Der SRG-Präsident Jean-Michel Cina tritt ab, der logische Nachfolger sagt ab – bleibt die SRG eine Bastion der alten CVP?
Der Mitte-Nationalrat Gerhard Pfister sagt: Es wäre eine Belastung für die Partei. Die SRG solle entpolitisiert werden.
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Seine Wahl hatte eine Logik: der langjährige SRG-Präsident Jean-Michel Cina, hier gemeinsam mit der Generaldirektorin Susanne Wille nach der Abstimmung über die Halbierungsinitiative.
Alessandro della Valle / Keystone
Jean-Michel Cina war ein klassischer SRG-Präsident, weil er eine klassische CVP-Biografie hat: In Salgesch im Oberwallis geboren, bereitete ihn das Kollegium Spiritus Sanctus auf das Leben im katholischen Milieu vor. Er wurde Anwalt, Notar und Politiker auf allen Ebenen. Zwar verlor die Partei unter der Fraktionsführung von Nationalrat Cina ihren zweiten Bundesratssitz und das alte Selbstbewusstsein, aber er selbst brachte es bis zum Staatsrat im Wallis – und zur Krönung seiner Karriere im Jahr 2017 zum Verwaltungsratspräsidenten der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG). Im Frühling 2027 will er das Amt abgeben, wie die SRG am Donnerstag bekanntgab.
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Cinas Wahl hatte ihre Logik. Auch wenn er sich schon bei seinem Amtsantritt gegen jeden Filzverdacht verwahrte: «Ich kann Ihnen versichern, dass Frau Doris Leuthard keinen Einfluss genommen hat auf diese Wahl.» Die damalige Medienministerin war die CVP-Bundesrätin Doris Leuthard. Seine Vorgänger im Amt waren die Parteikollegen Viktor Baumeler und Raymond Loretan (ein früherer CVP-Generalsekretär). Schon viel länger gilt die SRG als Warmwasserbecken für verdiente CVPler. Mochten die Liberalen die Macht im Bundesstaat haben, so sicherten sich die Christlichdemokraten prestigeträchtige Posten in Gremien und Verbänden.
Auch die Generaldirektoren der SRG waren regelmässig CVPler: Legendär war der frühere Nationalrat, Preisüberwacher und Fastbundesrat Leo Schürmann. Er führte die öffentliche Anstalt in den 1980er Jahren in das neue Medienzeitalter, in dem es mit privaten Radios erstmals Konkurrenz gab. In alten Fernsehaufnahmen ist der Stolz des Politikers zu hören, der sich plötzlich als unternehmerischer Innovator präsentiert: «Wir machen Teletext, das ist die Bildschirmzeitung.» Im Antichambrieren in der Wandelhalle und in der Kunst des politischen Kompromisses bestens geübt, gelang es mehreren Generaldirektoren, die SRG stetig zu vergrössern.
Der vielleicht letzte Vertreter dieser Tradition war Armin Walpen (1996–2010), wie andere vor und nach ihm ein Walliser CVPler. Unter Walpen war die SRG so gross wie nie. Er erklärte es mit dem Satz: «Wir machen einen Service public, nicht einen Service sans public.» Zwar schrieb die SRG regelmässig rote Zahlen, aber sie war politisch aus der Mitte heraus breit abgestützt.
Die politisierte SRG
Indem die hohen Posten bei der SRG an politische Figuren gingen, wurde auch die SRG selbst politisiert. Nicht nur zum Vorteil der alten CVP und der neuen Mitte: Zwar können verdiente Würdenträger im Übergang zur Pensionierung mit einem interessanten Posten rechnen, dafür ist die Partei in ihrer Medienpolitik ständig dem Filzverdacht ausgesetzt.
Oder wie es der Mitte-Nationalrat Gerhard Pfister formuliert, als ehemaliger Präsident einer der besten Kenner seiner Partei: «Einzelne Kollegen haben profitiert, für die Partei war es eine Belastung.» Er hofft, dass die CVP-Vorherrschaft in der SRG mit dem Abschied von Jean-Michel Cina zu Ende geht. «Es wäre heilsam, würde der Posten entpolitisiert.» Pfister ist sowohl SRG-Literaturkritiker als auch SRG-Kritiker. Er sagt, es brauche nun eine medienerfahrene und unternehmerische Person, die die SRG ohne diplomatische Rücksichtnahme reformieren könne. «Professionalität ist wichtiger als Politik.»
Die SRG hat das Problem, das viele Institutionen des Service public haben: Sie wird durch unzählige Räte und Gremien beaufsichtigt. Auf jeden unternehmerischen Entscheid folgen politische Diskussionen. Und so endet, was als Reform beginnt, oft als Reförmchen. Die SRG muss unternehmerisch denken und gleichzeitig Abstimmungen gewinnen können. Besonders wichtig ist deshalb das Gespür für die Minderheiten in entlegenen Landstrichen der Schweiz. Das war das natürliche Habitat der alten CVP.
«Niemand Hochnäsiges»
Wird die politische Vorherrschaft über die SRG bei der neuen Mitte bleiben?
In diesem Sinn wäre der Bündner Nationalrat Martin Candinas, der profilierteste Medienpolitiker und SRG-Verfechter der Mitte-Partei, der logische Nachfolger von Jean-Michel Cina. Darauf angesprochen, sagt er: «Es wäre ein höchst reizvoller Job.» Und doch nimmt er sich aus dem Rennen. «Ich möchte meine politische Arbeit im nationalen Parlament noch einige Jahre weiterführen.» Beides ist nicht miteinander vereinbar.
Er betont, ein neuer SRG-Präsident brauche ein verbindendes Element. Politische Erfahrung sei wichtig, so wie sie etwa ehemalige nationale Parlamentarier oder Regierungsräte aufwiesen. Idealerweise habe der SRG-Präsident zudem einen guten Zugang zum Parlament. «Es darf niemand Hochnäsiges mit Roter-Teppich-Mentalität sein», sagt Candinas, «man wird vom Volk bezahlt und braucht Bodenhaftung.» Per se, sagt Candinas, seien eingemittete Kandidaten deshalb für das Amt prädestiniert.
Was er beschreibt, wäre ein Nachfolger in der Tradition des CVPlers Jean-Michel Cina.




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