RSS Amplifier

Erkelenz | RP ONLINE · Aug 20, 2026

Erkelenzer Gärtnerin warnt: Jakobskreuzkraut breitet sich in Gärten aus

0
Sign in to vote or save

Kurt Lehmkuhl · RP ONLINE

Erkelenzer Gärtnerin warnt Jakobskreuzkraut breitet sich in Gärten aus

20.08.2026 · 13:53 Uhr

 So sieht das giftige Jakobskreuzkraut im ausgewachsenen Zustand aus.

So sieht das giftige Jakobskreuzkraut im ausgewachsenen Zustand aus.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Erkelenz · Marianne Nitschke pflegt in Erkelenz seit vielen Jahren einen artenreichen, öffentlich zugänglichen Stadtgarten. Eine heimische Pflanze macht ihr Sorgen – und verlangt konsequentes Eingreifen.

Fast täglich ist Marianne Nitschke in „ihrem“ Garten im Wohngebiet Buscherhof in Erkelenz tätig. Neben dem Garten am eigenen Haus kümmert sie sich als Patin um einen „Stadtgarten“. Vor rund zehn Jahren hatte sie mit der Stadtverwaltung eine vertragliche Vereinbarung getroffen, nach der sie als Patin die Pflege und Nutzung einer rund 150 Quadratmeter großen Fläche im Viertel übernimmt. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Fläche wie viele anderen eine reine Grünfläche zwischen Fußwegen, auf der Gras wuchs – mehr nicht.

Die engagierte Frau, deren Familie im Garten- und Landschaftsbau arbeitet und die selbst als Gartenfreundin mit einem „grünen Daumen“ ausgestattet ist, wollte mit Zustimmung und auch im Sinne der Verwaltung aus der Grünfläche einen Stadtgarten machen. „Es sollte kein Nutzgarten mit Beeten, Büschen und Bäumen werden, sondern eine ökologische Insel, in der Pflanzen, Tiere und Menschen gleichermaßen einen Platz finden“, so ihre Philosophie, die sie im Laufe der Jahre Stück für Stück umgesetzt hat. So ist inzwischen mitten in der Wohnbebauung ein Stück Natur entstanden, in dem vieles kreucht und fleucht und vieles wächst und gedeiht, das üblicherweise in einem Haus- oder Vorgarten nur selten oder spärlich zu finden ist. Viele Kräuter und Stauden, oft aus dem eigenen Hausgarten abgeteilt, kleine Büsche, aber auch Gräser und Bäume wachsen auf der von einem Staketenzaun umgebenen Fläche.

Es sieht auf dem ersten Blick ein wenig unstrukturiert aus in diesem Garten. Es fehlen gerade, plattierte Wege oder saubere Beetkanten. Durch den für jeden zugänglichen Garten führen gewundene Rasenstreifen. Überall entdeckt der Betrachter Disteln, Blumen, bekannte und weniger bekannte Pflanzen, von der Fetten Henne angefangen über die Schafgarbe und Herbstanemone bis hin zur Färberkamille und dem Sonnenhut. Mittendrin gibt es eine kleine, grüne Insel mit zwei Stühlen und einem Tisch. Wer mag, findet dort einen Ruheplatz und könnte eigentlich auch auf die Früchte des Feigenbaums blicken. „Eigentlich, aber leider werden die Feigen oft schon im unreifen Zustand abgeschlagen“, sagt Nitschke.

Der Garten ist gut durch die Hitzeperioden gekommen, was Marianne Nitschke gar nicht wundert. „Vom Frühjahr bis hin zum Juni habe ich überhaupt nicht gegossen“, meint die passionierte Gärtnerin. Danach ging sie nur sehr spärlich mit Wasser um: „Man kann die Pflanzen erziehen, weniger Wasser zu brauchen.“ Das Wasser liefern übrigens zwei 1000-Liter-Tanks, die bei Bedarf vom Grünflächenamt befüllt werden. Die „Erziehung“ der Pflanzen sei ein Weg, um einen Garten gegen die Hitzeperiode zu wappnen. „Der zweite Weg ist, hitzeresistente Pflanzen zu nutzen, zum Beispiel Minze oder Thymian.“ Ohnehin hat Marianne Nitschke ein Faible für Kräuter aller Art. „Sie blühen schön und sie sind eine Nahrungsquelle für Insekten“, sagt sie. Auch Rosen hielten sich dank ihrer tiefen Wurzeln gut gegen Hitze.

Unkraut gibt es im Prinzip nicht in diesem Garten, allenfalls Wildkräuter. Aber auch die haben ihren Platz. Doch sieht Marianne Nitschke einen ungebetenen und problematischen Gast überhaupt nicht gern. „Das Jakobskreuzkraut breitet sich immer mehr aus“, hat sie festgestellt. „Nicht nur hier, sondern auch in vielen Hausgärten, auf Wiesen und an Straßenrändern.“ Das vermehrte Auftreten hat mit der Hitze zu tun. „Das Kraut ist eigentlich eine heimische Wildpflanze, aber sehr dominant“, erklärt sie. Es verdrängt andere Kräuter. Und vor allem: Das Kraut mag zwar schöne Blüten haben, aber es ist hochgiftig. „Ich reiße die Pflanzen sofort aus und werfe sie in den Restmüll“, sagt Nitschke. Vorsicht sei geboten: „Man sollte immer nur mit Handschuhen arbeiten und konsequent sein.“

Bekannt ist, dass das Jakobskreuzkraut für Pferde und Rinder zur tödlichen Gefahr werden kann. „Solange es blüht und wächst, verströmt es einen bitteren Geruch, der die Tiere abschreckt“, weiß Marianne Nitschke. „Wenn die Pflanze aber zertreten und abgestorben gefressen wird oder im Futter landet, ist das extrem gefährlich.“

Gesundheitsgefahr besteht auch für Kinder, wenn sie die Pflanzen pflücken und anschließend Finger in den Mund stecken. „Deshalb kann ich nur raten, das Zeug aus dem eigenen Garten oder der Umgebung sofort zu entfernen“, sagt die Gärtnerin. In „ihrem“ Garten im Viertel Buscherhof besteht die Gefahr nicht. Jedes auch noch so kleine Jakobskreuzkraut wird sofort entfernt. Keines entgehe ihrem geschulten Auge.

Meistgelesen

Mehr zum Thema

Aktuell wichtig

Read the original on rp-online.de

Comments

Nothing yet. Say the first thing.

    Sign in to join the conversation.