarbeit über den Philosophen und Kulturkritiker Walter Benjamin, vergräbt sich in den absurdesten Theorien, versucht sich als Kleinkünstler und gehört „zur Generation gebildet, aber hängen geblieben“.
„Ein wenig ist Benjamin eine tragische Figur. Ich habe zwar kein Melodrama und keine Tragödie geschrieben, aber es ist ein Buch übers Scheitern“, sagt Autor Hoffmeister. Benjamin sucht nach einem Sinn. „Ein Grund dafür ist, dass es für ihn nicht die ganz starke Dringlichkeit gibt.“ Denn er ist weiß, Akademiker und noch relativ jung. Im Buch ist auch nicht die Rede davon, dass er etwa Probleme in seiner Jugend hatte. „Seine Familie ist nicht Teil der Oberschicht oder besonders wohl situiert, aber Geldprobleme haben sie auch nicht. Und es ist Benjamin ein bisschen peinlich, dass er finanzielle Unterstützung bekommt.“ Vielmehr ist Benjamin überfordert von den Möglichkeiten, von denen er glaubt, dass er sie hat.
„In manchen Teilen von ihm erkenne ich auch ein früheres Ich von mir“
Zu seinem Protagonisten hat Autor Hoffmeister einen intensiven Bezug, sagt er. Er bewege sich in einem ähnlichen Milieu. Hoffmeister arbeitet als Dozent am Institut für Medien und Kultur an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf, nebenbei ist er als freier Künstler und Autor unterwegs. „Ich glaube schon, dass ich mich gut mit Benjamin verstehen würde“, sagt er. „Es klingt verrückt, aber es kommt mir ein wenig so vor, als wäre Benjamin jemand, den ich kenne. In manchen Teilen von ihm erkenne ich auch ein früheres Ich von mir.“
Benjamin fragt sich in dem Roman, für wen er eigentlich schreiben soll oder ob es ihm nur darum geht, wie er als Schreiber wahrgenommen werden will. Für wen schreibt sein Erfinder? „Ich schreibe durchaus, um gelesen zu werden“, sagt Hoffmeister. „Wenn man jahrelang an so einem Buch arbeitet, möchte man ja auch, dass es jemand liest.“ Ihm sei aber bewusst, dass sein Buch vielleicht nicht das Zugänglichste ist, was auch an der Montageform liege. Das Buch ist fragmentarisch aufgebaut. „Aber ich schreibe für Leute, die einen ähnlichen Bezug zu den Themen aus dem Buch haben – sei es zur akademischen Welt, zu Düsseldorf und für Jungs, die ein paar Probleme haben, in ihrem Leben klarzukommen.“
Ein Roman über das Lesen
Zurück zu Benjamin. Beim Lesen bekommt man den Eindruck, dass er ein ziemlich neidischer Mensch ist. Neidisch auf seinen Kumpel Johannes aus der Heimat, der – im Gegensatz zu ihm – schon ein „richtiger Autor“ ist. Aber auch neidisch auf weniger intellektuelle, dafür finanziell und emotional stabilere Millenials mit sicheren, aber langweiligen Jobs und grau-weißen Ikea-Wohnzimmern. „Der Neid kommt bei Benjamin daher, dass er eigentlich ehrgeizig ist“, erklärt Hoffmeister. Er wolle im Grunde, dass alle denken, was für ein schlauer Typ er ist. Deshalb grabe er sich in diese komplizierten Theorien hinein. Ein wenig schaue er auf andere herab, weil er dann sagen kann: „Wenigstens bin ich schlau. Oder: Wenigstens bin ich nicht so wie ihr.“
Der Roman ist aber auch ein Roman über das Lesen, sagt Hoffmeister. „Benjamin glaubt, wenn er einfach nur alles gut genug versteht, wird das auch klappen mit dem guten Leben.“ Deshalb steigert er sich in krude Theorien und abgelegenste Literatur hinein – „in der Hoffnung, dass, wenn er diese Welt versteht, er auch seine eigene Welt versteht“.
In Hoffmeisters nächstem Roman soll es nicht mehr um Benjamin, sondern um zwei Brüder gehen. „Mir geht es da ähnlich wie Benjamins Freundin Doro am Ende des Romans: Auf solche ‚overpowered‘ intellektuellen Jungs habe ich keine Lust mehr.“
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