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Zürich – News aus der Stadt & Region | NZZ Nachrichten · Aug 20, 2026

Das Kino Corso am Zürcher Bellevue soll gerettet werden, fordert das Stadtparlament – es will nichts vom «Eventsaal» des Stadtrats wissen

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Michael von Ledebur · Neue Zürcher Zeitung

Das Kino Corso am Zürcher Bellevue soll gerettet werden, fordert das Stadtparlament – es will nichts vom «Eventsaal» des Stadtrats wissen

Der Gemeinderat fällt einen Grundsatzentscheid für die Erhaltung. Doch gerettet ist das Kino noch lange nicht.

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Im Corso soll nach achtzig Jahren Schluss sein mit Kinobetrieb, sagt der Stadtrat – doch das Parlament sieht es anders.

Im Corso soll nach achtzig Jahren Schluss sein mit Kinobetrieb, sagt der Stadtrat – doch das Parlament sieht es anders.

Christian Beutler / Keystone / © Pro Litteris

Raphael Golta wurde in diesem Frühling als Stadtpräsident gewählt – und damit auch als Kulturminister. Aber am Mittwoch, als das erste grosse kulturpolitische Gefecht seiner Amtszeit ansteht, fehlt der Kapitän. Golta befindet sich zwar auf grosser Fahrt, aber ein Stück limmatabwärts: Der Stadtrat stellt derzeit die historische Hirsebreifahrt von Zürich nach Strassburg nach und ist im Weidling unterwegs.

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So verpasst Golta, wie die Stadtparlamentarierinnen und Stadtparlamentarier die stadträtliche Filmpolitik zerreissen. Und wie seine Partei, die grosse SP, für einmal überstimmt wird. Eine unheilige Allianz aus SVP, FDP, Grünen, Mitte und AL spricht sich dafür aus, dass das Corso, das grösste Schweizer Kino am Zürcher Bellevue, erhalten bleiben soll. Dies entgegen der Absicht des Stadtrats, der daraus einen «Eventsaal» machen will.

An diesem Entscheid hätte allerdings auch ein anwesender Golta kaum etwas ändern können. Zu verworren ist das Geschäft, das ihm seine Vorgängerin Corine Mauch hinterlassen hat.

Untergang des Flaggschiffs

Im vergangenen Januar überraschte der Stadtrat mit der Meldung, dass die Tage des Corso gezählt seien und dass es im Jahr 2029 geschlossen werde. Das Haus gehört der Stadt, das Corso ist darin eingemietet. Die Zürcher Filmszene reagierte heftig. «Ausgerechnet unser Flaggschiffkino will die Stadt schliessen», sagte Christian Jungen, Direktor des Zurich Film Festival. Das Corso sei für das Festival «existenziell».

Der Stadtrat hat bis heute Mühe, seine Absichten zu erklären. Klar ist, dass das Haus saniert werden muss. Der Planungsprozess läuft seit Jahren. Aber weshalb mit einem Mal der Zweck geändert werden soll, weg vom Kinobetrieb – dies vermag er nicht schlüssig zu begründen.

Im Januar verwies er auf die deutlich höheren Kosten, die bei der Sanierung zu erwarten seien. Deshalb habe die Stadt «beschlossen, das Gebäude so umzubauen, dass es künftig vielseitig genutzt werden kann und die Investitionen langfristig sinnvoll sind». Von einem «Eventhaus» sprach die Stadtregierung. Was sie damit genau meinte, blieb offen.

Am Mittwoch vertritt der Finanzvorstand Daniel Leupi seinen Kollegen Golta im Stadtparlament. Er hat den Weidling, mit dem der Stadtrat Richtung Strassburg unterwegs ist, noch auf Stadtgebiet verlassen, um im Rat einsam Präsenz zu markieren. Die Renaissance-Kluft trägt er immer noch, als er den Saal betritt.

Leupi betont, er sei «nicht der Kulturminister» und argumentiere «aus Sicht des Hauses». Und da sei es offensichtlich: «Der Einbau der Kinosäle hat dem Gebäude nicht gutgetan.»

