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Hückeswagen | RP ONLINE · Aug 27, 2026

Oberbergischem „NS-Terror auf der Spur“: Autor dokumentiert Schicksale von NS-Opfern aus der Region

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Stephan Büllesbach · RP ONLINE

Oberbergischem „NS-Terror auf der Spur“ Autor dokumentiert Schicksale von NS-Opfern aus der Region

27.08.2026 · 07:13 Uhr

 Stefan Corssen hat die Geschichten mehrere NS-Opfer aus Oberberg aufgeschrieben und in seinem Buch „Dem NS-Terror auf der Spur" ein Denkmal gesetzt.

Stefan Corssen hat die Geschichten mehrere NS-Opfer aus Oberberg aufgeschrieben und in seinem Buch „Dem NS-Terror auf der Spur" ein Denkmal gesetzt.

Foto: Siegbert Dierke

Oberberg · Der Journalist Dr. Stefan Corssen hat jahrelang in Archiven recherchiert. Sein Buch „Dem NS-Terror auf der Spur" dokumentiert Schicksale von Verfolgten aus dem Oberbergischen Kreis. Darunter ist die Geschichte einer Frau, die als KPD-Mitglied um ihr Leben fürchten musste.

Mathilde Lauterjung und drei ihrer Schwestern sind entschiedene Gegner der neuen nationalsozialistischen Regierung. Deren Schergen reagieren schnell: Bereits im Frühjahr und Sommer 1933, kurz nach Hitlers Machtergreifung, werden die jungen Frauen aus Bergneustadt in „Schutzhaft“ genommen. Denn sie sind KPD-Mitglieder. „Mathilde Lauterjung landet im berühmt-berüchtigten Klingelpütz, dem alten Kölner Stadtgefängnis. Von dort wird sie im Herbst 1933 in das Konzentrationslager Brauweiler überführt“, berichtet der Bergische Geschichtsverein (BGV), Abteilung Oberberg. Im Januar 1934 wird sie entlassen.

Die Geschichte von Mathilde Lauterjung ist eine von mehreren, die der Wipperfürther Journalist Stefan Corssen bei seinen Recherchen über die NS-Zeit in Oberberg entdeckt hat. Der Redakteur der auch in Wipperfürth erscheinenden Oberbergischen Volkszeitung (OVZ) hatte ab 2023 neun Artikel zu diesem Thema in der OVZ veröffentlicht. Daraus ist das 89 Seiten umfassende Büchlein „Dem NS-Terror auf der Spur“ geworden, das um Bilder und historische Quellen ergänzt wurde. Zu haben ist es für fünf Euro im Buchhandel, wie die Hückeswagener BGV-Abteilung mitteilt.

Corssens erste Recherchen erfolgten im Stadt- und Kreisarchiv in Gummersbach. Weitere Hinweise fand er über Recherchen bei den Arolsen Archives in Hessen, das weltweit größte internationale Zentrum und Archiv über die Opfer und Überlebenden des NS-Regimes, den NRW-Landesarchiven in Duisburg und Münster sowie im Bundesarchiv in Berlin. Im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln entdeckte der Autor außerdem ein etwa einstündiges Interview mit Mathilde Lauterjung.

Die flieht nach ihrer Entlassung aus der Haft mit dem Fahrrad von Oberberg bis an die niederländische Grenze, um einem Prozess und einer drohenden Verurteilung wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu entgehen. In den folgenden Jahren lebt sie im Exil in Amsterdam, Haarlem und Frankreich, womöglich für eine kurze Zeit auch in Moskau.

Im Mai 1940 wird sie jedoch erneut verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, ihre Schwestern zu sechs. Kurz vor Kriegsende wird die Bergneustädterin mit 7000 weiteren Frauen aus dem Lager Ravensbrück vom Internationalen Roten Kreuz nach Schweden in Sicherheit gebracht.

Im Vorwort seines Buchs schreibt Corssen: „Ein verzweifelter Brief an die Familie, gekritzelt auf der Flucht vor der Polizei. Der Steckbrief einer untergetauchten Kommunistin. Zeugenberichte von Folteropfern der Gestapo. Tausende solcher und ähnlicher Dokumente über den nationalsozialistischen Terror auf dem heutigen Gebiet des Oberbergischen Kreises haben sich in Archiven erhalten.“ Seine Beiträge, sagt Corssen, brächten einige dieser Quellen zum Sprechen.

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