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Impact-Newsletter · Apr 9, 2026

Nach dem TACO Tuesday: Erneuerbare sind unsere Lebensversicherung

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Stephan Dörner · Impact-Newsletter

US-Präsident Donald Trump, Spitzname „TACO“ (Trump Always Chickens Out), hat es wieder getan: Nach einem Krieg, der die USA über 25 Milliarden Dollar und zahlreiche Zivilist*innen im Iran das Leben kostete, scheint er sich jetzt auf einen Deal einzulassen, der das Mullah-Regime in jeder Hinsicht besser stellt als vor dem Krieg und erst recht als vor dem JCPOA-Abkommen von 2015, das Trump 2018 aufgekündigt hatte.

Der Iran konnte durchsetzen, dass sein 10-Punkte-Plan zur Grundlage der Verhandlungen wird, die Kontrolle der Straße von Hormuz bleibt beim Iran und es sieht danach aus, dass sogar Sanktionen gelockert werden. Die kurz vor Trumps Rückzieher ausgestoßene Drohung, eine „ganze Zivilisation” töten zu wollen, dürfte der Mullah-Regierung bestes Propagandamaterial liefern, um sich durch die Bedrohung von außen weiter innenpolitisch zu stabilisieren. Militärisch sind die USA vor den Augen der Weltöffentlichkeit blamiert – von einer Mittelmacht.

Nun soll aber dieser Newsletter sein Versprechen gegen das Doomscrolling auch in dieser Nachrichtenlage einlösen – weshalb wir nun zu den Lichtblicken dieser Entwicklung kommen.

Trump als unfreiwilliger Beschleuniger der Energiewende

Trump hat durch den Krieg und den dadurch steigenden Ölpreis unfreiwillig die weltweite Energiewende vorangetrieben. Besonders konsequent gehen die Briten vor: In neuen Wohngebäuden im englischen Teil des Königreichs werden Solaranlagen und Wärmepumpen künftig Pflicht. Durch die erneute Öl- und Gaskrise – ausgelöst durch die Blockade der Straße von Hormuz – wurde der gesamten Welt noch einmal drastisch vor Augen geführt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien und die dafür passenden Stromsysteme mit einem Ausbau und der Digitalisierung der Netzinfrastruktur nicht nur eine Frage des Klimaschutzes sind, sondern eine geostrategische Lebensversicherung in unsicheren Zeiten.

Global dominiert Solarstrom das Energiewachstum und übertrifft mittlerweile alle anderen Stromquellen beim Ausbau, da sinkende Kosten und technologische Fortschritte die Photovoltaik zur günstigsten und am schnellsten skalierbaren Lösung für die weltweite Dekarbonisierung machen.

Treffend bringt es der ehemalige CDU-Generalsekretär Ruprecht Polenz bei BlueSky auf den Punkt: „Der Starke nimmt sich, was er kann, der Schwache leidet, was er muss. In dieser Welt des 21. Jahrhunderts wird die Abhängigkeit von Öl und Gas zum nicht länger tragbaren Sicherheitsrisiko. Deshalb muss Deutschland jetzt massiv in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren.“

Deutschlands massiver Ausbau der Solarenergie dämpfte im März 2026 die Strompreise während der Mittagsstunden und wirkt so als wichtiger Puffer gegen die durch Konflikte im Nahen Osten drastisch gestiegenen globalen Erdgaspreise. Zuletzt wurde Anfang April (!) ein neuer Rekord für Strom aus PV-Anlagen in Deutschland gebrochen.

Noch besser stand Spanien da, das seine Stromversorgung noch konsequenter auf Energie aus PV-Anlagen umgestellt hat. Die beiden Länder stehen in Europa nicht allein: Schon 2025 erzeugten Solar- und Windenergie mehr Strom in der EU als fossile Brennstoffe wie Gas, Öl und Kohle. Und in Deutschland wurden zuletzt erstmals mehr reine E-Autos als Benziner verkauft.

Grafik: Our World in Data

Selbst die Tatsache, dass die USA unter der Führung von Trump unzurechnungsfähig geostrategisch dauerirrlichtert, hat eine positive Seite: Die Europäische Union findet zu mehr Einigkeit zurück, strebt mehr Souveränität an – und der Rest der freien Welt rückt näher an Europa. Inzwischen befürwortet eine Mehrheit der Kanadier*innen einen Beitritt zur EU. Insgesamt ist eine Mitgliedschaft in der EU seit Trumps erratischer Angriffsdrohungen, selbst gegen Bündnispartner, attraktiver geworden – auch für reichere Länder. So wächst beispielsweise in Norwegen und Island das Interesse an einer Mitgliedschaft.

