Irgendwo zwischen „Was genau hat eigentlich Kamala Harris in den letzten Jahren so gemacht?“ und „Blöd, blöd, blöd. Blöhöhöd Blöd Blöd“-Sylter Ballermann High Society Singereien ist mir doch tatsächlich die Newsletter-Schreiberei durchgerutscht. Erstaunlicherweise hat niemand von Ihnen und Euch, geschätzte Leserschaft, das zum Anlass genommen, die Zusendung mittels Abmeldung endgültig zu stoppen, so dass ich davon ausgehen darf, dass hier noch immer jemand mitliest. Danke dafür, ich überlege dann jetzt mal laut, was so los war, in der schönen Oberlausitz. Ein Sommerloch-Zwischenruf sozusagen.
Viele Dinge sind beim Alten geblieben. Die Weltkreisstadt Görlitz baut weiter fleißig eine Stadthalle für 50 Millionen Euronen und weiß noch immer nicht so richtig, wofür eigentlich. Jene die früher mal da drin getanzt haben, sterben langsam aus, diese, die zukünftig mal da drin tanzen oder was auch immer sollen, haben eigentlich längst genug Örtlichkeiten zur Auswahl und während überall im Land die Großveranstalter pleite gehen und die großen Veranstaltungshäuser um die Zukunft bangen, weil nur noch die wenigsten bei Ticketpreisen von 70 Euro aufwärts sich mehr als einmal im halben Jahr ein Konzert leisten wollen oder können, kümmern solche Miesmacher-Fakten im Görlitzer Rathaus niemanden. Wahrscheinlich kommt dann ja Taylor Swift nach Görlitz, in Gelsenkirchen war sie ja auch und das ist schließlich nicht so schön wie Groß Görliwood. Man muss sich auch mal was trauen und nicht nur meckern! Nun ja.
In Zittau kocht derweil der Volkszorn hoch, weil am Rathaus einen ganzen Monat lang Regenbogen-Fahnen wehen (sic!). Dass aufgrund eines heftigen Starkregens im Weißbachtal Oberflächenwasser in eine der drei Trinkwasser-Leitungen der Stadt gelangte und so nahezu die ganze Innenstadt ihr Wasser abkochen musste, erregte da schon deutlich weniger die Gemüter. Nur die Kommunikation der Verschmutzung wurde von der Sächsischen Zeitung investigativ als mangelhaft ausgemacht. Ja das ging ja früher auch schneller! Und damals ist man noch mit Lautsprecherwagen! Und manche Facebooknutzerin forderte, dass man ja wohl eigentlich von Tür zu Tür gehen und klingeln und warnen müsse, denn schließlich haben ja ganz viele gar kein Facebook.
Positives gibt es auch zu berichten: am 28. Juni fand mit berechtigter Feierlichkeit und großem Tamtam der erste Spatenstich für den neuen Standort des Deutschen Luft- und Raumfahrtinstituts in Zittau statt. Der tolle Termin, der eine tolle Stärkung des Forschungs- und Wissenschaftsstandortes darstellt, sollte dann direkt zum Anlass genommen werden, mit den Zittauerinnen und Zittauern auf dem Markt ein Fest zu feiern. Mal den Leuten außerhalb der Wissenschaftsblase vorstellen, was das eigentlich alles mit ihnen und ihrem Leben zu tun hat, was die da in den Laboren machen. Die Umsetzung wurde dann leider weniger toll, denn die vom DLR mit Sitz in Berlin über eine Münchner Agentur bei uns durchgeführte Veranstaltung kam wie ein großes UFO daher, welches für ein paar Stunden auf dem Marktplatz landete und dann wieder verschwand. Noch am Vortag des großen Festes wusste in Zittau niemand, was eigentlich passieren würde. In der Stadt hingen seit ein paar Wochen mysteriöse schwarze Banner auf denen nichts anderes stand als “DLR_Science_Day”und ein Datum. Was das sollte, verstand niemand.
Dabei konnte sich das dann präsentierte durchaus sehen lassen. Selbst „Astro Alex“ Alexander Gerst kam nach Zittau und sprach am Nachmittag sogar vor in paar Leuten auf dem Marktplatz. Mit ein wenig Werbung im Vorfeld wäre der Platz sicher voller gewesen. Chance vertan. Ich glaube so schnell kommt nicht wieder jemand auf den Zittauer Marktplatz, spricht über die Gefahren des Menschgemachten Klimawandels und wird dafür nicht ausgelacht und als grüner Spinner abgetan sondern bekommt sogar Applaus.
Ach und dann waren natürlich auch noch Wahlen. Ich habe wirklich krass lange nichts geschrieben hier…sorry noch mal zwischendurch… also, die Kommunalwahl. Ich will gar nicht wirklich viel kommentieren oder werten. Das ist zur Genüge geschehen. Mich hat einfach.besonders erstaunt, dass niemand mit einer konstruktiven Idee für die Zukunft unserer Stadt und der Region nennenswert Stimmen gewonnen hat. Ich freue mich, dass wir mit Zittau kann mehr (ZKM) ungefähr das gleiche Ergebnis geholt haben wie vor fünf Jahren, aber bei weitem die meisten Stimmen gingen an Wählervereinigungen, die mit Themen warben, die in der kommunalen Ebene gar nicht entschieden werden oder die einfach plumpes Gegner-Bashing darstellten. Im August treten der neue Zittauer Stadtrat und der neue Kreistag des Landkreises Görlitz zu ihren ersten Sitzungen zusammen und dann werden wir alle sehen, wie gut oder schlecht es sich zukünftig politisch arbeiten lässt. Ich befürchte ein wenig, der Frust dürfte eher noch zunehmen.
So viel von meinem Sommerbalkon, über Politik können wir auch im September wieder reden, wenn wir dann erfahren, wer Sachsen zukünftig regiert und sicher auch, ob Kamala Harris im Rennen um die Biden-Nachfolge weiter im Rennen ist. Ich wünsche jetzt erst einmal allen einen wundervollen Sommer. Wir lesen uns spätestens im Herbst. Danke für’s dabei bleiben.
Selten gab es so viel Zeit für die Menschen unserer Stadt, von Zittau zu erzählen, so wie sie es sehen. Redakteurin Cornelia Schiemenz hat für das ZDF eine fünfteilige Dokumentation produziert, die, so möchte ich behaupten, Zittau zeigt, wie es gerade ist. 150 Minuten, die sich lohnen: Hart an der Grenze - Geschichten aus Zittau
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