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Living with Lemons · Dec 18, 2025

🍋 #14 – Überwintern und Abschied nehmen vom Jahr

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Lea Lüdemann · Living with Lemons

Ihr Lieben.
Seit Monaten steht dieser Newsletter an. Zuletzt habe ich im September einen veröffentlicht (und im Oktober einen Podcast). Jetzt wollte ich mich aber wirklich unbedingt noch einmal schriftlich in eurem Postfach melden, bevor sich das Jahr dem Ende zuneigt und ich überhaupt keinen Mucks mehr von mir gebe.

Nach so einer langen Schreibpause wieder anzufangen, ist immer schwierig. Was interessiert euch, was nicht? Jahresrückblick? Neujahrsvorsätze? Ein Rezept für Weihnachten? Ich glaube, ich habe alles davon in einer wilden Mischung.

Fangen wir an mit einem Blick auf das Jahr!

2025 war ein tougher Cookie, wie man auf englisch sagen würde. Nach chinesischem Kalender das Jahr der Holzschlange und damit „eine Zeit der Transformation, Weisheit, Kreativität und des Wachstums, die durch die Klugheit der Schlange und die Flexibilität des Elements Holz geprägt ist.“ Ich habe das so arg gespürt! Die Transformation, die Kreativität, irgendwie auch die Flexibilität. Ich habe mich mehr zu Musik, Büchern, Filmen und Serien hingezogen gefühlt als sonst, dachte mehrmals dieses Jahr, dass ich meine „Fangirl“-Ära wohl starte. Ich habe Musik gefühlt. Mit meinen Kindern zum K-Pop Demon Hunters’ Soundtrack im Wohnzimmer getanzt. Bücher geliebt. In Serien gelebt. Ich habe das Backen angefangen! Also, so richtig. „Professionell“. Halt so mit Firma gründen, Website bauen, Visitenkarten drucken, Flyer Aufgängen, Preisliste gestalten, lernen, lernen, lernen. Ich habe Kuchen-Boxen gekauft und mit Stickern beklebt, habe Techniken getestet, für Freund:innen, für die Schule meiner Tochter, für Unbekannte gebacken. Mit richtigen Aufträgen! Ich habe Geld fürs Backen bekommen, das ist schon echt einfach cool. Mir macht das richtig, richtig viel Spaß. Und ich möchte in 2026 unbedingt weiter machen und wachsen.

Am vergangenen Wochenende habe ich auf dem Weihnachtsmarkt verkauft: Cake Pops, Cupcakes, Weihnachtstorten. Die Freude der Menschen in ihren Augen zu sehen, hat mir wirklich sehr viel bedeutet. Meine Kuchen kamen einfach gut an, haben allen geschmeckt – auch mir. Und das ist, denke ich, die größte Herausforderung: Wenn am Ende auch ich zufrieden bin mit dem Backergebnis, dann ist es wirklich gut geworden. Auch eine Hochzeitstorte, die ich vor zwei Wochen testweise gebacken und an 50 Freunde serviert habe, war ein richtiger Erfolg. Allen hat sie geschmeckt (mir auch)! Das finde ich schon wirklich ganz besonders toll: zu sehen, wie Leuten etwas, in das ich so viel Zeit und Liebe und Kreativität reinstecke, gefällt.

Ich träume ja seit Jahrzehnten von meinem eigenen Café, und irgendwie glaube ich, dass ich dieses Jahr dem Traum einen ganzen Schritt näher gekommen bin, ohne, dass ich das groß geplant habe. Es kam einfach so. Ende August habe ich, als ich gerade mit meinem Mann im Fitnessstudio war, ganz spontan zu ihm gesagt, dass ich ja einfach in die Eltern-Whatsappgruppe der Klasse meiner Tochter einen Flyer posten könne, dass ich gerne Geburtstagstorten und dergleichen übernehmen könnte. Noch am selben Abend habe ich den Flyer gebastelt, verschickt, und so dann Schritt für Schritt diese kleine Firma Sophie Marie Cakes gestartet. Mit Registrierung beim Finanzamt, bei der Milieuverwaltung, mit Website, Instagram-Account, mit Steuerberaterin, ja, ich denke, man kann es so sagen: Ich habe in den letzten drei Monaten eine Firma gegründet und schon „echte“ Aufträge gehabt, und zwar einige! Das freut mich wirklich richtig.

