Materie - Leibniz, Locke, Kant

Nach H. MORE besteht die Unmaterie aus gleichartigen Monaden (Enchir. met.). Bildende (plastische) Kr�fte (�vires plasticae�) schreibt R. CUDWORTH der Materie zu (Syst. intell.). Nach GLISSON kommt ihr ein Streben zu (Tract. de natur. subst. energ. p. 90 f.). Dynamisch bestimmt die Materie LEIBNIZ. �Materia prima� ist die Widerstandskraft (�antitypia�), die Rezeptivit�t, die Kraft der Undurchdringlichkeit, eine rein passive Kraft (Erdm. p. 157, 463, 466, 691). Die �materia secunda� ist eine Erscheinung, aber ein �phaenomenon bene fundatum� (l.c. p. 725), die �verworrene� Vorstellung von geistigen Monaden (s. d.), deren Aggregat sich uns als K�rper, als �substantiatum�, darstellt (vgl. Gerh. IV, 18; Nouv. Ess. IV, ch. 3). - Nach CHR. WOLF ist Materie �illud, quod determinantur in ente composito� (Ontolog. � 948). Sie ist �extensum vi inertiae praeditum� ( Cosmolog. � 141). �Dasjenige nun, was einem K�rper die Ausdehnung gibt mit seiner widerstehenden Kraft, wird die Materie genennet� (Vern. Ged. I, � 607). Sie besteht aus Natur-Monaden (s. d.). R�DIGER unterscheidet die Materie, deren Wesen die Ausdehnung bildet, von der K�rperlichkeit, die in der Elasticit�t besteht. Die Seele (s. d.) ist materiell, aber nicht k�rperlich. Nach L. EULER besteht das Wesen der Materie im Tr�gheitswiderstand. LOCKE definiert die Materie (�matter�) als �an extended solid substance� (Elem. of nat. philos. ch. 1). Die �Materie� ist ein unklarer, problematischer Begriff, sie ist nur eine Abstraktion vom K�rper, bezeichnet die �berall gleiche und einf�rmige Dichtigkeit der K�rper (Ess. III, ch. 10, � 15). F�r sich allein ist die Materie passiv, unbewegt (l.c. IV, ch. 10, � 10). Als blo�e Vorstellung fa�t die Materie A. COLLIER auf: �All matters, which exist, exist in or dependantly on mind� (Clav. univ. p. 10). BERKELEY bestreitet die Existenz einer Materie. Sie ist nichts als der abstrakte Begriff eines Wesens (�being�) �berhaupt (Princ. XVII), existiert weder au�er noch in dem Bewu�tsein (l.c. LXVII). Die Annahme einer Materie (�Materialismus�, s. d.) n�tzt nichts, die Erscheinungen der Natur sind direct durch das Wirken Gottes zu erkl�ren (l.c. LXXII). Da alle Qualit�ten (s. d.) samt Ausdehnung und Bewegung nur Vorstellungen sind, so hat die Materie keinen realen Sinn (l.c. LXXIII, LXXX). Auch HUME h�lt den Begriff der Materie f�r eine blo�e Fiction (Treat. IV, sct. 3; vgl. Substanz). - BOYLE definiert die �universal matter� als �an extended, divisible and inpenetrable stubstance� (Works 1738, p. 197).

