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Panorama Nachrichten - NZZ News · Aug 27, 2026

DIE NEUESTEN ENTWICKLUNGEN - Die Sturzflut von Nepal: Zahl der Toten steigt auf 389 +++ Zwei Schweizer laut EDA gerettet +++ Chinas Zentralbank sagt Millionen-Hilfe zu

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Inna Hartwich · Neue Zürcher Zeitung

Die neuesten Entwicklungen

Sturzflut von Nepal: Rettungsarbeiten wegen möglicher weiterer Flut unterbrochen +++ Zahl der Toten steigt auf 472

Innerhalb weniger Minuten reissen Wasser, Geröll und Eis alles in der Grenzregion zwischen China und Nepal mit sich. Mehr als 400 Menschen sterben, mehr als 1400 werden vermisst. Die wichtigsten Antworten zur Katastrophe im Himalaja-Tal.

4 Leseminuten

Aktualisiert


Die Sturzflut hinterlässt auch in Trishuli im nepalesischen Distrikt Nuwakot Schlamm und Zerstörung.

Die Sturzflut hinterlässt auch in Trishuli im nepalesischen Distrikt Nuwakot Schlamm und Zerstörung.

Reuters

Die neuesten Entwicklungen

  • China und Nepal unterbrechen Rettungsarbeiten. Wegen einer drohenden Flut haben chinesische und nepalesische Rettungskräfte im Katastrophengebiet ihre Rettungsarbeiten vorübergehend unterbrochen. Laut dem chinesischen Staatsfernsehen entstand an einer Flussmündung stromaufwärts vom Grenzübergang Gyirong entlang eine «gefährliche Situation» an einem dort neu angestauten See. Die Rettungsarbeiten vor Ort seien ausgesetzt worden, hiess es in dem Bericht weiter. Wissenschafter Xu Qiang von der technischen Universität Chengdu sagte im chinesischen Staatsfernsehen, in dem See hätten sich geschätzt 2 Millionen Kubikmeter Wasser gesammelt. Durch Regenfälle in den kommenden Tagen bestehe die Gefahr von Dammbrüchen, erklärte Xu. Die Wettervorhersage geht von Niederschlägen in den kommenden drei Tagen aus.
  • Todeszahl nach Sturzflut steigt auf über 400. Auch an Tag zwei nach der Katastrophe werden immer weitere Leichen geborgen. Wie die nepalesische Polizei am Freitag (28. 8.) mitteilte, wurden mindestens 469 Personen getötet, 1545 weitere wurden gerettet, darunter viele Verletzte. Damit liegt die Gesamtzahl der bestätigten Todesopfer in China und Nepal bei 472, nachdem die Volksrepublik bislang 3 Leichenfunde vermeldet hatte. Zudem gelten weiterhin mehr als 1400 Menschen als vermisst. Premierminister Balen Shah schrieb am Donnerstag (27. 8.) bei Facebook, es seien mehr als 13 000 Kräfte aus Armee und Polizei für die Rettungsmassnahmen mobilisiert worden. 573 Menschen hätten am Donnerstag mit insgesamt 69 Hilfsflügen gerettet werden können.
  • Nach der Flutkatastrophe im Himalaja konnten zwei Schweizer Staatsangehörige gerettet werden. Wie das EDA am Donnerstag (27. 8.) mitteilte, stehe die Schweizer Vertretung in Kathmandu in Kontakt mit den zwei Personen. Es gehe ihnen den Umständen entsprechend gut. Zu einer weiteren Schweizer Staatsangehörigen konnte bislang kein Kontakt hergestellt werden.
  • Mit Krediten von umgerechnet mehr als 630 Millionen Euro will Chinas Zentralbank den Wiederaufbau nach der Sturzflut in der Gebirgsregion zwischen China und Nepal unterstützen. Wie die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag (27. 8.) meldete, soll das Geld zu niedrigen Zinsen an landwirtschaftliche sowie kleine Betriebe in der Region Tibet fliessen. Auch chinesische Versicherungen würden schnelle Unterstützung leisten, hiess es weiter.

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Inhaltsverzeichnis

Was ist passiert?