Was ich eigentlich suche: einen Job

Eigentlich ist diese Idee bloß aus der Not heraus entstanden, denn was ich eigentlich seit Monaten parallel mache, ist: einen Job suchen. Ich habe in den letzten anderthalb Jahren über 150 Bewerbungen geschrieben. Ich habe meinen Agentur-Job zu Ende Juni verloren, weil wir uns entschieden haben, in Stockholm zu bleiben und nicht zurück zu ziehen. Diese Entscheidung bereue ich keine Sekunde, aber ich hatte durchaus Krisenmomente dieses Jahr, weil ich einfach keinen neuen Job finden konnte. Dreimal habe ich es bis unter die Top 2 Kandidat:innen geschafft (unter teilweise 700 Bewerber:innen!), habe in allen drei Fällen jeweils drei Vorstellungsgespräche hinter mich gebracht, eine Case Study gemacht, diese präsentiert, habe Persönlichkeits- und Logiktests gemacht – und in allen drei Fällen fiel die Entscheidung auf die jeweils andere Person. „You did absolutely nothing wrong“, sagten die Ansprechpartner:innen zu mir, „they just went for the person with more e-commerce experience“, „they just chose the other woman because she had a few years more experience in PR“, „we were looking for someone with a little more experience in finance“. Nichts persönliches: und trotzdem hab ich zum Ende hin natürlich echt an mir gezweifelt. Da kann die Recruiterin fünf mal sagen „you have to focus on the fact that you were among the top two candidates out of over 700 applicants“ – es fängt trotzdem an, an einem zu nagen. Überhaupt, dieser Jobmarkt – what the f*ck!? 700 Bewerber:innen? Auf eine Stelle!? Egal, mit wem ich spreche, alle sagen: „The times are absolutely difficult to find a job“. Und dann kommt dazu, dass ich schlecht schwedisch spreche, ich habe mich oft dieses Jahr gefühlt wie die Ausländerin, die irgendwie halt einfach von Grund auf benachteiligt wird, weil sie nicht von hier kommt. Vielleicht stimmt das nicht; vielleicht machen die AI-Tools aber halt auch wirklich direkt einen Cut, wenn die Schwedischkenntnisse nicht ausreichend vorhanden sind.

Wie auch immer. Ich habe letztlich einen Job gefunden.

Oder: er hat mich gefunden. Ich hab mich nicht mal drauf beworben. Hätte ich auch nicht gemacht, ist nämlich nichts dolles, irgendwie unter meinen Qualifikationen, mau bezahlt, uninteressantes Produkt. Aber er kam jetzt halt so zu mir, ich fange Anfang Januar an, es ist eine sechsmonatige Elternzeitvertretung. Ich hab ja nichts zu verlieren.

Das war übrigens ein schönes Motto für mich für meine Backprojekte.

Zu denken „ich habe ja nichts zu verlieren“. Ich glaube, ich habe mich bisher in meinem Leben nicht getraut, so „all in“ zu gehen, weil ich eben immer eine Anstellung hatte, Geld reinkam, ich nebenbei ein bisschen freiberuflich gearbeitet habe, irgendwie immer so „low risk“, daher aber auch nicht so richtig getestet, wie es eigentlich wäre, halt mal wirklich was durchzuziehen. Im Nachhinein bereue ich da vieles, ohne es mir jetzt wirklich vorzuwerfen, denn ich denke schon, dass ich irgendwie immer meinen Weg gegangen bin. Und vielleicht bin ich gerade wirklich kurz davor, mein Café zu eröffnen. Vielleicht bin ich deshalb auch so wenig begeistert jetzt von der Idee, die nächsten sechs Monate damit zu verbringen, 40 Stunden pro Woche für eine Firma zu arbeiten, hinter der ich nicht so richtig stehe. Ich schreibe es deshalb so ausführlich auf, weil ich es auch mir selbst vor Augen halten will: quasi mit nichts in den Händen etwas Kreatives zu starten, zu schaffen, ist so viel einfacher, als wenn nebenbei Zeit, Energie, Muße und Kreativität für etwas anderes „draufgeht“.

Ich will unbedingt in den nächsten sechs Monaten weiterbacken! Das nehme ich mir fest vor.

