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High-Tech-Meisterschaften in Peking: Roboter läuft schneller als Usain Bolt, zerschellt aber im Ziel
An den World Humanoid Robot Games in China stellten Roboter mehrere Rekorde auf. Zwei Experten ordnen ein, was davon Show ist und was echter technologischer Fortschritt.
4 Leseminuten
Reuters, X / @EHuanglu
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Im Laufsport hängen Roboter den Menschen ab. Ein humanoider Roboter lief am Wochenende an den World Humanoid Robot Games in Peking 100 Meter in 9,39 Sekunden. Damit unterbietet er die Bestzeit von Usain Bolt, dem schnellsten Menschen der Welt, um mehrere Hundertstelsekunden. Der Roboter erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von über 52 Kilometern pro Stunde.
Weitere menschliche Rekorde brachen die Roboter bei den Läufen über 400 Meter und über 1500 Meter. Auch im Hochsprung überbot ein Roboter den Menschen mit einem Sprung aus dem Stand von über 2,88 Metern.
— TFTC (@TFTC21) August 22, 2026China's TienKung humanoid robot cleared 2.88 meters in the standing high jump at the World Humanoid Robot Games in Beijing.
The human record is 2.45m. pic.twitter.com/EOBNE17bx0
Wie schnell sich die Robotik gegenwärtig entwickelt, zeigt ein Vergleich mit der letztjährigen Veranstaltung: Noch im August 2025 benötigten die schnellsten Roboter auf 100 Meter doppelt so lange wie heute.
Die Leistung der Ingenieure hinter den Robotern ist beeindruckend, finden auch Experten. Robert Katzschmann, Assistenzprofessor an der ETH Zürich im Bereich Robotik, sagt: «Die Veranstaltung zeigt, dass es in China vielen Unternehmen gelungen ist, leistungsstarke Roboter zu bauen.»
Tatsächlich gebührt das Lob vor allem chinesischen Firmen. Von den 666 Teams, die an der Veranstaltung teilnehmen, stammen 641 aus China. Damit zeugt der Fortschritt bei den Sportrobotern auch vom ausgereiften Fachwissen, das sich das Land bei der Hardwareproduktion in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut hat.
Vergleiche mit Menschen sind absurd
Allerdings seien die Rekorde aus Sicht der Spitzenforschung wenig überraschend, sagt Katzschmann. «Das Problem des Laufens auf zwei Beinen haben wir in der Robotikforschung schon vor fünf bis sechs Jahren gelöst.» Dass die Maschinen deshalb früher oder später schneller würden als wir Menschen, sei erwartbar gewesen.
Allerdings findet Katzschmann den Vergleich zwischen Robotern und Menschen wenig aussagekräftig. Ein bisschen sei es, als würde man einen Vogel mit einem Flugzeug vergleichen. Schliesslich sei der Roboter explizit für eine bestimmte Anwendung gebaut, während wir Menschen in Körpern steckten, bei denen man nicht einfach die Beine ein paar Zentimeter verlängern könne.
Dazu kommt: Beim Sportwettkampf nähmen die Organisatoren in Kauf, dass sich die teilnehmenden Roboter zerstörten – was man bei Menschen nie akzeptieren würde. Besonders eindrücklich illustriert dies der 100-Meter-Lauf. Nach dem Überschreiten der Ziellinie bremsten die Roboter nicht ab, sondern rannten mit Vollgas in eine Schaumstoffmatte.
Mehrere Roboter prallten davon ab und zerschellten am Boden, bisweilen sprühten Funken. Der Gewinnerroboter prallte an der Matte ab und stürzte danach über eine Absperrung in die unmittelbare Nähe einer Menschentraube. Damit wurde er zu einer Gefahr.

Bremsen ist nicht vorgesehen: Nach dem 100-Meter-Lauf prallte der Roboter gegen eine Schaumstoffmatte und zerschellte.
Wu Hao / EPA
Weit weg von der Alleskönner-Maschine
Der Fakt, dass die Laufroboter zwar beschleunigen, aber nicht abbremsen können, zeigt, wie extrem spezialisiert Roboter noch immer sind. Thomas Buchner, ebenfalls Robotikforscher an der ETH Zürich, sagt: «Die beeindruckenden Bilder aus Peking dürfen nicht über den Fakt hinwegtäuschen, dass es für die Alleskönner-Maschine noch immer viel Forschung und Entwicklung bedarf.»
Damit fasst er den gegenwärtigen Stand der Robotikforschung zusammen: Die Roboter können auf dem einen Gebiet, für das sie geschaffen wurden, Höchstleistungen erbringen. Aber ein Tischtennisroboter kann weder Tennis noch Badminton spielen – schlicht deshalb, weil seine Kameras nicht darauf optimiert wurden, Tennisbälle oder Federbälle zu erkennen, geschweige denn ihre Flugbahn zu errechnen.
Und weil sich die Fähigkeiten der Sportroboter nicht auf andere Felder übertragen lassen, sind sie im Leben abseits der Sportbahn zu nichts einsetzbar.

Optimiert für Tischtennis, unfähig im Badminton: ein humanoider Roboter an einer Medienkonferenz vor den World Humanoid Robot Games in Peking, 14. August 2026.
Andres Martinez Casares / Pool Photo via AP

Sportvideos bleiben vorerst eine Show
Interessanter als die Sportwettkämpfe finden die beiden Forscher daher einen Teil der Veranstaltung, über den wenig berichtet wird: die Szenario-Aufgaben. Dabei handelt es sich um nachgestellte Alltagssituationen, die die Roboter bewältigen müssen.
Genannt wurden im Vorfeld der Spiele ein industrielles Szenario, bei dem der Roboter etwas zusammenbauen muss, und ein Pflegeszenario, bei dem der Roboter in einem simulierten Altersheim Aufgaben erledigen soll. Videos von Robotern, die sich bei diesen Aufgaben massen, waren am Montag nur vereinzelt auffindbar.
Bei einem zeigt sich aber, dass die chinesischen Roboter mit den gleichen Schwierigkeiten kämpfen wie jene im Rest der Welt: Ihre Hände sind noch zu schlecht. Um Aufgaben erledigen zu können, wie ein paar Dutzend kleine Kartonschachteln in eine grosse Kartonschachtel zu packen, braucht der Roboter einen Saugnapf mit Vakuumpumpe.
Ohne solche spezialisierten Hilfsmittel scheitern die Roboter derzeit also noch immer an den einfachsten Aufgaben des Alltags. Das zeigt: Bis Maschinen unser Leben erleichtern, bleiben die spektakulären Höchstleistungen auf der Sportbahn vor allem eines: eine faszinierende Show.
Humanoid robots are packing and storing goods at the World Humanoid Robot Games. 🤖📦#WHRG2026 #HumanoidRobots https://t.co/PtpBO7T4QN pic.twitter.com/iiWMiH3xHJ
— 智东西China AI News (@Chinazhidx) August 24, 2026




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