Die EU und Australien haben unterdessen ihre Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen beschleunigt, um sich gegen die wachsenden Risiken eines globalen Handelskrieges und möglicher neuer Zölle unter dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump abzusichern.

Europa nimmt Industriepolitik und digitale Souveränität endlich ernst

Ein neuer „Industrial Accelerator Act“ (IAA) der EU soll durch gezielte „Made in Europe“-Quoten und Anforderungen für emissionsarme Produkte die heimische grüne Industrie stärken, die Abhängigkeit von China verringern und die Klimaziele mit wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit verbinden. „Europa hat die Bedeutung von Industriepolitik erkannt. Die Ansätze erinnern an Chinas Modell und müssten viel umfangreicher umgesetzt werden“, schreibt Golem-Autor Johannes Hiltscher in einem Kommentar.

Auch bei der digitalen Souveränität Europas geht es voran: Die Bundesregierung hat kürzlich eine umfassende Open-Source-Strategie verabschiedet, die quelloffene Software künftig zum Standard in der öffentlichen Verwaltung macht, um digitale Souveränität zu sichern und die Abhängigkeit von einzelnen IT-Großkonzernen drastisch zu reduzieren. Die Document Foundation begrüßt die Entscheidung der Bundesregierung, das offene Dokumentformat ODF als verbindlichen Standard im „Deutschland-Stack“ festzuschreiben, und fordert andere europäische Regierungen auf, diesem Beispiel zu folgen, um digitale Souveränität und Interoperabilität in der öffentlichen Verwaltung zu sichern.

Unterdessen hat Amsterdam angekündigt, die Software bis 2035 vollständig zu Open Source und europäisch kontrollierten Systemen zu migrieren – inklusive Etappenzielen, Budgets und klaren Verantwortlichkeiten.

Was sollten wir wissen?

  • Deutschland hat mit dem Überschreiten einer installierten Offshore-Windleistung von 10.000 Megawatt einen historischen Meilenstein erreicht und treibt damit die Transformation der Nordsee zum zentralen, grenzüberschreitenden Energiehub für eine klimafreundliche europäische Stromversorgung voran. (IWR)

  • BMW stellt sein Stammwerk in München bis Ende 2027 komplett auf die Produktion von Elektroautos um und investiert dafür rund 650 Millionen Euro in eine hochautomatisierte Fertigung mit KI-gestützter Qualitätskontrolle und Robotik. (Interesting Engineering, Englisch)

  • Münch Energie hat in Sachsen-Anhalt den derzeit größten zusammenhängenden Batteriespeicherverbund Deutschlands mit einer Kapazität von 500 Megawattstunden in Betrieb genommen, der noch im Laufe des Jahres 2026 auf 800 Megawattstunden erweitert werden soll. (pv magazine)

  • Im Gewerbepark Hamburg-Nord wurde der mit einer Kapazität von fünf Megawattstunden bislang größte Batteriespeicher der Hansestadt in Betrieb genommen, um überschüssigen Ökostrom aus Wind und Sonne zwischenzuspeichern und die dezentrale Energiewende im industriellen Umfeld voranzutreiben. (NDR)

  • Zuletzt hatten Batteriespeicher in Deutschland mit einem Anteil von 44 Prozent an der Deckung der abendlichen Stromnachfrage einen neuen Rekordwert erreicht und damit ihre entscheidende Rolle für die Stabilität des erneuerbaren Energiesystems unter Beweis gestellt. (Renew Economy, Englisch)

  • Batterieelektrische LKW überholen Gas-LKW in Deutschland. Wasserstoff spielt im Schwerverkehr weiterhin keine Rolle. (Grafik von Dataforce via Reddit)

  • In Cornwall ist das erste tiefe Geothermiekraftwerk Großbritanniens in Betrieb gegangen, das durch Bohrungen in fünf Kilometer Tiefe die Hitze des Granitgesteins nutzt, um künftig rund 10.000 Haushalte mit erneuerbarem Strom zu versorgen. (BBC, Englisch)

  • Die EU-Arzneimittelbehörde EMA hat die Zulassung für einen Kombinationsimpfstoff von Moderna gegen Grippe und Corona empfohlen, der durch die gleichzeitige Immunisierung den Impfschutz vereinfachen und die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöhen soll. (DER SPIEGEL, Paywall)

