Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und IG Bauen-Agrar-Umwelt Dringender Appell: Startphase ins Berufsleben nutzen
20.08.2026 · 11:22 Uhr
Nicht jeder Tag ist Tortentag – außer in Konditoreien. Trotzdem haben Ausbildungen oft auch ihre süßen und kreativen Seiten. Damit es die gibt, rät die Gewerkschaft,, sich die Ausbildung und den Betrieb genau anzugucken.
Foto: NGG/Florian GörickeRadevormwald/Oberberg · Der Oberbergische Kreis bietet noch freie Ausbildungsplätze an. Die Gewerkschaft appelliert an die jungen Menschen, diese Chance zu nutzen. Die Ausbildung kann auch nich im September und Oktober starten.
Für viele junge Menschen hat der nächste Lebensabschnitt zum 1. August angefangen: Sie haben eine Ausbildung aufgenommen. Zum Start des neuen Ausbildungsjahres registriert die Arbeitsagentur aber noch 586 offene Ausbildungsplätze im Oberbergischen Kreis – darunter 14 in Hotels, Restaurants und Gaststätten. Darauf weist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hin. Und im Baugewerbe gibt es noch 26 freie Plätze, außerdem haben acht Jugendliche die Chance, eine Ausbildung als Maler oder Lackierer anzufangen. Und wer einen der höchsten Jobs im Oberbergischen machen möchte: Dachdeckerbetriebe suchen noch elf Azubis. Das teilt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit und beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur.
„Wer noch keine Ausbildung hat, sollte die nächsten Wochen als Startphase ins Berufsleben nutzen. Die meisten Betriebe sind da flexibel: Die Ausbildung muss nicht pünktlich am 1. August anfangen. Auch im September und selbst im Oktober geht da oft noch was“, sagt Marc Kissinger. Der Geschäftsführer der NGG Köln rät Jugendlichen, nicht auf Gelegenheitsjobs zu setzen, sondern auf einen Ausbildungsvertrag: „Wer sich in Betrieben später weiterentwickeln will, der braucht eine solide Ausbildung als Fundament. Die drei Jahre Ausbildung sind gut investiert“, meint er,
Entscheidend sei allerdings, beim Ausbildungsbetrieb genau hinzugucken: „Das Geld, das ein Auszubildender verdient, muss passen. Dabei ist es wichtig, sich für einen Betrieb zu entscheiden, der Tariflöhne zahlt“, rät Kissinger. Außerdem sollten Auszubildende darauf achten, dass es eine Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) gebe. „Das ist eine Art Jugend-Betriebsrat, der sich für die Interessen der jungen Belegschaft stark macht und darauf achtet, dass der Rahmenplan für die Ausbildung auch eingehalten wird“, sagt Kissinger. Der sei wichtig, damit Auszubildende nicht ausgenutzt würden. „Denn was bringt es, wenn man mit Arbeiten zugeschüttet wird, die mit der Ausbildung selbst wenig oder nichts zu tun haben?“, fragt Kissinger. So sollten angehende Bäckereifachverkäuferinnen darauf achten, nicht nur „zum Brötchenschmieren im Hinterzimmer“ abgestellt zu werden. „Sie müssen in den Verkauf und an die Kasse. Denn zur Ausbildung für eine Bäckereifachverkäuferin gehört auch der kaufmännische Teil“, sagt Kissinger.
Aus Steinen werden Wohnungen: Maurer sind die Profis, die die Wohnungen bauen. Aber der Bau braucht Nachwuchs: Freie Ausbildungsplätze gibt es.
Foto: IG BAU/Florian GörickeMehmet Perisan, Vorsitzender der IG BAU Köln-Bonn rät allen ohne Berufsausbildung, sich „doch noch den ‚Ausbildungs-Kick‘ zu geben“. „Denn mit einer Ausbildung in der Tasche sind die Jobs, die man ein Berufsleben lang macht, in der Regel sicherer und vor allem auch deutlich besser bezahlt“, sagt er. Immerhin haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Nordrhein-Westfalen 642.000 junge Erwachsene zwischen 20 und 34 Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung und keinen Ausbildungsplatz. 70 Prozent der Arbeitslosen unter 25 Jahren im Oberbergischen haben nach Angaben der Arbeitsagentur keinen Berufsabschluss.
Die IG BAU Köln-Bonn rät Interessierten, eine Berufsberatung zu nutzen. Eine gute Adresse, um sich zu orientieren, sei die Jugendberufsagentur (JBA). Außerdem seien bei der Arbeitsagentur gute Tipps zu bekommen – vor Ort oder digital: www.arbeitsagentur.de/bildung.
Das direkte Beratungsgespräch lohne sich immer, berichtet die Gewerkschaft. Außerdem gelte: Mutig auf die Betriebe zugehen. Wer direkt nachfragt, hole oft auch etwas für sich heraus – ein Praktikum, vielleicht aber auch einen Ausbildungsplatz.
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