Die Materialisten (s. d.) halten die Materie, das Materielle f�r absolut real. Nach PRIESTLEY ist die Materie �a substance possessed of the property of extension and of powers of attraction or repulsion� (Disquls. I, Introd. p. II). HOLBACH erkl�rt: �La mati�re en g�n�ral est tout ce qui affecte nos sens d'une fa�on quelconque� (Syst. de la nat. I, ch. 3, p. 31). �La mati�re est �ternelle et n�cessaire, mais ses combinaisons et ses formes sont passag�res et contingentes� (l.c. I, ch. 6). - Nach DIDEROT ist die Materie ewig, in sich selber bestehend, sie hat (in ihren Atomen) Empfindung (Pens�es sur l'interpr�t. de la nat. 175; Sur la mati�re et sur le mouvement, 1770). Nach D'ALEMBERT ist das Wesen der Materie unbekannt (M�l. T. V). ROUSSEAU nennt Materie alles, was au�er uns wahrgenommen wird und was auf unsere Sinne wirkt (Emil IV). BONNET betont: �In n'existe point de mati�re en g�n�ral; mais il existe une infinit� de corps particuliers, dans lesquels nous remarquons des d�terminations communes et des d�terminations propres. Nous d�duisons de celles-l�, par la r�flexion, la notion des attributs essentiels des corps, et nous donnons a la collection de ces attributs le nom de mati�re� (Ess. analyt., pr�f. p. XXVI f.).

Ph�nomenalistisch und dynamisch ist der Begriff der Materie bei KANT. Da alle Qualit�ten (s. d.) sowie Ausdehnung und Bewegung subjektiver Natur, da ferner die Kategorien (s. d.) des Denkens apriorisch- subjektiv sind, insbesondere auch der Begriff der Substanz (s. d.), so ist die Materie kein Ding an sich (s. d.), sondern die Erscheinung eines solchen ganz in der Form unserer Anschauung und unseres Denkens, als solche aber, empirisch, objektiv real. Sie hat eine Wirklichkeit, �die nicht geschlossen werden darf, sondern unmittelbar wahrgenommen wird� (Krit. d. r. Vern. S. 314). Die Materie der Erscheinung (das Physische) bedeutet ein Etwas, das im Raume und in der Zeit angetroffen wird und der Empfindung korrespondiert (l.c. S. 555). Die Materie ist die Resultierende von Anziehungs- und Absto�ungskr�ften. Die Abstraktion von der Erfahrung der Undurchdringlichkeit (s. d.) bringt in uns den Begriff der Materie hervor (Tr�ume ein. Geisterseh. I. T., 1. Hptst.). Die Materie hat �eine Kraft der Zur�ckst��ung� (ib.). Materie ist �das Bewegliche im Raume�, �das Bewegliche, sofern es einen Raum erf�llt�, d.h. allem Beweglichen widersteht (Met. Anf. d. Naturw. S. l, 31), und zwar durch eine �besondere bewegende Kraft� (l.c. S. 33). �Die Materie erf�llet ihre R�ume durch repulsive Kr�fte aller ihrer Teile, d. i. durch eine ihr eigene Ausdehnungskraft, die einen bestimmten Grad hat, �ber den kleinere oder gr��ere ins Unendliche k�nnen gedacht werden� (l.c. S. 36). Alle Materie ist daher urspr�nglich elastisch (l.c. S. 37). �Materielle Substanz ist dasjenige im Raume, was f�r sich, d. i. abgesondert von allem anderen, was au�er ihm im Raume existiert, beweglich ist� (l.c. S. 42; vgl. S. 106). Materie ist �das Bewegliche, sofern es, als ein solches, ein Gegenstand der Erfahrung sein kann� (l.c. S. 138). Es kann nur �eine urspr�ngliche Anziehung im Conflict mit der urspr�nglichen Zur�cksto�ung einen bestimmten Grad der Erf�llung des Raumes, mithin Materie m�glich machen� (l.c. S. 70). �Bei allen Ver�nderungen der k�rperlichen Natur bleibt die Quantit�t der Materie im ganzen dieselbe, unvermehrt und unvermindert� (l.c. S. 116; vgl. dazu die chemischen Versuche LAVOISIERS).

Bei der Mehrzahl der philosophischen Systematiker nach Kant herrscht ein dynamischer Materie-Begriff, der vielfach zugleich ph�nomenologisch ist, indem die Materie als objektive oder subjektive Erscheinung, auch als Produkt immaterieller Kr�fte oder T�tigkeiten betrachtet wird.


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