  • Google plant am Standort eines ehemaligen Kohlekraftwerks in Minnesota den Bau der weltweit größten Eisen-Luft-Batterie, die mit einer Kapazität von 30 Gigawattstunden und einer Entladedauer von 100 Stunden die kontinuierliche Versorgung seines dortigen Rechenzentrums mit erneuerbarer Energie sicherstellen soll. (ESS News, Englisch)

  • Das vom ehemaligen Tesla-Manager Drew Baglino gegründete Startup Heron Power hat 140 Millionen Dollar Risikokapital erhalten, um die Serienproduktion seiner neuartigen Halbleiter-Transformatoren hochzufahren, die als effizientere und kompaktere Alternative zur herkömmlichen Netztechnik den steigenden Strombedarf von Rechenzentren und erneuerbaren Energien decken sollen. (TechCrunch, Englisch)

  • Eurosky ist eine europäische Initiative zum Aufbau einer souveränen digitalen Infrastruktur für soziale Medien, die auf dem dezentralen AT-Protokoll basiert und Nutzern durch lokales Hosting sowie europäische Governance mehr Kontrolle über ihre Daten und Identität abseits der großen US-Tech-Konzerne ermöglicht. Nutzer*innen eines BlueSky-Accounts können diesen einfach auf dieser Seite zu Eurosky migrieren.

  • In der Donau wurde das weltweit erste kommerzielle Schwarmkraftwerk in Betrieb genommen, bei dem unter der Wasseroberfläche installierte „Energyfish“-Turbinen die Strömungsenergie nutzen, um rund um die Uhr grundlastfähigen Ökostrom zu erzeugen, ohne dabei die Ökologie des Flusses oder die Schifffahrt zu beeinträchtigen. (SWR Landesschau Rheinland-Pfalz bei YouTube via dieterjosef.bsky.social)

  • Die Volkswagen Group hat ihren ersten Batteriespeicher im Industriemaßstab in Betrieb genommen und tritt damit offiziell in den Energiehandel ein, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen und die Wirtschaftlichkeit ihrer Elektrostrategie durch die Vermarktung von Speicherkapazitäten zu steigern. (ecomento)

  • Das CERN, die Europäische Organisation für Kernforschung, wird künftig die technische Infrastruktur für „Open Research Europe“ (ORE) bereitstellen. Das ist eine von der EU und nationalen Forschungsförderern getragene Open-Access-Plattform, die durch ein kostenloses, gemeinschaftsbasiertes Publikationsmodell die Transparenz und den freien Zugang zu öffentlich finanzierter Forschung in Europa stärken soll. (CERN, Englisch)

Wie wollen wir leben?

  • Importabhängigkeit bei Proteinen macht Europa verwundbar. Die Debatte um Bezeichnungsverbote für pflanzliche Alternativprodukte zeigt, wie sich Europa in Sachen Ernährungssouveränität selbst im Weg steht, schreibt der Biologe und Buchautor Martin Reich in einem Gastkommentar bei Table.Media.

  • Südkorea hat eine neue Regelung eingeführt, die die Installation von Solaranlagen auf großen öffentlichen Parkplätzen gesetzlich vorschreibt, um die Nutzung erneuerbarer Energien in urbanen Räumen massiv auszuweiten. (Reuters Connect, Englisch)

  • In einer Stellungnahme befürwortet der Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss eine “Battery Booster”-Strategie, die durch Investitionen, Rohstoffsicherung und Kreislaufwirtschaft die europäische Batteriewertschöpfungskette stärken soll, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern und die Wettbewerbsfähigkeit der EU bei der grünen Transformation zu sichern. (European Economic and Social Committee, Englisch)

  • Kalifornien verzeichnet echte Fortschritte bei der Bekämpfung der Obdachlosigkeit: Alameda County konnte zum ersten Mal seit über zehn Jahren einen Rückgang der Obdachlosigkeit verzeichnen – die Zahl der obdachlosen Menschen ohne Unterkunft ist um 11 % gesunken. (Governor Newsom Press Office bei BlueSky)

  • Seit dem 1. April 2026 müssen große Händler in Österreich sichtbar darauf hinweisen, wenn ein Produkt bei gleicher Packungsgröße weniger Inhalt hat. (flux news)

Wo gibt es Fortschritte?

