- 27. August 2026, 15:47 Uhr
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Bürgerreporter:in
Autor: Felicia Rüdig
aus Duisburg
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Die Manifesta 16 findet in diesem Jahr im Ruhrgebiet statt, in seinen Metropolen Duisburg, Bochum, Essen und Gelsenkirchen, um genau zu sein. Es ist das erste Mal, daß die Manifesta Station bei uns in Deutschland macht. Träger der Biennale ist die „International Foundation Manifesta“ (IFM); die erste Biennale fand 1996 im niederländischen Rotterdam statt.
„Das ist keine Kirche“ lautet der Untertitel der diesjährigen Veranstaltungsreihe.
Nach eigenen Angaben steht die Frage, wie ungenutzte, weil entwidmete Kirchen „als Räume für das tägliche Leben, körperliches Wohlbefinden und gemeinschaftliche Begegnung“ neu genutzt werden können.
In 12 Kirchen sollen Projekte gezeigt werden, die auf den jeweiligen Ort zugeschnitten sind. . Künstler jeglichen Alters arbeiten generations- sowie herkunftsübergreifend zusammen – ein Teil der Ausstellenden kommt aus anderen Ländern Europas, wie beispielsweise der Türkei. Sie sollen auf die sozialen und historischen Zusammenhänge der einzelnen Kirchen eingehen und sich mit Themen wie Solidarität und der Gestaltung von Quartieren beschäftigen.
Die Manifesta 16 verbindet künstlerisch getriebene Erneuerung, urbane Transformation und neue Ideen für die Gestaltung des gemeinschaftlichen Lebens. Sie lädt Politiker, Entscheidungsträger und die breite Öffentlichkeit dazu ein, darüber nachzudenken, wie wir Gemeinschaftsgeist, öffentliche Angebote und das Vertrauen in die europäische Demokratie wieder zusammenbringen können. So steht es als Anspruch in einem Ausstellungsführer.
St. Josef im Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf ist einer der Veranstaltungsorte. Die Kirche wurde in den Jahren 1894 bis 1896 nach den Entwürfen des Architekten Lambert von Frisenne erbaut; Josef Franke fügte 1917 die Sakristei hinzu. Die klassizistische und neugotische Kirche wurde schon im Jahre 2023 geschlossen.
Die Kirche weist als Veranstaltungsort eine formale Besonderheit auf. Im ehemaligen Pfarrhaus ist seit dem Sommer 2025 die Zentrale der Manifesta 16. Das Pfarrhaus ist allerdings nicht Teil der Ausstellung und daher nicht für Besucher geöffnet.
Die Ausstellung in der ehemaligen römisch-katholischen Kirche ist auch mit Bus & Bahn gut erreichbar, die Haltestelle „Bergmannstraße“ befindet sich in fußläufiger Entfernung. Die Besucher sollten sich nicht von der evangelischen Apostelkirche in unmittelbarer Nähe beirren lassen – eine ungepflegte Parkanlage trennt die beiden Gotteshäuser.
Der Haupteingang ist dank einiger Treppenstufen (ohne Handlauf) nur für Besucher nutzbar, die gut zu Fuß sind. Die freundliche und hilfsbereite Aufsicht hilft mobilitätseingeschränkten Besuchswilligen beim barrierefreien Zugang über einen Nebeneingang.
Ein Abort befindet sich außerhalb des Kirchengebäudes und muß von der Aufsicht bei Bedarf aufgeschlossen werden.
Doch nun genug der Vorrede. Was bekommt der Besucher vor Ort zu sehen?
St. Josef ist ein klassischer dreischiffiger Kirchenbau. Er ist inzwischen komplett entkernt, so daß die Architektur der Hallenkirche sehr gut genutzt werden kann.
Das Mittelschiff ist mit einer großen, aufblasbaren blauen Membran verhüllt. Der Boden ist vollständig mit Sand ausgelegt und erinnert an eine Spielfläche für Strand-Volleyball. Es gibt zwei Großbildschirme mit Video-Installationen. Hintergrundmusik durchflutet den Kirchraum. Mehrere Sitzgelegenheiten (beispielsweise Kirchenbänke) werden bildhauerisch zu neuen Zusammenstellungen arrangiert und mit Licht angestrahlt – so entstehen Inseln im Raum, die durch weitere Lichtinstallationen ergänzt werden.
Josep Bohigas heißt der Kuratoer der Ausstellung. Was ist von dem Gesamtkunstwerk zu halten? „Was soll das?“ wird der interessierte aber kunstungewohnte Betrachter nun fragen. Hält sich der Betrachter einige Zeit in der Kirche auf und läßt das Arrangement auf sich wirken, entdeckt er, wie sich Kunst mit Licht und Raum beschäftigen kann. Ob hier ein „Environment“ als Kunstform vorliegt, können Kunstwissenschaftler besser beurteilen.
An dieser Stelle sei ein Wort zu den teilnehmenden Künstlern Havin Al-Sindy und Curro Claret heißen sie. Sie dürften auch kulturbeflissenen Besuchern unbekannt sein.
Der Veranstalter stellt sie leider im Ausstellungsführer nicht vor. Was schon bedauerlich ist. Als Laie möchte man ja schließlich schon wissen, wem man diese durchaus sehenswerte Kunstpräsentation zu verdanken hat.
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