Das Corso sei ursprünglich ein Eventlokal gewesen, so Leupi. Es werde somit zu seiner einstigen Form zurückgeführt. Zudem werde ein Saal so konzipiert, dass Kinovorführungen weiterhin möglich seien – auch für das Zurich Film Festival.

Ein Menschenleben lang ein Kino

Dies lässt Mischa Schiwow nicht gelten. Schiwow ist von Beruf Filmverleiher und sitzt für die Alternative Linke im Gemeinderat. Er sagt: «Das Corso ist seit achtzig Jahren ein Kino. Das ist ein Menschenleben lang. Das wischt man jetzt einfach mit einem Strich weg. Und warum braucht es auf einmal ein Eventhaus? Wo ist die Bedarfsabklärung dafür?»

Die einzige logische Erklärung sei, so Schiwow, dass die Stadt den Pfauensaal saniere und das Schauspielhaus während der Bauzeit irgendwo unterbringen müsse. Da sei man offenbar aufs Corso gekommen. Tatsächlich hat die Stadt selbst die Möglichkeit angetönt, das Theater zwischendurch im Corso einzumieten.

Verworren ist die Causa Corso auch deshalb, weil sich der Stadtrat eigentlich als grosser Kinoförderer sieht. Er betreibt das Filmpodium als Eigenbetrieb, unterstützt das Kino Xenix seit Jahrzehnten und hat jüngst die Arthouse-Kinos sowie das Riffraff mehrfach mit kurzfristigen Rettungsaktionen unterstützt. Seit diesem Jahr stellt die Stadt gar jährlich 500 000 Franken bereit: Kinobetriebe können sich direkt um Förderung bewerben.

Stefan Urech (SVP) wundert sich deshalb im Rat: «Wir fördern Kinos, die nicht mehr rentabel sind. Und dort, wo es einigermassen läuft, wie beim Corso, ziehen wir den Stecker? Das ergibt keinen Sinn.» Die SVP hat wie AL und Grüne sowie die Mitte Vorstösse zur Rettung des Corso eingereicht. Die SVP kritisiert daneben die Corso-Sanierung grundsätzlich, weil die Kosten aus dem Ruder liefen und kein klarer Plan erkennbar sei.

Allerdings ist unbestritten, dass die Kinobetreiberin Blue Entertainment der Stadt nur eine geringe Miete bezahlt. Ob das Geschäft bei einer Marktmiete laufen würde, sei eine andere Frage, sagt Sven Sobernheim (GLP). Seine Partei ist neben der SP die einzige, die die Stadtratsidee unterstützt. Sobernheim sagt, man sei zwar auch für Kinoförderung, aber es sei offensichtlich, dass das Kino auf dem Rückzug sei. Da solle man sich beim Corso nicht festlegen. Es brauche Mut für neue Ideen.

GLP und SP unterliegen. Das Stadtparlament nimmt alle drei Vorstösse an. Zwar muss sich der Stadtrat technisch gesehen nicht daran halten, weil es sich um Postulate handelt, die nicht bindend sind. Doch die Meinungsbekundung für eine Kinoerhaltung ist derart deutlich, dass er sie kaum wird ignorieren können.

Von einer Rettung des Corso-Kinos kann man dennoch nicht sprechen. Es gibt zu viele Unklarheiten, unter anderem in der Frage, wie es mit der geplanten Sanierung weitergeht.

Klar ist einzig, dass sich die Kinobetreiberin Blue Entertainment zurückziehen wird: Sie hat den Vertrag mit der Stadt in gegenseitigem Einvernehmen gekündigt – übrigens ohne sich je öffentlich für die Erhaltung des Standorts eingesetzt zu haben. Der AL-Gemeinderat Schiwow lässt im Gespräch mit der NZZ aber durchblicken, dass er von namhaften Interessenten wisse, die daran interessiert seien, den Kinobetrieb nach einer Neuausschreibung zu übernehmen.

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