Am Mittwoch (26. 8.) hat sich eine riesige Welle aus Wasser, Eis und Geröll das Bhotekoshi-Tal im Himalaja in der Grenzregion zwischen China und Nepal hinabgewälzt. Bilder von Überwachungskameras zeigen, wie Reisebusse und Lastwagen davon mitgerissen werden, als wären sie Spielzeuge. Auf der chinesischen Seite des Grenzübergangs Gyirong rennen Menschen um ihr Leben und werden weggespült.

Spätere Drohnenbilder zeigen totale Verwüstung. Die chinesische Regierung spricht von «schweren Personenschäden und Vermissten», die nepalesische Polizei von mindestens 165 Toten. Viele wurden offenbar viele Kilometer flussabwärts an der Grenze zu Indien entdeckt. Manchmal fanden die Helfer nur noch einzelne Leichenteile. Mindestens 1300 Personen werden auch am Tag danach noch vermisst. Unter ihnen sollen laut den nepalesischen Behörden mindestens 800 Touristen sein. Auch sechs Wasserkraftwerke sind beschädigt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters fallen in Nepal dadurch 12 Prozent der gesamten Kapazität zur Stromerzeugung aus.

Wer wird vermisst?

Insgesamt werden laut offiziellen Angaben mehr als 1300 Personen vermisst, darunter 644 Touristen. Die nepalesische Tourismusbehörde spricht von acht Deutschen, zu denen es keinen Kontakt mehr gebe. Ihr Schicksal ist unklar. Eine vermisste Schweizer Person wurde am Donnerstag gerettet.

Eine grosse Zahl der vermissten Touristen in der Region waren hinduistische Pilger aus Indien und Nepal, die zum heiligen Berg Kailash auf der tibetischen Seite der Grenze wollten. Die nepalesische Tourismusbehörde meldet 178 vermisste Inder. Das indische Aussenministerium spricht hingegen von mindestens 288 vermissten indischen Staatsangehörigen.

Laut der Liste der Tourismusbehörde werden unter anderem 35 Australier, 65 amerikanische Staatsbürger, 33 britische Staatsbürger und 25 Kanadier vermisst. Zudem bestehe kein Kontakt zu 53 Ukrainern sowie 51 Personen aus Malaysia.

Auch neun Südkoreaner, die in einem Wasserkraftwerk arbeiteten, und mindestens fünf Japaner werden vermisst.

Wie konnte es zu der Katastrophe kommen?

Was genau die Sturzflut ausgelöst hat, muss noch untersucht werden. Erste technische Untersuchungen weisen inzwischen auf einen massiven Eis- und Felsabbruch auf der tibetischen Seite hin.

Der Fluss Bhotekoshi entspringt in den Bergen des tibetischen Hochlands, bevor er durch Nepal nach Indien fliesst. Eine Lawine aus Fels und Eis sei wohl auf der Nordseite des 7234 Meter hohen Bergs Langtang Lirung an der Grenze zwischen China und Nepal abgegangen. So sagt es Christian Huggel von der Universität Zürich, der bereits frühere Sturzfluten in der Region erforschte. Woher die enorme Wassermenge gekommen ist, wissen die Wissenschafter bislang nicht.

Was tun die Helfer?

Nepals Polizei und das Militär suchen nach Überlebenden. Mehr als 5000 Rettungskräfte seien im Einsatz, heisst es von den nepalesischen Behörden. Helikopter werfen Zelte, Lebensmittel und andere Hilfsgüter ab. Sie seien vom benachbarten Indien bereitgestellt worden, sagte Raja Ram Basnet, ein Sprecher der nepalesischen Armee. Für die flussabwärts gelegenen Gebiete gilt Katastrophenwarnung. Mehrere Ortschaften, auch im nordindischen Gliedstaat Bihar, wurden evakuiert. Ein Stausee wurde abgelassen, um Platz für die Wassermassen zu schaffen.

Die USA kündigten an, Katastrophenhilfe in Höhe von 500 000 Dollar bereitzustellen. China hat mindestens 574 Rettungskräfte an den Landübergang entsandt, doch die Ablagerungen der Flut stellen eine Herausforderung dar. Die Vereinten Nationen mobilisieren Hilfsgüter und Personal, um die betroffenen Gemeinden zu unterstützen. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) hat vorerst 50 000 Franken für Nothilfe bereitgestellt. Die EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen versprach, europäische Unterstützung zu mobilisieren. Der Erdbeobachtungsdienst Copernicus sei zur Kartografierung der betroffenen Gebiete aktiviert worden, schrieb sie auf X.

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