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taste! by Britta Wiegelmann · Jul 21, 2026

Die richtige Temperatur

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Wenige Grad machen oft den Unterschied zwischen top oder Flop.

Warum ist die Serviertemperatur wichtig?
Sollte Wein nicht bei jeder Temperatur gleich schmecken? Ganz und gar nicht. Die Serviertemperatur hat enormen Einfluss darauf, wie sich ein Tropfen präsentiert. Kälte betont Säure und Tannin im Wein, Wärme hingegen bringt Süsse, Schmelz und Frucht zum Vorschein. In der Praxis heisst das: Wer die lebhafte Säure eines Chasselas oder die Frische eines jungen Dôle zur Geltung bringen wollen, wähle eine eher kühle Temperatur. Die Samtigkeit eines süditalienischen Primitivo oder das kernige Tannin eines grossen Bordeaux hingegen verträgt gerne ein paar Grad mehr.

Wie warm ist Zimmertemperatur?
Rotwein, so heisst es im Allgemeinen, entfalte sich am besten bei Zimmertemperatur. Der Haken an der Sache: Die Regel stammt aus einer Zeit, als der Adel in zugigen Schlössern ohne Zentralheizung lebte. Die heutige Zimmertemperatur von 21 Grad ist für jeden Wein zu hoch. Diesen Merksatz streicht man also am besten komplett aus dem Kopf.

Wie messe ich die Weintemperatur?
Dafür gibt es spezielle Thermometer, die man entweder in die Flasche steckt oder wie eine Manschette darumlegt. Ein ganz normales Küchenthermometer gibt aber genauso gut Aufschluss.

Darf ich Rotwein im Sommer auf Eis legen?
Das ist sogar eine hervorragende Idee. Beim Picknick mit 32 Grad wirkt ein Kühler voller Eis wahre Wunder. Der Wein kommt dann zwar streng genommen ein bisschen zu kühl ins Glas, doch das erledigt sich bei den erwähnten Aussentemperaturen in Minutenschnelle von alleine. Also: nur keine Hemmungen!

Darf ich Eiswürfel in meinen Wein geben?
Bitte nicht. Erklärt sich von selber, oder? Eis schmilzt zu Wasser, und Wasser verdünnt den Wein.

Wie unterscheiden sich Servier- und Lagertemperatur?
Die ideale Serviertemperatur ist so gewählt, dass sich der Wein beim Genuss im besten Licht zeigt. Die Lagertemperatur soll ihn hingegen möglichst lange konservieren. Das gelingt am besten bei 12 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Ein paar Grad mehr sind auch kein Drama, viel mehr schaden ihm starke Temperaturschwankungen. Der Wein altert dann deutlich schneller. Bei Lagerweinen wie Bordeaux oder Barolo lohnt es sich daher, auf eine konstante Temperatur zu achten.

Bei welcher Temperatur sollte ich angebrochene Flaschen aufbewahren?
Angebrochene Flaschen gehören immer in den Kühlschrank – das gilt für Rot und Weiss. Denn sobald der Wein in Kontakt mit Sauerstoff gekommen ist, droht ihm die Oxidation, und die wird durch Kälte verlangsamt. Also Stopfen drauf und ab in die Kälte mit den Resten. Rotwein nimmt man einfach am nächsten Tag eine halbe Stunde vor dem Genuss wieder heraus.

Kann ich eine Champagnerflasche auf die Schnelle im Tiefkühler runterkühlen?
Absolut!

Serviertemperaturen konkret

Schaumwein allgemein
6 bis 8 Grad

Champagner
10 bis 12 Grad

Leichte Weissweine
(Chasselas, Pinot grigio, Sauvignon blanc…)
9 bis 11 Grad

Körperreiche Weissweine
(Weisse Bordeaux, Burgunder oder Rioja…)
12 bis 14 Grad

Leichte Rotweine
(Dôle, Beaujolais, rote Burgunder…)
14 bis 15 Grad

Körperreiche Rotweine
(Bordeaux, Barolo, Rioja, Primitivo, Amarone…)
16 bis 18 Grad

Süsswein
Kühlschrankkalt und auf keinen Fall aus dem Sideboard serviert!

Dieser Artikel erscheint mit freundlichem Einverständnis der Coopzeitung, wo ich wöchentlich über Wein schreibe. Zum kostenlosen Abo geht’s hier.

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