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Berliner Morgenpost · Aug 21, 2026

Tumulte, Raketen und Reiterstaffel auf dem Platz – Pokal-Derby versinkt im Chaos

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Erik Asmussen · Berliner Morgenpost

Es war die letzte Aktion in der regulären Spielzeit des DFB-Pokalduells zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern (0:1 nach Verlängerung) – und eigentlich eine harmlose. Lautern-Kapitän Marlon Ritter rempelte seinen Gegenspieler nach einem Zweikampf an. Daraus entwickelte sich eine Rudelbildung – und plötzlich versank das Erstrunden-Derby (zwischen Fanlagern beider Klubs besteht eine Rivalität) im Chaos.

Heftige Ausschreitungen bei DFB-Pokalspiel zwischen Mannheim und Kaiserslautern

Die Szene sorgte dafür, dass die Emotionen auf den Rängen in der ohnehin durchweg hitzigen Atmosphäre endgültig überkochten. Zunächst flogen Becher und weitere Gegenstände in Richtung von Ritter. Dann landeten Raketen auf dem Spielfeld. Aus dem Gästeblock wurden offenbar Feuerwerkskörper in Richtung der Haupttribüne geschossen, woraufhin Anhänger des Gastgebers den Platz stürmen wollten. Einige Chaoten standen zeitweise schon auf dem Feld.

Die Polizei reagierte sofort und schickte zahlreiche Kräfte auf den Rasen, um die Fans zurückzudrängen. Sogar Polizeireiter und Hundeführer waren auf dem Spielfeld zu sehen. Die Polizisten umrahmten das gesamte Spielfeld und sollen laut Kicker-Angaben zwischenzeitlich auch in den Mannheimer Fanblock gestürmt sein, unter dem Einsatz von Pfefferspray.

35 verletzte Polizisten

Die traurige Bilanz des Abends: 33 Beamte der Bundespolizei sowie zwei Polizisten aus Baden-Württemberg wurden nach Polizeiangaben leicht verletzt. Insgesamt waren rund 1.400 Beamte im Einsatz. 85 Personen mussten medizinisch betreut werden, acht von ihnen zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus. Bei den Blessuren handelte es sich laut einer Polizeisprecherin nach bisherigen Erkenntnissen um leichte Verletzungen.

Schiedsrichter Robert Schröder hatte beide Mannschaften zu diesem Zeitpunkt längst in die Kabine geschickt. Das Spiel wurde unterbrochen. Zum Zeitpunkt der Unterbrechung waren noch keine Tore gefallen. Die reguläre Spielzeit hatte Schiedsrichter Schröder quasi mit Beginn der Rudelbildung beendet. Nach einigen Minuten verließen die Polizisten das Spielfeld. Das Spiel wurde nach mehr als einer halben Stunde fortgesetzt und startete mit der Verlängerung. In der 120. Minute erzielte Ibrahim Kanaté das Siegtor für Kaiserslautern.

Ausschreitungen im DFB-Pokal: Das sagen die Klub-Verantwortlichen

Lauterns Geschäftsführer Thomas Hengen fand deutliche Worte. „Das ist ein Derby, da sind die Emotionen groß, so etwas darf aber nicht ausarten. Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fußball“, sagte der Ex-Profi bei Sky. Für ihn war das Einschreiten der Polizei und das umsichtige Agieren des Schiedsrichterteams entscheidend, dass es nicht zum Spielabbruch kam. Auf dem Platz sei es aber ein faires Derby gewesen. Beiden Vereinen drohen nun empfindliche Strafen durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Der Sonderbericht wird entsprechend lang sein“, sagte Referee Robert Schröder bei Sky. Waldhof-Geschäftsführer Gerhard Zuber hätte sich auch einen Abbruch vorstellen können. „Wenn Raketen in den Familienblock geschossen werden, ist das Maß überschritten. Da muss man irgendwann konsequent sein und vielleicht nicht mehr weiterspielen.“

Schon vor dem Spiel war es zu Ausschreitungen gekommen. Gästefans hatten Bengalos auf das Spielfeld geworfen. „Wir haben es beim Reinkommen gespürt, was hoffentlich dann nachher auch zu spüren ist: Dass alle Dinge, die ausgetragen werden, fair auf dem Platz ausgetragen werden und alles andere eben hoffentlich gewaltfrei abläuft. Hier im Stadion und außerhalb“, hatte FCK-Trainer Torsten Lieberknecht bei Sky gesagt. Sein Wunsch erfüllte sich allerdings nicht.

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