  • Die Geburt eines gesunden Sumatra-Nashornkalbs in einem indonesischen Schutzgebiet gibt neue Hoffnung für das Überleben dieser extrem bedrohten Art, von der weltweit nur noch weniger als 50 Exemplare existieren. (Spektrum der Wissenschaft, Paywall)

  • Forscher der Stanford University haben eine neuartige Impfstoff-Formel entwickelt, die in Versuchen mit Mäusen durch eine einfache nasale Verabreichung einen breiten und langanhaltenden Schutz gegen eine Vielzahl von Atemwegsviren, Bakterien und sogar Allergene bietet. (Stanford Medicine, Englisch)

  • Der neue BMW i3 soll mit seiner modernen 800-Volt-Architektur, einer Reichweite von bis zu 900 Kilometern und extrem kurzen Ladezeiten eine neue Ära der Elektromobilität im Premiumsegment einläuten. (Nau.ch)

  • Die FLASH-Strahlentherapie ist ein bahnbrechender Ansatz in der Onkologie, bei dem extrem hohe Strahlendosen in Sekundenbruchteilen verabreicht werden, um Tumorzellen effektiv zu bekämpfen und gleichzeitig das umliegende gesunde Gewebe zu schonen. (IEEE Spectrum)

  • Forschende haben ein Recycling-Verfahren entwickelt, um Kunststoffmüll mithilfe von Sonnenlicht zu einem Rohstoff für die chemische Industrie umzuwandeln. (Heise Online via dieterjosef.bsky.social)

  • ESA und Airbus haben erstmals eine Laser-Datenverbindung mit Gigabit-Geschwindigkeit zwischen einem fliegenden Flugzeug und einem geostationären Satelliten in 36.000 Kilometern Höhe aufgebaut. Das könnte einen möglichen Weg für extrem schnelle und sichere Internetverbindungen in der Luftfahrt ebnen. (ESA, Englisch)

  • Eine neue H2-Eisen-Batterietechnologie verspricht, die Kosten für die Langzeitspeicherung von erneuerbarem Strom auf wenige Cent pro Kilowattstunde zu senken, indem sie auf kostengünstige und reichlich vorhandene Materialien setzt. (Golem)

  • Eine Frau, bei der bereits im Alter von zwei Monaten Sichelzellkrankheit diagnostiziert wurde, erlebte nach einer erfolgreichen Genbehandlung zum ersten Mal in ihrem Leben einen Morgen ohne chronische Schmerzen. (People, Englisch)

  • Hawaii mischt Plastikmüll und alte Fischernetze in den Asphalt und prüft die Mikroplastik-Risiken. In Deutschland verbaut unser Kunde Ecopals ähnlichen Recycling-Asphalt auf der A7. (Focus)

  • Siemens Mobility und der Leasinganbieter Akiem haben eine Rahmenvereinbarung über bis zu 80 Vectron-Lokomotiven unterzeichnet, die erstmals eine rein batterieelektrische Dual-Mode-Variante einführt, um einen CO2-freien Betrieb auch auf nicht elektrifizierten Streckenabschnitten zu ermöglichen. (Siemens)

  • Forschende haben die theoretische Effizienzgrenze für herkömmliche Silizium-Solarzellen durchbrochen, indem sie eine neuartige Schicht aus organischen Molekülen nutzten, die hochenergetische Photonen in zwei energieärmere Teilchen aufspaltet und so deutlich mehr Strom aus dem Sonnenlicht gewinnt. (SciTechDaily, Englisch)

  • Forschende aus China haben ein neuartiges flüssiges Elektrolyt entwickelt, das die Energiedichte von Lithium-Batterien auf das Niveau von Feststoffzellen hebt und Elektroautos selbst bei extremen Minustemperaturen von bis zu -70 °C eine verdoppelte Reichweite von über 1.000 Kilometern ermöglichen könnte. (Interesting Engineering, Englisch)

  • Eine vielversprechende Gentherapie hat in einer klinischen Studie bei Patienten mit einer spezifischen genetischen Mutation das Gehör innerhalb weniger Wochen durch eine einzige Injektion erfolgreich wiederhergestellt. (ScienceDaily, Englisch)

  • Forscher*innen haben aus Musketen-Kugeln aus dem 16. oder 17. Jahrhundert eine für die Herstellung von Perowskit-Solarzellen kritische Komponente gewonnen: Bleiiodid. Mit der neuen Methode könnten alte Bleiabfälle künftig sinnvoll recycelt werden. (t3n)

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