dodis.ch/42367
Der schweizerische Gesandte in
Rom,
S. Bavier, an den Vorsteher des Departements des Auswärtigen,
N. Droz1
Confidentiel
Rom, 29 Dezember 1888
Der deutsche Botschafter, Solms, besuchte mich schon diesen Vormittag, um mir mündlich über seine bons offices zu berichten.2 Er sagte mir, dass er vorgezogen habe Hr Damiani, den Vertrauten von Crispi, auszuholen. Nach der Äusserung desselben unterliege es keinem Anstand uns die Concessionen auf Baumwolle & Maschinen zu gewähren wenn wir ein Zoll-Cartell mit Italien eingehen wollen. Graf Solms fügte bei: der Schmuggel aus der Schweiz sei ein unmoralisches Gewerbe, welches Italien jährlich um 10 Millionen Franken schädige. Es handle sich ja nicht darum, dass die Schweiz in politischer Beziehung irgend welche Concessionen mache, sondern nur, dass sie nicht dulde, dass ein so unsauberes Geschäft offen betrieben werde & ihm scheine, dass man unbedenklich sich wenigstens principiel dazu verstehen sollte.
Ich verdankte Gfrajf Solms seine Bemühungen & erwiderte ihm, es sei uns längst bekannt, dass Italien einen Zoll-Cartell haben wolle. Aber man nehme Anstand denselben zu gewähren & bei uns die Polizeigewalt zu Gunsten eines fremden Staates auszuüben. Der Bundesrath sei weit entfernt davon den Schmuggel als etwas erlaubtes anzusehen & bedaure denselben. Übrigens sei, selbst bei einem Cartell, keine Einschränkung desselben möglich so lange Italien seine Zollbeamten nicht besser bezahle. Man schmuggle aus Ostreich fortwährend nach Italien, obschon ein Zoll-Cartell bestehe.
Ich wolle übrigens Ihnen vertraulich über die stattgehabte Unterredung Bericht erstatten.
Gfrajf Solms erwiderte er halte hiemit seine Intervention vorläufig für beendigt, stehe jedoch stets gerne zu Diensten.3