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Neueste Artikel - NZZ Nachrichten · Aug 22, 2026

Ein mutmasslicher Betrugsfall erschüttert den Rohstoffhandel: Das Schweizer Netzwerk von Radiant World kommt ans Licht

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Beatrice Bösiger · Neue Zürcher Zeitung

Ein mutmasslicher Betrugsfall erschüttert den Rohstoffhandel: Das Schweizer Netzwerk von Radiant World kommt ans Licht

Der Singapurer Rohstoffhändler Radiant World steht wegen angeblich gefälschter Dokumente unter Verdacht. Der Fall zieht Kreise bis zur Zürcher Kantonalbank und zum Rohstoffriesen Glencore.

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Die Zürcher Kantonalbank ist auch in der Finanzierung von Rohstoffunternehmen tätig.

Die Zürcher Kantonalbank ist auch in der Finanzierung von Rohstoffunternehmen tätig.

Andreas Haas / Imago

Eisenerz und Stahl gehören neben Erdöl zu den meistgehandelten Rohstoffen weltweit. Das jährliche Marktvolumen liegt bei mehreren hundert Milliarden Dollar. Einer der grössten Akteure in diesem Bereich ist ein Handelshaus, das bis vor einigen Wochen kaum jemand kannte: Radiant World aus Singapur.

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Gegen das Handelshaus gibt es seit einigen Wochen schwere Vorwürfe. Um seine Geschäfte zu finanzieren, soll Radiant World seinen Geschäftspartnern gefälschte Dokumente und Zahlen vorgelegt haben. Auch Schweizer Banken haben mit dem umstrittenen Handelshaus zusammengearbeitet. Das zeigen Medienberichte sowie Dokumente, welche die NZZ einsehen konnte.

So soll die Zürcher Kantonalbank (ZKB) Radiant World eine Kreditlinie von rund 100 Millionen Dollar gewährt haben, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt. Gegenüber der NZZ will die Kantonalbank eine allfällige Geschäftsbeziehung zu Radiant World nicht kommentieren. Wegen des Bankkundengeheimnisses äussere sie sich «weder zu möglichen oder existierenden Kundenbeziehungen noch zu Spekulationen oder Gerüchten hinsichtlich der Höhe allfälliger Kreditvolumina», schreibt eine Sprecherin der Bank.

Ein steiler Aufstieg

Radiant World hat seit 2017 ein breites Netz von Geldgebern aufgebaut. Im Firmenbuch aus Singapur sind mehr als zwanzig Finanzhäuser aufgeführt, die in dem Register eine Belastung zu ihren Gunsten auf Radiant World haben eintragen lassen. Ob diese das Unternehmen auch tatsächlich finanziert haben und in welchem Umfang, geht aus den Einträgen nicht hervor – einzig, dass die Banken irgendeinmal eine Geschäftsbeziehung mit dem Handelshaus eingegangen sind.

Aufgeführt sind unter anderem der Schweizer Ableger der Crédit Agricole sowie die Genfer Kantonalbank (BCGE) und die Arab Bank Switzerland aus Genf. Die Banken wollten auf Anfrage dazu keine Stellung nehmen.

Das Singapurer Handelshaus hat in den vergangenen Jahren einen steilen Aufstieg hingelegt. 2003 wurde Radiant World von Pinkesh Nahar gegründet. Der heute 45-jährige Inder begann erst mit dem Export von Eisenerz aus Indien nach China, bevor er in den Handel mit Aluminium und Kupfer einstieg.

Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen  laut eigenen Angaben mehr als hundert Personen und ist in neun Ländern tätig – unter anderem seit 2019 auch mit einer Niederlassung in Genf. Radiant World hat seinen Umsatz seit 2023 mehr als verdoppelt, von 4,5 Milliarden auf 9,6 Milliarden Dollar.

Pinkesh Nahar selbst tritt kaum in der Öffentlichkeit auf. Er residiert  auf einer noblen Insel vor der Küste Singapurs, während sich die Büros seines Unternehmens an bester Lage im Geschäftsviertel des südostasiatischen Stadtstaates befinden.

Das Geschäftsviertel in Singapur, wo Radiant World seine Büros hat.

Das Geschäftsviertel in Singapur, wo Radiant World seine Büros hat.

Edgar Su / Reuters

In den vergangenen Wochen häuften sich Berichte zu finanziellen Schwierigkeiten des Handelshauses. Banken begannen an den Angaben von Radiant World zu zweifeln. Anfang August etwa hat die Deutsche Bank Konten von Radiant World in Singapur gesperrt. Gegenüber der NZZ wollte sich die Deutsche Bank auf Anfrage nicht dazu äussern.

