Spaziert man zur Zeit durch die Siedlungen im Wienerwald, hört man regelmäßig das Brummen der Rasenmäher und Laubbläser. Viele Gartenbesitzer (meist Männer, deshalb auch nicht gegendert) nutzen die letzten schönen Tage, um ihrem Rasen noch den letzten Schliff (meist so kurz gemäht, dass Schnitt eigentlich nicht mehr passt) zu verpassen. Das Laub wird mit Laubbläsern entfernt oder zumindest mit normalen Rechen zusammengesammelt, um es dann mit dem Auto zum nächsten Bauhof zu fahren und dort zu entsorgen.
Tut man das als Gartenbesitzer nicht, braucht es oft viel Stehvermögen gegenüber der Nachbarschaft, weil es in unserer Gesellschaft noch immer “so üblich ist”, dass man seinen Garten schön sauber hält, da darf nichts herumliegen!
Dafür spricht, dass man sich keinen Diskussionen stellen muss, warum der eigene Garten so schlampig aussieht. Der Wettbewerb des ordentlichen Gartens in der Umgebung kann auch nach der Sommersaison weitergehen, um den Nachbar:innen zu imponieren, die man vielleicht eh gar nicht so sympathisch findet und dabei Zeit und Geld investiert, das man auch anders verwenden könnte!
Dagegen sprechen sehr viele Argumente: Der Garten ist nicht nur das verlängerte Wohnzimmer von Herrn und Frau Österreicher, sondern auch Lebensraum für viele Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen, die unseren Garten gesund halten können, wenn man sie nur lässt.
Das bedeutet aber auch, dass man ihnen ein entsprechendes Wohnumfeld zugestehen sollte, wie zum Beispiel Hecken mit heimischen Sträuchern (Thujen oder Kirschlorbeer sind alles andere als lebenswerte Naturräume für unsere Mitbewohner), Versteck- und Unterschlupfmöglichkeiten durch Laub-, Ast oder Steinhaufen oder im Herbst nicht mehr gemähte Bereiche, wo auch Insekten in Pflanzenstengel ihr Winterquartier beziehen können.
Auch der Igel, der - Mensch sei Dank - mittlerweile als vom Aussterben bedroht gilt und eigentlich einen großen Nutzen für alle Gartenbesitzer:innen darstellt, wäre froh, wenn er unter einem Laubhaufen ungestört seinen Winterschlaf halten könnte.
Die aus meiner Sicht einfachste und für einen gesunden Garten beste Methode, ist die “3-L Methode”: Laub liegen lassen ;-)
Das liegen gelassene Laub schützt den Boden vor Kälte, bietet vielen kleinen Organismen, wie Spinnen, Insekten oder Asseln Unterschlupf und liefert den Bodentieren, wie zum Beispiel dem Regenwurm, auch über den Winter hindurch flächendeckend Nahrung. Diese bauen sie dann weiter ab, um Nährstoffe für andere Organismen wieder verfügbar zu machen und somit das gesamte Leben im Boden zu stabilisieren, das nicht zuletzt durch die Kohlenstoff- und Wasserspeicherung einen wichtigen Beitrag gegen die Auswirkungen der Klimaerhitzung leisten.
Der zusätzliche persönliche Vorteil ist, dass sich das natürlich auch im nächsten Jahr positiv auf die im Garten vorkommenden Tiere und Pflanzen und die für den eigenen Gemüseanbau wichtige Bodenfruchtbarkeit auswirkt. Und durch die gesparte Zeit und das Geld, das man nicht für und hinter dem Rasenmäher oder Laubbläser verbringt, kann man sich anderen Sachen widmen, die einem vielleicht mehr Spaß machen.
Eigentlich wollte ich zu diesem Thema einen ausführlicheren Blog schreiben. Nachdem es aber von anderen Organisationen sehr viel gute Infoseiten und Angebote gibt, brauche ich hier nicht das Gleiche im Detail selbst auszuführen (frei nach dem Motto: “Vieles wurde schon gesagt, nur nicht von mir!”). Deshalb zum Abschluss ein paar Links, die sicher hilfreich sind, wenn man sich weiter informieren möchte:
Der Biosphärenpark Wienerwald hat gerade eine Zeitung zum Thema Biodiversität im Garten herausgebracht.
Ein Artikel des Naturschutzbund Deutschland zum Thema Laub im Garten
Wie mache ich meinen Garten igelfit? Auch vom Naturschutzbund Deutschland
Was ist Eure Meinung dazu, habt Ihr dazu noch Fragen? Freue mich über Eure Kommentare, Ideen und Gedanken!
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