RSS Amplifier

Zukunftsforum Wienerwald · Jun 30, 2026

Den Schwächsten durch die Hitze helfen

0
Sign in to vote or save

This page did not load. You can still read it on the original site — the toolbar below keeps your place in the directory.

In jeder Gemeinde gibt es Bevölkerungsgruppen, die unter der Hitze besonders leiden und gesundheitlich gefährdet sind. Warum das so ist und was wir tun können, möchte ich hier kurz zusammenfassen.

In Zeiten extremer Hitze können ein Rastplatz im kühlen Schatten eines Baumes und eine Flasche Trinkwasser Wunder wirken!

Hintergrund

Auch in Europa treten Hitzewellen immer häufiger, intensiver und länger auf1:

  • Seit 1980 sind 95 % aller klimabedingten Todesfälle auf Hitze zurückzuführen. Sie stellt damit die tödlichste klimabedingte Gefahr in Europa dar.

  • Im Jahr 2022 starben auf dem Kontinent zwischen 60.000 und 70.000 Menschen an den Folgen von Hitze.

In Wien gab es vor 1990 rund zehn Tage im Jahr mit über 30°C, mittlerweile müssen wir mit dem Dreifachen an Hitzetagen leben.

Danke fürs Lesen von Zukunftsforum Wienerwald! Abonnieren Sie kostenlos, um neue Posts zu erhalten und meine Arbeit zu unterstützen.

Tropennächte, das sind Nächte, in denen sich die Temperaturen nicht unter 20° C abkühlen, kamen ebenfalls vor den 1990ern in etwa ein bis zwei mal im Jahr vor, mittlerweile sind es 40 Tropennächte pro Jahr in Wien.

2024 war das bisher heißeste Jahr in der Messgeschichte und verursachte rund 63.000 Tote in Europa durch Hitze, in Österreich wurden rund 1.100 Todesfälle dieser Situation zugerechnet (mit 52 Hitzetagen in Wien).

Ebenso wurde erhöhtes Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen, Dehydrierungen, Nierenproblemen, Depressionen und Suiziden in Zeiten extremer Hitze festgestellt.2

Eine neue Analyse der Europäischen Umweltagentur (EEA) bestätigt, dass Hitzewellen von allen befragten europäischen Ländern als die gefährlichste zukünftige Bedrohung eingestuft werden – noch vor Überschwemmungen, Dürre und Starkregen.

Ohne Anpassungsmaßnahmen und angesichts der erwarteten demografischen Veränderungen (Alterung unserer Bevölkerung) wird die hitzebedingte Sterblichkeit in der EU voraussichtlich bei einer globalen Erwärmung von 1,5 °C um das Zehnfache und bei 3 °C um mehr als das 30-Fache ansteigen.3

Der Schutz vor der Hitze

68 % der EU-Bürger:innen besitzen keine Klimaanlage oder Lüftungsanlage zu Hause, und mehr als jeder Dritte gibt an, sich diese nicht leisten zu können.

Mieter, Menschen mit geringem Einkommen und Menschen mit schlechterer Gesundheit und Vorerkrankungen sowie Kleinkinder, ältere Menschen und schwangere Frauen sind systematisch am wenigsten geschützt und am stärksten von Hitze betroffen.

Technische Kühlung allein kann dieses Problem nicht lösen – insbesondere nicht für diejenigen, die es sich nicht leisten können.

Naturbasierte Lösungen”, darunter grüne Infrastruktur zur Reduzierung des städtischen Wärmeinseleffekts, müssen europaweit ausgebaut werden. Stadtbäume, Parks, Gründächer und renaturierte Grünkorridore können die gefühlten Temperaturen deutlich senken und gehören zu den kosteneffektivsten verfügbaren Maßnahmen. Fallstudien in Städten belegen kühlende Effekte von bis zu 4 °C durch gut platzierte grüne Infrastruktur sowie positive Nebeneffekte für die Biodiversität, die Luftqualität und die Hochwasserresilienz.

Neben den gesundheitlichen Folgen haben Hitzewellen auch enorme wirtschaftliche und infrastrukturelle Auswirkungen. Sie verringern die Produktivität von Arbeitnehmer:innen, insbesondere im Freien und in nicht klimatisierten Umgebungen, da hohe Temperaturen die körperliche Leistungsfähigkeit und die kognitiven Funktionen beeinträchtigen.

Hitzewellen verursachen in Europa bereits Kosten in Höhe von bis zu 0,5 % des jährlichen BIP. Prognosen zufolge könnten diese Kosten in den am stärksten betroffenen südlichen Ländern bis 2060 auf über 3 % steigen. Zudem kann extreme Hitze die Verkehrsinfrastruktur – wie Eisenbahnen und Straßen – beschädigen und die Energiesysteme durch den erhöhten Kühlbedarf belasten4, so wie wir es auch in den letzten Tagen in den Medien wieder gehört haben.

Der neue Klimaresilienzbericht der EEA zeigt jedoch auch, dass die Umsetzung notwendiger Maßnahmen weiterhin durch aufgeteilte Verwaltungsebenen, unklare Zuständigkeiten und unzureichende Finanzierung behindert wird.

Die Kluft zwischen den Notwendigkeiten und dem tatsächlichen Handeln ist derzeit noch viel zu groß und muss geschlossen werden, bevor die nächste Hitzewelle die Herausforderung noch verschärft. Wie der Mai dieses Jahres gezeigt hat, warten Hitzewellen nicht mehr auf den Sommerbeginn und starten immer früher.

Was ist zu tun?

In Österreich gibt es bereits einen Nationalen Hitzeschutzplan, der jedoch gerade bei naturnahen Schutzmaßnahmen noch wenig Informationen beinhaltet.