Wie es um Radiant World tatsächlich steht, lässt sich nur schwer sagen. Laut dem Rohstoffhandelschef einer Schweizer Bank sind vor allem Transaktionen in Asien betroffen, nicht solche in Europa. Es fehle allerdings an einer Gesamtschau. Gemäss dem Banker ist jeder Geschäftspartner von Radiant World nur so weit über die Lage informiert, als es ihn selbst betrifft – kurz: Momentan gebe es viel Lärm und wenig Fakten. Bislang hat laut ihm jedoch noch keine Gegenpartei eine konkrete finanzielle Forderung gegenüber Radiant World angemeldet.

Mittlerweile haben jedoch weitere Banken sowie grosse Rohstoffkonzerne aus der Schweiz die Geschäfte mit Radiant World sistiert – so etwa Vitol und Glencore. Vitol kommentiert auf Anfrage seine Geschäftsbeziehung zu dem Handelshaus nicht. Dem Vernehmen nach hat der Handelskonzern seine Zusammenarbeit mit Radiant World jedoch schon vor mehreren Monaten gekappt. Wie Bloomberg schreibt, hat das Handelshaus Rechnungen von Vitol bei Banken als Sicherheit hinterlegt. Überprüfungen hätten jedoch ergeben, dass gewisse Transaktionen inexistent gewesen seien.

Der Schweizer Rohstoffriese Glencore ist ebenfalls dabei, seine Verbindungen zu dem Handelshaus zu kappen. «Wir schliessen keine neuen Geschäfte mehr mit Radiant World ab und arbeiten daran, aus den existierenden Verträgen auszusteigen», schreibt ein Unternehmenssprecher auf Anfrage. Das Engagement von Glencore betrage weniger als 500 Millionen Dollar und liege damit unter der Schwelle für eine Offenlegung.

Die ZKB sieht keine ausserordentlichen Ausfallrisiken

Im globalen Rohstoffhandel werden Rohwaren oft über Tausende von Kilometern transportiert. Um die fristgerechte Bezahlung abzusichern, setzen Käufer und Verkäufer auf von Banken ausgestellte Garantien. So lässt sich vermeiden, dass es bei Zahlungsausfällen zu hohen Verlusten kommt. Der Handel mit Eisenerz, worauf sich Radiant World spezialisiert hat, benötigt einen hohen Kapitaleinsatz, da der Rohstoff üblicherweise in grossen Mengen verschifft wird.

Um ihre Betrugsrisiken zu minimieren, lassen Banken, die im Rohstoffhandel tätig sind, die relevanten Dokumente durch externe Spezialisten auf ihre Echtheit überprüfen, wie es aus Branchenkreisen heisst. Die ZKB schreibt auf Anfrage zu ihrem Engagement im Rohstoffhandel, sie überwache ihr Portfolio laufend. «Wir konnten dabei keine Hinweise auf ausserordentliche Ausfallrisiken feststellen.»

Die ZKB ist schon länger in dem Bereich tätig, allerdings gehört sie in der Schweiz bislang nicht zu den grossen Playern. Laut Branchenkennern ist sie vor allem in der Finanzierung von Metallen tätig. Die Finanzierung von Öl oder Kohle schliesst sie gemäss ihren Kriterien aus.

Die Kantonalbank sieht den Rohwarenhandel als Teil ihres Leistungsauftrages. «Der Rohstoffhandel ist Teil der Schweizer Wirtschaft und ist von volkswirtschaftlicher Bedeutung», schreibt die ZKB. Entsprechend sei sie auch in der Finanzierung tätig. In ihrem Jahresbericht 2025 weist die Kantonalbank 667 Millionen Franken an ungedeckten Krediten im Rohstoffhandel aus. Das sind 1,6 Prozent ihres Bilanzengagements. Ein Jahr zuvor waren es 529 Millionen Franken gewesen.

Das Handelshaus weist die Vorwürfe zurück

International interessieren sich mittlerweile die Behörden für Radiant World. Sowohl das amerikanische Justizministerium als auch die Polizei in Singapur prüfen laut einem Bericht von Bloomberg das Handelshaus. Das Justizministerium hat auf eine Anfrage nicht reagiert. Eine Sprecherin der Singapurer Polizei lehnte eine Stellungnahme ab.

Radiant World bestreitet indes sämtliche Vorwürfe. Diese entbehrten jeder Grundlage. Das Unternehmen sei gut kapitalisiert, habe ausreichend Liquidität und verfüge weiterhin über alle bestehenden Kreditfazilitäten. Zudem halte es stets die höchsten rechtlichen Standards ein, hiess es in einer Mitteilung von Ende Juli. Auf eine Anfrage hat das Handelshaus bis Redaktionsschluss nicht reagiert.

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