RSS Amplifier

Geldern | RP ONLINE · Aug 23, 2026

Landwirtschaft im Kreis Kleve unter Druck: Bauern befürchten massive Ernteeinbußen

0
Sign in to vote or save

Andreas Gruhn · RP ONLINE

Landwirtschaft im Kreis Kleve unter Druck Bauern befürchten massive Ernteeinbußen

25.08.2026 · 17:42 Uhr

Im Herbst beginnt die Rübenkampagne im Kreis Kleve. Die Bauern befürchten auch bei dieser für die Region so wichtigen Frucht große Einbrüche bei den Erträgen.

Im Herbst beginnt die Rübenkampagne im Kreis Kleve. Die Bauern befürchten auch bei dieser für die Region so wichtigen Frucht große Einbrüche bei den Erträgen.

Foto: Nicholas Pawelke

Kreis Kleve · Die Getreideernte im Rheinland dürfte 14 Prozent niedriger ausfallen. Hohe Kosten und schwankende Preise verschärfen die Lage. Bei Mais und Rüben könnte es im Herbst noch schlimmer kommen.

Der Sommer mit Extremhitze und Dürre hat der Landwirtschaft im Kreis Kleve massiv zugesetzt. Wie die Kreisbauernschaft Kleve mitteilt, rechnen die Bauern in der Region mit deutlich weniger Ernteerträgen in diesem Jahr, während hohe Betriebskosten und stark schwankende Erzeugerpreise den wirtschaftlichen Druck auf die landwirtschaftlichen Betriebe weiter verschärfen.

Getreide bleibt die wichtigste Ackerkultur im Rheinland. Insgesamt dürfte die Erntemenge in diesem Jahr bei rund 1,1 Millionen Tonnen liegen und damit etwa 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. „Beim Weizen sind wir trotz extremer Temperaturen und fehlender Niederschläge mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Michael Seegers, Vorsitzender der Kreisbauernschaft. Im Rheinland wurden beim Winterweizen durchschnittlich rund 87 Dezitonnen pro Hektar geerntet – gut acht Prozent weniger als im vergangenen Jahr. Die Wintergerste erreichte rund 84 Dezitonnen pro Hektar.

Die Erntemengen allein sagen nach Einschätzung der Kreisbauernschaft wenig über die wirtschaftliche Lage der Betriebe aus. Hohe Kosten für Diesel, Dünger, Pflanzenschutz und Energie treffen auf stark schwankende Erzeugerpreise. „Die Preise am Getreidemarkt reagieren derzeit von Tag zu Tag auf geopolitische Krisenherde und Äußerungen der beteiligten Akteure. Für unsere Betriebe ist das kaum planbar“, betont Seegers. Unter diesen Bedingungen reichen die Erlöse beim Getreide derzeit nicht aus, um die Produktionskosten zu decken und eine wirtschaftlich tragfähige Erzeugung zu gewährleisten.

Landwirt Michael Seegers führt den Kniesthof am Oyweg in Kalkar in fünfter Generation.

Landwirt Michael Seegers führt den Kniesthof am Oyweg in Kalkar in fünfter Generation.

Foto: Markus van Offern (mvo)

In den vergangenen Jahren hat Raps als Kultur wieder an Attraktivität gewonnen. So wuchs die Anbaufläche um rund zehn Prozent zum vergangenen Jahr. Die Erträge konnten mit dieser Entwicklung jedoch nicht Schritt halten: Im Durchschnitt wurden rund 36 Dezitonnen pro Hektar geerntet – nach rund 41 Dezitonnen im vergangenen Jahr.

Mit großer Sorge blickt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Kleve zudem auf die noch auf den Feldern stehenden Herbstkulturen. Insbesondere Zuckerrüben, Mais und Kartoffeln leiden extrem unter der anhaltenden Dürre. Die jetzt gefallenen Niederschläge ändern daran nichts mehr, so die Kreisbauernschaft. Bei diesen Kulturen ist daher mit deutlichen Ertragsrückgängen zu rechnen. Die anhaltende Trockenheit hat das Wachstum und den Ertrag bereits erheblich beeinträchtigt und die Pflanzen geschwächt.

Im Futterbau zeigt sich ein ähnliches Bild wie im Ackerbau. Auf dem Grünland konnten dank des wüchsigen Frühjahrs die ersten Schnitte des Jahres eingebracht werden, teilweise jedoch bereits mit Qualitätseinbußen. Seit Anfang Juli ist das Wachstum vielerorts deutlich ins Stocken geraten, sodass weitere Schnitte ausgeblieben sind. Ob ein später Schnitt mit nennenswerten Erträgen möglich sein wird, ist von Niederschlägen abhängig. Besonders dramatisch ist die Lage beim Mais: Auf einzelnen Standorten ist bereits jetzt mit massiven Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen zu rechnen. „Für viele Betriebe entscheidet sich erst in den kommenden Wochen, wie groß der wirtschaftliche Schaden tatsächlich wird“, warnt Seegers.

Er sieht in der diesjährigen Erntebilanz ein weiteres Warnsignal für die wirtschaftliche Lage der Betriebe. „Unsere Familienbetriebe brauchen bessere Rahmenbedingungen, die die Produktion nicht zusätzlich verteuern“, führt Seegers aus. Notwendig dafür seien wettbewerbsfähige Energie- und Betriebsmittelpreise sowie konkrete politische Antworten auf immer stärkere Marktrisiken.

Hier ist die Politik gefordert, den zunehmenden Ungleichgewichten in der Wertschöpfungskette entgegenzutreten. Während Verbraucher für Lebensmittel stetig mehr Geld bezahlen müssen, komme bei den landwirtschaftlichen Betrieben davon nichts an. „Wer heimische Lebensmittelproduktion sichern will, muss den Betrieben wieder wirtschaftliche Perspektiven geben“, fordert Seegers.

Kostenpflichtiger Inhalt Der Chef der Kreisbauernschaft sagte kürzlich im Interview mit unserer Redaktion, dass am Ende auch der Verbraucher mit seinem Einkaufsverhalten entscheide. „Ich kann den Handel verstehen: Wenn Bio-Kartoffeln aus Ägypten, Israel oder der Türkei gekauft werden, stellt sich ein Händler die Frage, warum er deutsche Produkte anbieten soll“, so Seegers. „Aber dann muss man auch ehrlich über die Folgen sprechen: Mit Nachhaltigkeit hat das wenig zu tun – und die Produktionsmethoden im Ausland sind ganz andere.“

Meistgelesen

Mehr zum Thema

Aktuell wichtig

Read the original on rp-online.de

Comments

Nothing yet. Say the first thing.

    Sign in to join the conversation.