Ausgewählte Beiträge
Visuelle Kultur im Spätmittelalter: Bildtafeln für den Türkenkrieg (um 1480)
In einem undatierten “Memorandum über die Kriegsführung gegen die Türken” wird vorgeschlagen, man solle in allen Stadt- und Landpfarrkirchen Opferstöcke aufstellen und das Volk an allen Feiertagen mit Ablassverkündung auffordern, für den Türkenkrieg zu spenden. Dazu soll man verordnen zwei oder drei “getrew seßhafft burger, die umb gen sollen mit…
NGHM liest | 13 | Scott: Gender and the Politics of History (1988)
„[G]ender is a constitutive element of social relationships based on perceived differences between the sexes, and gender is a primary way of signifying relationships of power.“ Der Satz stammt aus dem Aufsatz Gender: A Useful Category of Historical Analysis von Joan Wallach Scott, erschienen im Jahr 1986, der als zweites…
Geschichte zum Kleben. Werbemarken und ihr Wert für die Landesgeschichte
Von Max Grund Wenn auf dem Blog Saxorum der „Summer of Ephemera“ ausgerufen wird, dann gilt es, diesem Ruf zu folgen. Daniel Fischer berichtete hier neulich vom Quellenwert des Bierdeckels, welcher in seiner Aussagekraft als Zeitzeuge bisher noch unterschätzt sei.[1] Ich möchte dieser Beobachtung gern eine weitere, bisher ebenfalls noch…
“Wahlen und Wahlkämpfe” – Einführung zum ersten Themendossier
Wahlstände mit Luftballons und Kugelschreibern in Fußgängerzonen, TV-Duelle zur besten Sendezeit, professionell produzierte Werbespots und Kurzvideos auf TikTok – Wahlkämpfe gehören heute ganz selbstverständlich zum Kern der demokratischen Praxis. Sie sollen Aufmerksamkeit erzeugen, politische…
“Ordnung ist die Seele der Arbeit”
Preußische Verwaltungspraxis, ostfriesische Eigenheiten und wirtschaftliche Modernisierung in den Auricher Tagebuchaufzeichnungen Ludwig von Vincke (1803–1804) Zur Erinnerung an Dr. phil. Johann Enno Eimers (1936–2026) Ein Beitrag von Dr. Heiko Suhr Im Oktober 1803 trat Ludwig Freiherr von Vincke sein Amt als Kammerpräsident der Kriegs- und Domänenkammer Aurich an.1 Er tat…
27. August 1626: Flugschriften zur Schlacht bei Lutter am Barenberge
dk-blog Im Sommer 1626 rückte die Armee der Liga weiter vor. Nachdem Tilly am 11. August Göttingen eingenommen hatte, wandte er sich gegen Nordheim, als ihn die Nachricht erreichte, daß die Armee Christians IV. aufgebrochen war und am 16. August ihrerseits Nordheim erreichte. Bevor Tilly auf den Feind traf, wollte…
Abschlusstagung „Politische Nachhaltigkeitsbildung in der Grundschule – Strukturen, Perspektiven, Handlungsräume“
Am 16. und 17. März 2026 lud die Humboldt-Universität zu Berlin zur Abschlusstagung des Projekts „Politische Nachhaltigkeitsbildung in der Grundschule – Strukturen, Perspektiven, Handlungsräume”“ ein. Zwei intensive Tage lang kamen rund 100 Menschen zusammen:…
„Ich optimiere meine Arbeitsweisen und mein arbeitsbezogenes Selbst“
Die Studie „Reflexion des Wissenschaftsbetriebs“ untersucht die Wahrnehmung des neoliberalen Umbaus von Lehre und Forschung Quelle: https://pixabay.com/de/photos/stoppuhr-zahnr%C3%A4der-tastatur-arbeit-3699322/ Alexander Beltz „In den späten Perioden der gegenwärtigen Gesellschaft haben die sogenannten Geisteswissenschaften ohnehin nur einen schwankenden Marktwert; sie müssen schlecht und recht versuchen, es den glücklicheren Naturwissenschaften gleichzutun, deren Verwendungsmöglichkeit jeder Frage…
Die Gräfin Schwerin auf Reisen: Ein bemerkenswertes Beispiel für die hohe Mobilität einer adeligen Frau in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
