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Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung · Aug 26, 2026

Überleben als Instinkt: „Das Ende der Sterne“

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Peter Zander · Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung

Auch für Ridley Scott ist die Endzeit gekommen. Sein neuer Film „Das Ende der Sterne“ beginnt zwar mit malerischen Landschaftsaufnahmen und Country-Klängen, zu denen ein Mann mitten in freier Natur mit seinem Hund spazieren geht, angelt oder mit seinem Kleinflugzeug über malerische Wipfel und Hügel fliegt. Doch als er in die Stadt zum Einkaufen geht, ändert sich der Ton jäh. Denn die Großstadt ist verwildert, die Gebäude sind verfallen und überwachsen, wilde Hunde streunen herum, überall liegen Skelette.

Nach einer Pandemie ist der Großteil der Menschheit ausgelöscht

Und wenn Big Hig (Jacob Elordi) Nahrung und Sprit besorgt – wovon es noch immer reichlich gibt –, dann schultert er sich ein Gewehr über. Denn es könnten auch andere Menschen hier und hinter denselben Dingen her sein. Die Welt, wie wir sie kennen, so erfährt man nur nach und nach, gibt es nicht mehr. Eine Pandemie hat den Großteil der Menschheit hinweggerafft. Und da draußen lauern marodierende, plündernde Unmenschen. Überleben ist zum Instinkt geworden.

Ein Mann und ein Hund allein in der Endzeit – das kennt man noch gut aus „I am Legend“ (2007) mit Will Smith, der damals, auch schon fast 20 Jahre her, im völlig verwaisten New York hauste, was ein Schauwert an sich war. „Das Ende der Sterne“, das auf einem Bestseller von Peter Heller basiert, hat es nur eine Nummer kleiner. Hier soll die Geisterstadt Denver sein, dort hält sich der Film aber nur kurz auf.

Hig ist auch nicht ganz allein. Er lebt da draußen, irgendwo in Colorado, zusammen mit Bangley (Josh Brolin) in einer fragilen rauen Männertrutzfreundschaft. Denn der zynische Ex-Marine schießt auf jeden, der sich ihnen nähert, und fragt nicht etwa erst, was der- oder diejenige will. Worüber die beiden zuweilen streiten. In der Nähe leben auch andere Menschen mit Kindern, für die Hig die Nahrung besorgt. Ihr alter Kleinflughafen dient dabei auch als gut zu verteidigender Vorposten.

Die Hoffnung, dass es da draußen noch mehr Überlebende gibt

Aber dann stellt Bangley den Jüngeren auf die Probe. Knallt Fremde einmal nicht gleich ab, sondern wartet, bis sie Jagd auf Hig machen. Der überlebt das zwar, nicht aber sein Hund. Weshalb Hig die Nase voll hat und sich mit seiner Cessna davon macht. In der Hoffnung, dass es irgendwo da draußen noch mehr Überlebende gibt. Und nicht nur mordende Unwesen. Denn auf seinen Flügen hat er immer mal wieder Fetzen von einem Funkspruch vernommen. Wie eine Stimme, die ihn ruft.

Das alles, seien wir ehrlich, ist nicht neu. Das hat man schon in zahllosen Dystopien so oder so ähnlich gesehen. Altmeister Scott – der zuletzt mit „Napoleon“ ein grandioses Waterloo erlebte und mit „Gladiator 2“ weit hinter seinem Original zurückblieb –, konterkariert Endzeit-Klassiker à la „Mad Max“ nur, indem die Welt „danach“ eben keine verbrannte Wüste ist, sondern Mutter Natur das Störelement Mensch ganz gut überwunden hat. Das zeigen epische Aufnahmen aus der Luft (dass der Kameramann Erik Messerschmidt fast genauso heißt wie das gefürchtete Jagdflugzeug, ist dabei eine Pointe für sich).

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Doch als Warnung vor Epidemien oder anderen Endzeitszenarien taugt der Film wenig. Und die plündernden Wesen sind allesamt tätowierte Glatzen, die nie sprechen, sondern nur grölen und archaische Waffen schwingen. Was einmal mehr das fragwürdige Klischee des wilden Manns bedient. Und da ist es wie mit den Unwesen in Apokalypsen à la „28 Days Later“: Aliens haben keine Lobby, die kann man einfach abknallen wie im Videospiel, ohne Empörung beim Zuschauer zu riskieren.

Der Film braucht lange, bis er in Fahrt kommt

Eigentlich hätte Paul Mescal, der schon bei „Gladiator 2“ vor Scotts Kamera stand, die Hauptrolle spielen sollen. Der war aber wegen der Beatles-Biopics verhindert. So kam Jacob Elordi zum Zuge. Der muss immer noch beweisen, ob er nur ein Beau ist oder doch auch ein Schauspieler. Lustig, dass für die James-Bond-Nachfolge stets dieselben zwei Namen in den Ring geworfen werden, die von Elordi und Callum Turner, und beide diese Woche mit einem neuen Film starten (letzterer in „One Night Only“), so dass man beide auf ihren Star-Nimbus überprüfen kann.

Zumindest als Lover macht Elordi hier wenig her. Und wenn’s dramatisch wird, guckt er nur traurig oder grimmig, was aber auch seltsam gleich aussieht. Möglich, dass der Film mit einem anderen Darsteller mehr Tiefen hätte. Aber das ist nicht die einzige Schwäche. Auch der 88-jährige Scott hat seine Dramaturgie nicht immer im Griff. Es braucht lange, bis der Film in Fahrt kommt, dafür geht er noch weiter, wenn er längst zu Ende ist. Und so beschleicht einen das bange Gefühl, dass für Ridley Scott wirklich die Endzeit gekommen ist.

Thriller USA 2026, 119 min., von Ridley Scott, mit Jacob Elordi, Margaret Qualley, Josh Brolin, Guy Pearce, Allison Janney ****

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