Die Informationsseite des Landes Niederösterreich zu “Klima und Hitze” beinhaltet auch sehr viele hilfreiche Informationen und Tipps, unter anderem in einem Video, das einfache Maßnahmen für jede Person beschreibt.

Kleinere Gemeinden (im EU-Vergleich solche mit weniger als 20.000 Einwohner:innen) haben weniger Ressourcen und Zugang zu Informationen als größere Städte und Kommunen. Gerade deshalb wäre es umso wichtiger, dass sich Kommunen regional zusammenschließen und gemeinsam mit übergeordneten Strukturen, wie zum Beispiel LEADER- oder KLAR-Managements, diese Herausforderungen angehen. Entsprechende Maßnahmen sollten gemeinsam mit allen Beteiligten geplant (“integrierte Planung”) und umgesetzt werden.5 Ein sehr zukunftsweisendes Projekt wird derzeit in der LEADER-Region Elsbeere Wienerwald durchgeführt, bei dem mit 13 Gemeinden ein sogenannter Klimaresilienzplan erstellt wird.

Verschiedene Projekte versuchen auch schon vereinzelt, in und mit Gemeinden in Niederösterreich weitere Schritte zu setzen.6

Mögliche erste Maßnahmen

Trotzdem gibt es auch Möglichkeiten, als einzelne Gemeinde bereits aktiv zu werden und bestehende öffentliche Einrichtungen anzubieten beziehungsweise bekannt zu machen:

Gerade für die zuvor genannten “vulnerablen Gruppen” unserer Bevölkerung (zum Beispiel ältere, kranke oder sozial schwächere Menschen aber auch Kleinkinder, Schwangere und im Freien arbeitende Menschen) sind öffentliche Trinkwasserstellen, (beschattete) Ruhezonen und öffentliche WC-Anlagen wichtige Hilfseinrichtungen, um ihren Alltag und ihre Mobilität selbständig bewerkstelligen zu können. Bei extremen Hitzebelastungen ist der Aufenthalt in gekühlten Räumen für 1-2 Stunden sehr hilfreich7 und könnte auch durch Einrichtungen, wie zum Beispiel Kirchen, Supermärkte oder öffentliche Büchereien angeboten werden.

Alle können helfen

Nachdem es auch in meiner Gemeinde noch keine derartige öffentliche Übersicht zu frei zugänglichen Trinkbrunnen, WCs und Rastbereichen gibt, habe ich damit begonnen, die mir zur Verfügung stehenden Informationen in einer Google My Maps Karte zusammenzufassen.

Erste Version einer Karte mit den wichtigsten öffentlichen Infrastrukturen zum Schutz vor der Hitze in Eichgraben

Diese Daten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit beziehungsweise Richtigkeit und können nur ein erster Anstoß für weitere Aktivitäten sein. Gerade bei den Rastbänken habe ich erst damit begonnen, die aktuellen Standorte zu kartieren und brauche jede Hilfe!

Am besten man schickt mir die über Google Maps verorteten Standorte von zusätzlichen öffentlich zugänglichen Trinkwasserstellen, Rastbänken oder WCs im Ortsgebiet von Eichgraben per Mail auf zukunftsforumwienerwald@gmail.com.

Ich freue mich sehr über jede Unterstützung, die mir weitere Informationen über die genannten und in der Karte ersichtlichen Kategorien übermittelt.

Fazit

  • Hitze wird neben Dürren, Starkregen, Überschwemmungen und Waldbrandgefahr durch den bereits laufenden Klimawandel in Zukunft ein immer größeres Problem für alle Menschen in unserer Region.

  • Wir alle sollten uns bestmöglich schützen und vor allem schwächeren - sogenannten “vulnerablen” - Bevölkerungsgruppen dabei helfen, mit den Herausforderungen bestmöglich umgehen zu können.

  • Erste einfache Maßnahmen, wie die Information über bestehende Wasser-, WC- und Rast-Plätze wären bereits in jeder Gemeinde möglich.

  • Weitere Schritte, wie die Erstellung und Umsetzung von Klimaresilienz- und Hitzeschutzplänen in einzelnen Gemeinden und regional übergreifend, sind dringend notwendig und sollten auch schnellstens angegangen werden. Dabei sollte auch der große Mehrwert intakter Natur genutzt und sogenannte “naturbasierte Lösungen” priorisiert werden.

1

🌡️Europe’s deadliest climate hazard no longer waits for summer. (o. J.). Abgerufen 29. Juni 2026, von https://www.linkedin.com/pulse/europes-deadliest-climate-hazard-longer-waits-yteaf

2

Hitze, 23.06. | Ö1 | ORF-Radiothek. (o. J.). Abgerufen 29. Juni 2026, von https://oe1.orf.at/player/20260623/835564/1782234300000

3
4

Heat | Climate Preparedness 2026. (o. J.). Abgerufen 29. Juni 2026, von https://discomap.eea.europa.eu/ClimatePreparedness2026/?page=Heat

5

Small but mighty—Climate resilience in Europe’s small municipalities. (2026, Juni 10). https://www.eea.europa.eu/en/analysis/publications/climate-resilience-in-smaller-communities

6

KlimaWIN - Klimabündnis Österreich. (o. J.). Abgerufen 30. Juni 2026, von https://www.klimabuendnis.at/angebote/klimawin/

7

Hitze, 23.06. | Ö1 | ORF-Radiothek. (o. J.). Abgerufen 29. Juni 2026, von https://oe1.orf.at/player/20260623/835564/1782234300000

Read on arnoaschauer.substack.com

Comments

Nothing yet. Say the first thing.

    Sign in to join the conversation.