Abbildung 1: Poststation bei Augsburg 1616 (Ausschnitt); https://de.wikipedia.org/wiki/Poststation#/media/Datei:Augsburger_Posthaus.jpg Lange prägte die Vorstellung das Bild weiblicher Mobilität in der Frühen Neuzeit, adelige Frauen seien kaum gereist und ihre Wege hätten sich vor allem auf die „Brautfahrt“ beschränkt.[1] Die Frauengeschichtsforschung hat dieses Bild inzwischen deutlich korrigiert.[2] Besonders anschaulich zeigen die Memoiren der Gräfin Schwerin (geb.…
Die Frage nach der Ästhetik
von Rebecca Wittenstein Eine Fotografie vermag weit mehr zu transportieren als nur das Abgebildete. Sie kann Auskunft über die fotografierende Person geben, über ihre fotografische Praxis, den Entstehungsmoment des Bildes und die Beweggründe, die zu seiner Aufnahme geführt haben. Darüber hinaus kann eine Fotografie auch den ästhetischen Blick der fotografierenden…
Eine Gesellschaft sucht Schuldige:Warum die Kritik an der jungen Generation mehr über gesellschaftliche Leistungsnormen aussagt als über die Jugend selbst
„Die jungen Leute wollen nicht mehr arbeiten.“ Kaum ein Satz verdichtet die gegenwärtige Kritik an jungen Menschen so stark wie dieser. Er fällt in politischen Debatten, in Talkshows, in Kommentarspalten und in Gesprächen über den Arbeitsmarkt der Zukunft. Der Satz ist keine harmlose Alltagsbeobachtung. Er ist eine gesellschaftliche Zuschreibung: Junge…
Vom Grab zur Gesellschaft?
Überlegungen zu aktuellen Ansätzen und Arbeitsweisen der Gräberfeldarchäologie des Frühmittelalters Gräberfelder gehören zu den wichtigsten Quellen der Frühmittelalterarchäologie. Sie sind reich an Funden, und die Grabbefunde liefern Informationen über einzelne Bestattungen. Zugleich versprechen sie etwas, das andere archäologische Quellengattungen nur selten leisten können: Eine Annäherung an das Individuum einer vergangenen…
Capture the Flag – Zwischen Schabernack, Frust und Fahnenfieber
Mit jeder Fußball-Weltmeisterschaft taucht in Deutschland ein ungewöhnliches Phänomen wieder auf: Capture-The-Flag (CTF).[1] Gemeint ist dabei nicht der bekannte Computerspiel-Modus, sondern das Entwenden von Deutschlandflaggen – in der Regel von Autos, Balkonen oder Gärten…
Die Dichterin vor der Vijećnica
Aktion „Narodna čitaona“ auf den Stufen des Rathauses von Sarajevo, der ehemaligen National- und Universitätsbibliothek Bosnien-Herzegowinas, Dezember 2016. Foto: Nidžara Ahmetašević, aus dem Beitrag Narodna čitaona: Vijećnica je naša (Bilten), CC BY-SA 4.0. In der Nacht vom 25. auf den 26. August 1992 wurde die National- und Universitätsbibliothek Bosnien-Herzegowinas von der…
Warum dieser Blog?
KI & Edition. Das Thema ist überall. Auf jeder Konferenz, in jedem Workshop, in jedem Forschungsantrag. Zu Recht. Denn KI ist gekommen, um zu bleiben. Und das wissen alle. Die Frage ist nur: Wer weiß genug, um mit KI – was auch immer Du darunter verstehst – produktiv zu arbeiten?
Bergung, Sicherung, Umverteilung – Kulturgutverlagerungen in Brandenburg 1945–1952
<1> Gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluse (DZK) führte der Brandenburgische Museumsverband 2023–2025 zwei Forschungsprojekte zu Kulturgutbergungen in der Provinz bzw. dem Land Brandenburg durch.[1] Ziel war es, die bis dahin weitgehend unerforschte Wirksamkeit bei der Bergung von Kulturgut im Rahmen der sozialistischen Bodenreform zu untersuchen.[2] Der Zugriff fokussierte…