Michael Mayer „Von den Auftritten mit den Pet Shop Boys werde ich noch meinen Enkeln erzählen“
20.08.2026 · 16:25 Uhr
Der Kölner DJ und Prodzent Michael Mayer.
Foto: Stefan BraunbarthInterview | Düsseldorf · Michael Mayer begleitete das britische Duo bei dessen Tournee. Nun kommt der DJ und Produzent ins Treibgut nach Düsseldorf. Und er verrät schon mal, was er dort auflegen wird.
Michael Mayer ist DJ und Produzent, und er gehört zu den Gründern des legendären Kölner Labels Kompakt. Am 5. September wird er in Düsseldorf beim „Systematic Sundowner“ im Treibgut auflegen. Wir haben ihn auf Gran Canaria erreicht, wo er gerade Urlaub macht.
Sie haben kürzlich vor den Konzerten der Pet Shop Boys in Paris und Berlin aufgelegt.
Michael Mayer Davon werde ich meinen Enkelkindern wahrscheinlich noch erzählen. Die Pet Shop Boys sind meine Lieblingshelden. Ich bin seit „West End Girls“ Fan.
Ist es nicht knifflig, für seine Helden im Vorprogramm zu spielen?
Mayer Es ist eine tolle Erfahrung, auch wenn die Leute natürlich nicht meinetwegen da sind. Man ist immer so ein bisschen ein Fremdkörper. Aber es hat trotzdem gut funktioniert, vor allem in Berlin, da war wirklich eine tolle Stimmung. Es gab La-Ola-Wellen in der Waldbühne.
Neil Tennant und Chris Lowe sind ihrerseits Fans von Kompakt. Haben Sie sie vor oder nach den Auftritten getroffen?
Mayer Ja, man kennt sich schon eine Weile. Chris hat tatsächlich immer geschlafen, den habe ich nicht gesehen. Aber mit Neil habe ich zweimal Abendessen gehabt. Die beiden sind die bescheidensten, nettesten Menschen. Da hat man nicht das Gefühl, mit einem Superstar zu reden. Die sind tiefenentspannt und supercool. Tolle Menschen, die tolle Musik machen.
Wie haben Sie Ihre Songliste auf die Abende ausgerichtet?
Mayer Ich bin Paris und Berlin unterschiedlich angegangen. In Paris habe ich schon eher auf die Disco-Karte gesetzt, mit „Hallo Echo“ von Kiwi zum Beispiel und mit Rex The Dog, der selbst auch Riesen-Fan der Pet Shop Boys ist. Bei „Weekend“ von Class Action spürte man eine Reaktion. In Berlin bin ich es etwas moderner angegangen, weil ich die Erwartung hatte, dass das Publikum da affiner ist, was elektronische Musik anbelangt. Da habe ich „Soweit wie noch nie“ von Jürgen Paape gespielt. Als zweitletztes Stück. Die Leute haben mitgesungen.
Was hat Sie selbst musikalisch zuletzt euphorisiert?
Mayer Raxon. Er ist ein Ägypter, lebt in Barcelona und macht für mich den Sound der Stunde. Das ist schon sehr energetisch. Sehr moderner Produktionsstil. Leicht psychedelisch, aber immer noch mit genug Pop oder Italo Disco, um sich gut drin festhalten zu können. Auch Sven Väth spielt seine Sachen rauf und runter. Das ist der Sound des Sommers.
Wie legen Sie Ihre DJ-Sets an?
Mayer Kommt ein bisschen darauf an, wie lange man mich spielen lässt. Bei einem Zwei-Stunden-Format fängt man zwar sachte an, muss aber relativ schnell auf Pegel kommen. Da hat man nicht so große Möglichkeiten, irgendwie die musikalische Bandbreite aufzuzeigen. Das ist eher bei einem längeren oder superlangen Set der Fall, wo ich wirklich mein Herz ausspielen kann. Ich spiele gerne verschiedene Genres. Am liebsten mag ich es, wenn man einfach frei aufspielen kann und viel Zeit hat. Ich spiele gerne All Night Long, also mit einem Ambient-Warm-Up. Dann langsam die Temperatur hochfahren. Dann ein, zwei Stunden Techno, und nach hinten raus wird es in der Regel bunt: 80er, 70er. Alte Housemusic.
Gibt es ein Stück, das Sie immer dabei haben oder immer zum Abschluss spielen?
Mayer So wie Svent Väth, der immer noch „Jaguar“ von Rolando spielt als letztes Stück? Sowas habe ich nicht. Man kann das machen, aber ich bevorzuge die Abwechslung. In der laufenden Saison stammt mein Lieblingsstück für das Finale von Mondo Sangue. Die machen Musik, die wie italienische Filmmusik aus den 1970ern klingt. Deren Song „Zero Gravity Love“ wurde von Andreas Dorau remixt. Und das ist herzzerreißend. Es ist wunderschön.
Meistgelesen
Aktuell wichtig

Comments
Nothing yet. Say the first thing.
Sign in to join the conversation.