meist D-Südost , gelegentlich D-Südwest (Württemberg) , D-Mittelwest , D-Mittelost (Sachsen) , A , mundartlich drückt die mit einer Äußerung verbundenen Gefühle des Sprechers aus
a)
verleiht einer Feststellung, Aufforderung, Bitte, Drohung oder einem Verbot Nachdruck
Beispiele:
Oft rufen die Leute auf dem Markt mir zu: »Komm
fei nächstes Jahr wieder!« [Fränkischer Tag, 15.08.2020]
»Schee is des fei ned (= Schön ist das aber nicht)«, lautete sein Urteil nach dem
Studium der Planungsunterlagen. [Landshuter Zeitung, 13.02.2021]
Aber das schreibst fei nicht in deine
Zeitung hinein, der Teufel hört sowas nicht gern. [Mittelbayerische, 05.01.2021]
Da ghöret fei emmer no zwoi drzua!
(= Dazu gehören aber immer noch zwei!) [Reutlinger General-Anzeiger, 07.05.2016]
Des bissel Opposition, des mir in Tirol brauchen, des mach ma uns
fei selber, gell? [Salzburger Nachrichten, 10.06.2008]
Dass ihr euch fei zamreisst
(= zusammenreißt) und net zu Groupies werdet,
schließlich seid ihr fest vergeben! [Gästebuch, 18.08.2006, aufgerufen 31.08.2020]
Auch als Warnung markiert »fei« eine
Grenze: »Des sag ich fei der Mama.« [Süddeutsche Zeitung, 05.12.2003]
b)
weist auf etw. hin, von dem man annimmt, dass es jmdm. noch nicht bekannt oder bewusst ist
Synonym zu übrigens
Beispiele:
»Ihr dürft euch fei auch was wünschen«,
heißt es zum Ende der Singstunde. [Fränkischer Tag, 09.09.2020]
»I war des fei ned« (= falls ihr mich verdächtigt – ich habe das nicht getan), sagte sie
[die Kabarettistin] mehrfach und so
heißt auch ihr neues Programm. [Landshuter Zeitung, 19.08.2019]
Über die neue Lehrerin sei damals gemunkelt worden, »Frau Fischer ist
fei streng.« [Südkurier, 20.07.2015]
Benno,
die san fei vom Fernsehen. – Des hab i ma glei
denkt, denn normal san die net. [Kleine Zeitung, 23.07.2002]
In de Dschards steh ich fei schon uffem
zwaate Platz! (= In den Charts stehe ich übrigens schon auf dem 2. Platz!) [Frankfurter Rundschau, 06.09.2000]
c)
mit aufforderndem Charakter; drückt aus, dass jmd. etw. eigentlich wissen und entsprechend handeln sollte
Synonym zu übrigens, siehe auch ²doch (2 a)
Beispiele:
Da gibt’s fei gar nix zum Lachen.
(= Hör auf zu lachen!) [Süddeutsche Zeitung, 22.03.2003]
Du, da gäbe es fei Tabletten dagegen …
(= Warum nimmst du keine Tabletten?) [Creators Update jetzt offiziell im Rollout, 02.05.2017, aufgerufen 19.08.2020]
Doch, na ja, den Namen könntest du fei
schon ändern, der Fairness halber. (= Ändere bitte deinen Namen!) [Bloglinks der Woche, 27.05.2007, aufgerufen 31.08.2020]
Des is fei mei Spielzeug, Herr
C[…]! (= Lassen Sie Ihre Finger davon!) [Süddeutsche Zeitung, 24.01.2002]
Die Oma paßt aber jetzt fei nimmer ins
Auto! (= Da muss etwas anderes wieder ausgeladen werden.) [Süddeutsche Zeitung, 07.06.1997]
d)
drückt aus, dass man davon ausgeht, dass der Gesprächspartner einem zustimmt
Synonym zu ²doch (4)
Beispiele:
Psychologen weisen im Zusammenhang mit »fei« auf
die Problematik der »Aussagesuggestibilität« vor allem bei der Befragung
von Kindern hin. Kurz gesagt: Es ist ein Unterschied, ob ein Polizist
ein Kind fragt: »Hast Du den Schuss gehört?« oder »Du hast
fei den Schuss gehört?« (= Du hast doch bestimmt den Schuss gehört?) [Süddeutsche Zeitung, 05.12.2003]
[…] die Fähigkeit
des Franken, auch noch das größte Desaster a weng (= ein wenig) lockerer zu nehmen als Mitglieder anderer
Volksstämme, macht ihn zum Deeskalationsexperten. Oder am End vielleicht
fei ned (= oder vielleicht doch nicht)? [Fränkischer Tag, 13.02.2017]
Huhu meine Bärbel … aber so dick bin i
fei ned, goi (= nicht wahr)? [Verzerrt, 11.09.2015, aufgerufen 01.09.2020]
Aber sie, sie sind fei zugereist, gell? [Schutzpolizei, 10.11.2013, aufgerufen 01.09.2020]
Und, schreit sie fei ganz laut, die
Kleine? (= Sie schreit doch bestimmt ganz laut?) [Madagaskar auf Ungarisch, 17.02.2012, aufgerufen 01.09.2020]