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DOMRADIO.DE - Der gute Draht nach oben · Aug 20, 2026

Der verlorene Sohn kehrt zurück / Prinz Harry und die Parallelen zu einem der wichtigsten Bibeltexte

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Prinz Harry kehrt nach England zurück. Diese Nachricht elektrisiert nicht nur die Kritiker und Anhänger der britischen Royals. Bibelkundigen klingeln die Ohren. War da nicht was mit einem verlorenen Sohn?

Es ist einer der bekanntesten – und wichtigsten – Texte des Neuen Testaments. Der Bochumer Bibelwissenschaftler Thomas Söding nennt die Geschichte nichts weniger als ein "Weltkulturerbe" und ein "literarisches Meisterwerk".

Nur im Lukas-Evangelium

Nur im Lukas-Evangelium erzählt Jesus in einem Gleichnis die Story, wie sich der jüngere zweier Brüder von seinem Vater auszahlen lässt, um in der Ferne sein Glück zu suchen. Und nachdem er gescheitert ist, wieder nach Hause kommt. Wo ihn sein Vater mit offenen Armen empfängt und damit seinen älteren Sohn gegen sich aufbringt.

Die Familienkonstellation bei den Windsors ist ähnlich vertrackt. Was auch mit den Frauen des Vaters und der beiden Söhne zusammenhängt, die, so denn vorhanden, in dem biblischen Gleichnis gar keine Rolle spielen.

Vor sechs Jahren in die USA

Harry und Meghan gingen vor sechs Jahren in die USA und haben sich ein neues Leben in Kalifornien aufgebaut. Der Prinz veröffentlichte mit einem Ghostwriter ein Buch, Meghan versuchte ihre Schauspielkarriere mit Lifestyle beim Streaminganbieter Netflix fortzusetzen.

Sind sie gescheitert, pleite gar? Man weiß es nicht. Möglicherweise ist Harry aber "in sich gegangen" wie der verlorene Sohn im Evangelium, um ein neues Kapitel in seiner schwierigen Familiengeschichte aufzuschlagen.

Charles vermisst seine Enkel

Das Klima zwischen den beiden und dem britischen Königshaus war zwischenzeitlich merklich abgekühlt. Seit knapp einem Jahr ist eine behutsame Wiederannäherung zu beobachten. Es heißt, König Charles III. vermisse seine Enkelkinder Archie und Lilibet, sei aber auch erst am Sonntag über die Rückkehr informiert worden. Also auch hier ein Überraschungsmoment.

In der Bibelerzählung verdingt sich der ausgebüxte jüngere Sohn im Ausland zuletzt als Schweinehirt, um sein Dasein zu fristen. Er hungert und beneidet die Tiere um die Schoten, die sie zu fressen im Trog vorfinden. Und denkt dabei daran, um wie vieles besser es den Tagelöhnern bei seinem Vater geht. Er fasst einen Plan: Wenn er wieder daheim ist, will er sich vor ihm in den Staub werfen und bitten, wenn schon nicht mehr als Sohn, so doch wenigstens als Gelegenheitsjobber behandelt zu werden.

Zwei Familiendramen – Ausgang offen

Tatsächlich haben Harry und Meghan inzwischen eine Bleibe außerhalb Londons gefunden. Sie werden also nicht in einem Haus wohnen, das den Royals gehört. Ob es zur vollständigen Versöhnung mit der Familie kommt, muss offen bleiben. Was haben sie vor? Man weiß es nicht.

Das ist aber auch in der Bibelstory so. Zwar durchkreuzt der Vater die Idee des unterwürfigen, reumütigen Rückkehrers und richtet zu seinen Ehren ein großes Fest aus. Das ruft jedoch seinen älteren Bruder auf den Plan, der sich heftig beschwert.

In der Volxbibel, einer in Populärsprache abgefassten Übertragung, hört sich das so an: "Mann, Vater! Wie viele Jahre arbeite ich jetzt schon für dich? Ich hab geschuftet wie ein Blödmann, so als würde ich dafür ein fettes Gehalt bekommen. In der ganzen Zeit hab ich nicht ein einziges Mal etwas getan, was du nicht wolltest. Aber von dir kamen nicht einmal auch nur ein paar Würstchen rüber, damit ich mit meinen Freunden mal einen schönen Grillabend hätte machen können."

Wie verhält sich Thronfolger William?

Und was macht sein Vater? Er lädt ihn ein, sich mit ihm über den Rückkehrer zu freuen. Ob der Bruder sich dazu auch bewegen lässt, erzählt Jesus nicht. Was Prinz William wirklich denkt, weiß man genauso wenig. Er hält sich generell mit öffentlichen Kommentaren zu seinem Bruder zurück.

Warum aber erzählt Jesus das Gleichnis? Weil er "mit den Sündern isst", wird er kritisch beäugt von den Pharisäern und Schriftgelehrten, so wie es die britische Boulevardpresse mit den Windsors tut.

Der barmherzige Vater

In der christlichen Religionspädagogik hat sich der Fokus auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn auf den barmherzigen Vater verschoben, der ihn schon von weitem sieht, ihm entgegenläuft, ihn umarmt und küsst. Könnte auch gut sein, dass die Geschichte des verlorenen Harry noch viel mehr zu einer Geschichte von König Charles wird.

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