Tantra wird im oberflächlich-populistischen Gebrauch oft nur mit Sex assoziiert, aber die tantristische Philosophie im Buddhismus besteht wesentlich in der Weigerung, dem Leben zu entfliehen, um es zu verstehen.
Tantra ist in seiner klassischen indischen Bedeutung kein Weg der Ausschweifung oder exotischen Ritualistik, sondern ein Weg der Integration: Körper, Begehren, Zeit, Widersprüchlichkeiten - all das wird nicht als Hindernis gesehen, sondern als Feld der Erkenntnis. Befreiung entsteht nicht durch Ausschluss von Erfahrungen, sondern durch wache, verfeinerte Teilnahme an ihnen.Diese Haltung durchzieht streckenweise Hesses Roman “Siddhartha”, auch wenn der Roman kein tantrischer Text im engeren Sinne ist. Siddhartas Weg ist geprägt von der Zurückweisung fremder Wahrheiten. Askese genügt ihm nicht, akzeptierte Lehren von Gurus bleiben leer, selbst “Erleuchtung” als Ziel wirkt verdächtig. Was ihn verwandelt, ist das Eintauchen:
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