Bei Erkelenz Ultraleichtflugplatz zieht Hunderte Besucher an
19.08.2026 · 05:10 Uhr
Tag der offenen Tür auf dem Erkelenzer Flugplatz
8 Bilder
Kückhoven · Zahlreiche Gäste waren am Wochenende auf dem Kückhovener Flugplatz zu Gast, als fast im Minutentakt Ultraleichtflugzeuge abhoben. Der Erkelenzer Verein erklärt die Faszination Fliegen – und räumt mit Vorurteilen auf.
Es kommt nicht oft vor, dass die Ultraleichtfluggemeinschaft Erkelenz zum Tag der offenen Tür einlädt. Und trotzdem war der Verein selbst überrascht, welch riesige Resonanz es am Sonntag auf dem Flugplatz bei Kückhoven gab. Hunderte Besucher strömten über das Gelände, sahen sich die Ultraleichtflieger an – und viele von ihnen nahmen für einen kleinen Rundflug über die Stadt selbst stundenlange Wartezeiten in Kauf.
„Wahnsinn, was hier los ist“, sagt Frank Rucman staunend. Der Vorsitzende der Ultraleichtfluggemeinschaft erklärt, dass der Verein sogar kurzfristig noch befreundete Piloten und ihre Maschinen aus der Umgebung einfliegen ließ, um allen Interessenten einen kurzen Rundflug zu ermöglichen. Mehr als zehn Flieger gleichzeitig waren so am Nachmittag in der Luft. 2017 hatte der Verein zuletzt einen Tag der offenen Tür angeboten – und offenbar ist die Faszination Fliegen in Erkelenz und Umgebung nach wie vor ein spannendes Thema.
Unter Ultraleichtflugzeugen versteht man kleine und extrem leichte Motorflieger für maximal zwei Personen. Und was viele gar nicht wissen: Der Flugplatz bei Kückhoven ist mit seinen 124 im Verein aktiven Piloten, den 85 Flugzeugen und der anliegenden Flugschule sogar der größte Ultraleichtflugplatz in ganz Deutschland – sozusagen der größte Mini-Flughafen der Nation. Von der aus Rasen bestehenden Start- und Landebahn aus starten die Flugzeuge stets nach Norden. „Viele wissen überhaupt nicht, dass es in Erkelenz einen Flugplatz gibt“, sagt Rucman. „Vermutlich liegt das auch daran, dass unsere Flieger mit knapp 60 Dezibel so leise sind, dass man sie kaum wahrnimmt.“
Auf dem Flugplatz sei bei gutem Wetter fast jeden Tag Betrieb – auch Gäste seien immer willkommen. Das werde auch rege genutzt. Denn einer der schönsten Aspekte des Hobbyfliegens sei es, dass man nicht nur in der Luft, sondern auch in seiner Tagesgestaltung ungeahnte Freiheit hat. „Wer mal eben an die Nordsee fliegen möchte, um dort ein Fischbrötchen zu essen, der kann das in kurzer Zeit erledigen“, sagt Rucman augenzwinkernd.
Weil die Ultraleichtflieger so wenig Gewicht haben, seien die Spritkosten erstaunlich gering. 18 Liter verbrauche so ein Flugzeug im Schnitt pro Stunde und komme damit knapp 200 Kilometer weit. Dafür fliege man eben aber auch Luftlinie und brauche deshalb deutlich weniger Strecke als ein Auto, das zum gleichen Ziel möchte. „Das Äquivalent wäre also ein Verbrauch von knapp sechs Litern pro 100 Autokilometer“, rechnet Rucman vor.
Eine der größten Attraktionen, die der Verein an diesem Tag vorstellt, ist ein Kiebitz: ein Doppeldeckerflugzeug nach historischem Vorbild. Das besondere daran: Die Vereinsmitglieder Dietmar König und Daniela Freudemann-König haben es komplett selber gebaut – ganze 16 Jahre lang. „Bei mir hat sich über die Zeit eine Leidenschaft für das Fliegen und Bauen entwickelt. Und irgendwann ist die Idee entstanden, etwas Eigenes zu machen.“ Von 2007 bis 2023 habe König mit seiner Frau das Flugzeug gebaut. „Für uns ist das fast wie ein Kind. Die Zeit und Arbeit, die andere in die Erziehung eines Kindes gesteckt haben, haben wir in dieses Flugzeug investiert“, sagt er. 288 Kilo wiegt der Kiebitz, der mit einem ehemaligen Nissan-Pkw-Motor betrieben wird. Während des Baus und vor allem in der finalen Phase sei König eng von Prüfern und Konstrukteuren begleitet worden. Und diese hätten letztlich – nach einem Probeflug – grünes Licht gegeben.
Vor seinem eigenen Premierenflug sei König unfassbar nervös gewesen. „Ich habe in diesem Flugzeug 2500 Nieten verbaut, kenne jedes kleine Bauteil auswendig. Und dann fragt man sich natürlich doch, ob man nicht irgendetwas vergessen hat, und ob man jetzt wirklich mit diesem Flugzeug fliegen will“, sagt er lachend. Der erste Flug sei „ein unbeschreibliches Gefühl“ gewesen. Auch König und seine Frau genießen jetzt ihre Freiheiten: „Wir fliegen gerne mal zum Kaffeetrinken nach Trier oder abends nach Koblenz, wo es einen netten Griechen am Flugplatz gibt“, sagt er. „Das klingt alles unheimlich dekadent, aber das ist es gar nicht.“ Die Kosten für dieses Hobby seien deutlich geringer, als sich viele das vorstellen.
Ein weiteres Vorurteil, das bei vielen Menschen bestehe, sei laut Frank Rucman die angeblich mangelnde Sicherheit. Flugzeuge zählten zu den sichersten Verkehrsmitteln überhaupt, gerade die Ultraleichtflieger, sagt er. „Ich sage immer: Das Gefährlichste am Fliegen ist die Autofahrt zum Flugplatz.“
Wegen ihres geringen Gewichts verfügen die Ultraleichtflieger sogar über einen Sicherheitsmechanismus, der in normalen Flugzeugen nicht besteht: Jeder Flieger ist mit einem 160 Quadratmeter großen raketenbetriebenen Fallschirm ausgestattet. Der kann im Notfall die Maschine mitsamt ihrer Insassen zu Boden bringen. „Mir ist aber nur ein Pilot bekannt, der diesen Fallschirm schon einmal gebraucht hat“, sagt Rucman.
Eine zunehmende Gefahr im Luftverkehr sind Drohnen – da bilden auch die Ultraleichtflieger keine Ausnahme. „Die Zahl der Drohnen ist natürlich deutlich gestiegen. Und sie können zum Problem werden, wenn die Nutzer nicht wissen, was sie tun.“ Der Verein appelliert an Drohnenpiloten, sich an die Regeln zu halten. Die besagen beispielsweise, dass der Drohnenbetrieb innerhalb von 1,5 Kilometern Nähe zu Flugplätzen verboten ist.
Meistgelesen
Aktuell wichtig

Comments
Nothing yet. Say the first thing.
Sign in to join the conversation.