Ihr merkt es vielleicht: 2025 hat viel mit mir gemacht. Da war die eine Woche im Krankenhaus Anfang März, die eine 10 cm lange Narbe auf meinem Bein hinterlassen hat. Da war die Entscheidung, keinen Alkohol mehr zu trinken, um wieder fit zu werden – und ich hab es einfach durchgezogen. Seit zehn Monaten trinke ich mittlerweile nichts. Und ich denke, es bleibt einfach dabei. Da waren zweimal Momente in meiner Beziehung, in denen ich sehr, sehr gezweifelt habe. Da war zeitgleich die sehr, sehr schmerzhafte Erkenntnis, dass ich finanziell von jemandem abhängig bin. Das wollte ich nie sein. Ich hab mich viel mit der Frage beschäftigt, wie alles wäre, wenn ich allein wäre, und ich habe panisch festgestellt, dass ich mir viele Möglichkeiten auch selbst genommen habe, indem ich mit jemandem und Kindern ins Ausland gezogen bin. Würde sich einer von uns trennen, könnten wir nicht einfach zurückgehen und die Kinder mitnehmen. Wir sind aneinander gebunden, voneinander abhängig. Das ist ja irgendwie nichts neues und auch erstmal nichts schlimmes: Menschen heiraten, bauen Häuser, kriegen Kinder. Ein Teil ist viellicht finanziell abhängiger, der andere Teil dafür vielleicht etwas mehr, was Zeit angeht. Ich möchte an der Stelle nicht weiter drauf eingehen, weil es für mich ein sehr schmerzhaftes Thema (und außerdem ja ein maximal privates) ist. Irgendwann habe ich mal drüber gelesen, dass eine Ehe quasi immer so verläuft, dass man sich auseinander lebt, um wieder näher zusammen zu kommen, irgendwie quasi spiralförmig, und ich kann das so gut auf dieses Jahr für uns anwenden. Einfach eine sehr realistische, unromantische Vorstellung: in guten wie in schlechten Zeiten, die gibt es halt wirklich, für alle, denke ich. Schlechte Zeiten sind für meine Beziehung zumindest nicht ein Zeichen, dass die Beziehung schlecht ist. Denn jetzt, zum Jahresende, sind wir uns näher als je zuvor, auch wenn man vorher schon dachte, näher geht nicht. Selbst nach Jahrzehnten in einer Beziehung kann man noch zusammenwachsen (und eben auch sehr, sehr leicht voneinander Abstand nehmen). Beziehung ist dynamisch, das ist mein Learning aus dem Jahr, und: auf schlechte Zeiten folgen gute.

So. Meine Güte. Das ist wieder lang geworden.

An der Stelle bleibt mir nicht mehr viel zu sagen. Wann ihr den nächsten Newsletter erhaltet, steht in den Sternen. Ich liebe es zu schreiben, das fällt mir zum Ende dieser Zeilen wieder auf. Den Anfang zu schaffen, war schwer, merkt ihr vielleicht beim Lesen. Ich werde ab Januar halt Vollzeit arbeiten und nebenbei mich auf das Backen konzentrieren. Vielleicht finde ich die Inspiration, hier immer wieder mal was zu verschicken oder auch einen Podcast aufzunehmen. Ich freue mich, wenn ihr Abonnent:innen bleibt!

Frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr!

Eure
Lea Lou

Wir hatten zwei wunderschöne Parties dieses Jahr bei uns zu Hause, eine im Juni und eine „Thanksgiving“-Feier Ende November. Mein Mann hat einen weihnachtlichen Drink erfunden, der allen fantastisch geschmeckt hat. Ich hab ihn auch einmal probiert, aber dann gepasst, weil Alkohol drin ist. Aber ich kann bestätigen: Er schmeckt wie Apple Pie, bloß eben als Getränk. Probiert ihn mal aus dieses Weihnachten!

Wir nennen ihn (nach dem Vornamen meines Mannes):

The Merry X-Max :)

Für ein Getränk:
25 ml Bourbon
3 Tropfen Angostura Orange Bitters
10 g Ahornsirup
40 ml naturtrüber Apfelsaft

Zubereitung:

Alle Zutaten mischen und mit einem Eiswürfel servieren.

“Wintering” (so der englische Originaltitel) habe ich vergangenen Monat gelesen, und es hat mir wahnsinnig gut gefallen. Katherine May’s Sprache ist ein bisschen wie Dessert, sie zergeht auf der Zunge. Ich habe Zitate aus dem Buch abfotografiert und bei uns zu Hause aufgehangen, ein bisschen wie eine Kunstausstellung. Es ist Balsam für das Gemüt, die Winter-Zitate tun zu lesen, sie bewirken auf wundersame Weise, den Winter als solchen anzunehmen. Ich liebe sowohl Katherine’s Sprache als auch die Idee hinter dem Buch und auch den Kapitelaufbau, der sich mit den Monaten Oktober bis März auseinander setzt. Ich konnte so viel mitnehmen aus dem Buch. Unbedingter Lesetipp für euch – und hier, als Galerie, eine kleine Leseprobe.

Statt Sachen, die wir zu Weihnachten haben wollen, kommt hier eine kleine, feine Quotensammlung, die ich im Laufe der letzten Monate abgespeichert habe. Vielleicht könnt ihr ja was draus mitnehmen für euren Jahresrückblick oder die Vorsätze für das neue Jahr.

Danke für’s Lesen, ich hoffe ich konnte euch mit meinen Inhalten auch in diesem Monat inspirieren. Feedback, Fragen zu Themen und Rezepten sowie Kooperationsanfragen nehme ich gerne entgegen via lea.luedemann@googlemail.com.

Bei Interesse an meiner Fotografie und an User Generated Content (UGC) besucht gerne meine Website www.lealuedemann.com. Ich freue mich über Aufträge!

Meinen Blog findet ihr unter www.lealou.me. Und dann gibt es ja noch das Kochbuch: “Happily Healthy” könnt ihr unter anderem hier kaufen!

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