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Neueste Artikel - NZZ Nachrichten · Aug 23, 2026

Die Slowakei kauft bei einer Firma aus Zypern neue Verkehrskameras. Doch diese stammen aus Russland und nehmen per SMS Befehle entgegen

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Lukas Mäder · Neue Zürcher Zeitung

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Die Slowakei kauft bei einer Firma aus Zypern neue Verkehrskameras. Doch diese stammen aus Russland und nehmen per SMS Befehle entgegen

Russland spioniert die Routen der Waffenlieferungen in die Ukraine aus. Dazu nutzt es Überwachungskameras. Die Slowakei könnte Ziel einer grösseren Operation geworden sein.

3 Leseminuten


Eine zypriotische Firma hat Verkehrskameras in die Slowakei geliefert, die aus russischer Produktion stammen: Aufnahme des russischen Modells Kordon-M 2.

Die Slowakei will ihr System zur Überwachung des Strassenverkehrs modernisieren. Dazu hat das Innenministerium den Kauf von 279 Radarkameras zur Geschwindigkeitsmessung geplant. Lieferant ist eine Firma aus Zypern. Nun ist bekanntgeworden, dass die Kameras eigentlich aus russischer Produktion stammen. Für die Slowakei erhielten sie offenbar eine neue Bezeichnung.

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Den Verdacht hatte Anfang August erstmals die Oppositionspartei Progressive Slowakei geäussert. Nachdem der Innenminister erst noch dementiert hatte, bestätigt die Nationale Sicherheitsbehörde (NBU) inzwischen die Herkunft der Geräte. Sie stammen von der Firma Simicon in St. Petersburg. Die NBU warnt vor einer erheblichen Cyberbedrohung, die von diesen Kameras ausgehe.

Die technische Analyse der NBU zeigt mehrere Sicherheitslücken und undokumentierte Kommunikationskanäle. Das untersuchte Gerät enthält zum Beispiel einen abgedeckten Slot für eine zweite SIM-Karte, ohne dass diese Funktion in der technischen Beschreibung auftaucht. Die Geräte können zudem von zwölf festgelegten Telefonnummern Befehle erhalten, die über SMS-Nachrichten geschickt werden. Es handelt sich um Nummern aus der Region St. Petersburg, der Oblast Leningrad und der Oblast Kemerowo im südlichen Sibirien.

Die Verkehrskamera enthält einen zweiten Slot für eine SIM-Karte, der nirgends dokumentiert ist: Das legt die Nationale Sicherheitsbehörde (NBU) mit diesem Foto im technischen Bericht offen.

Die Verkehrskamera enthält einen zweiten Slot für eine SIM-Karte, der nirgends dokumentiert ist: Das legt die Nationale Sicherheitsbehörde (NBU) mit diesem Foto im technischen Bericht offen.

NBU

Lieferung kam von Briefkastenfirma auf Zypern

Inzwischen hat das slowakische Innenministerium den bisherigen Testbetrieb mit zwei Kameras gestoppt. Die Staatsanwaltschaft untersucht den Fall. Ob der russische Staat hinter der Gerätelieferung steht, ist unklar. Jedenfalls wollte jemand bewusst die Herkunft der Kameras verschleiern und hat dazu erheblichen Aufwand betrieben.

Gegenüber den slowakischen Behörden gab sich die zypriotische Firma Sodasus Ltd. als Herstellerin der Geschwindigkeitsmessgeräte aus. Dabei scheint es sich um eine Briefkastenfirma zu handeln. Der Sitz der Firma befindet sich in einem unscheinbaren zweistöckigen Bürogebäude in Nikosia, als Geschäftsführer ist eine andere zypriotische Firma eingetragen, deren Geschäftsmodell das Gründen und Führen von Unternehmen in Zypern gegen ein Honorar ist.

Im Handelsregister ist die Firma Sodasus seit August 2021 eingetragen. Allerdings finden sich keine Hinweise auf eine frühere Geschäftstätigkeit. Die Website scheint erst seit diesem Frühjahr aufgeschaltet zu sein. Sie wurde bis Anfang August auf den Servern eines slowakischen Anbieters betrieben.

Die gleichen russischen Verkehrskameras sind laut den slowakischen Behörden bereits in anderen EU-Staaten im Einsatz. Die NBU nennt in ihrer Mitteilung gewisse Kameramodelle, welche die kroatische Firma Neroline verkauft. Diese Firma arbeitet laut Medienberichten zum Beispiel bei der Verkehrsüberwachung seit zehn Jahren mit der Stadt Rijeka zusammen.

Russland spioniert Transportrouten in ganz Europa aus

Die verdeckte Lieferung von russischen Verkehrskameras in die Slowakei ist brisant. Denn der russische Militärgeheimdienst GRU verwendet die Aufnahmen von Überwachungskameras seit Jahren für die Nachverfolgung von westlichen Waffenlieferungen in die Ukraine. Dazu verschaffen sich staatliche Hacker Zugriff auf Kameras von Privatpersonen, Firmen oder Behörden, die mit dem Internet verbunden sind und Strassen, Kreuzungen oder Grenzübergänge zeigen.

Die niederländischen Nachrichtendienste warnten erst im Juli vor diesem Vorgehen. Russland greife zu Spionagezwecken systematisch auf Überwachungskameras zu, die mit dem Internet verbunden und oft schlecht geschützt seien. Solche Operationen fänden in den Niederlanden, in verschiedenen EU- und Nato-Staaten sowie in der Ukraine statt.

Die Aufnahmen würden mittels Bilderkennungssoftware gezielt nach Militärfahrzeugen oder militärischer Fracht durchsucht, um so Informationen über Transportrouten und militärische Lieferungen an die Ukraine zu erhalten, schreiben die niederländischen Dienste. Die Angaben würden dazu genutzt, ukrainische Militärangehörige auszuschalten und Material zu zerstören – bislang nur innerhalb der Ukraine selbst. Russland nutzt die Überwachungskameras laut den niederländischen Diensten aber auch dazu, militärisch relevante Informationen zu sammeln, die nicht direkt mit dem Ukraine-Krieg zusammenhängen.

Die niederländischen Geheimdienste dürften deswegen so genau Bescheid wissen, weil sie das Vorgehen Russlands selbst mittels Cyberoperationen ausspioniert haben. Dass sie das können, haben sie in der Vergangenheit bewiesen. 2016 hatten sie den russischen Auslandsnachrichtendienst SWR ausspioniert und dabei auch eine Überwachungskamera in Moskau geknackt. So konnten sie Mitarbeiter des SWR identifizieren.

3 Kommentare

Christian Franke

Jungs, laßt euch nicht täuschen, die AfD war es.

Jürg Ender

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Gut ist, dass das aufgeflogen ist. Passen wir auf.

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