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Alliteratus | Ihr Onlinemagazin rund um Literatur & Medien · Apr 20, 2026

Sarah Harman: All the other mothers hate me

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Moseron · Alliteratus | Ihr Onlinemagazin rund um Literatur & Medien

Florence ist anders als die anderen Mütter an der Privatschule ihres zehnjährigen Sohnes Dylan. Während die sich hauptsächlich mit Schulveranstaltungen, Charity Events und der High Society Londons beschäftigen, trägt Florence gerne Glitzeroutfits und verbringt ihre Tage mit Reality TV, schlechten Dates und Tagträumen vom großen Comeback – immerhin war sie einmal Lead Sängerin einer einigermaßen bekannten Girl Band, die aber ausgerechnet dann ihren großen Durchbruch hatte, nachdem Florence mit 20 unerwartet schwanger wurde und aussteigen musste. Was sie aber mit den anderen Müttern gemeinsam hat: Sie liebt ihren Sohn über alles. Deswegen tritt sie auch sofort in Aktion, als einer von seinen Mitschülern auf einem Schulausflug verschwindet und ausgerechnet Dylan der letzte war, der ihn lebend gesehen hat. Nicht nur das, Alfie, der verschwundene Junge, war in der Vergangenheit schon häufiger mit Dylan aneinandergeraten, hatte ihn geärgert und gemobbt. Als Florence dann auch noch den Rucksack des verschwundenen Jungen in Dylans Zimmer findet, ist ihr klar, dass sie etwas unternehmen muss, bevor Dylan ins Visier der Ermittlungen gerät. Zum Glück hat sie kurz zuvor Jenny kennengelernt, ebenfalls Mutter von zwei von Dylans Mitschülern, die aber noch so neu ist, dass sie nicht weiß, dass Florence eigentlich als Persona non grata bei den Privatschul-Müttern gilt. Jenny ist Anwältin und ebenfalls schockiert über das Verschwinden von Alfie, sodass sie sich offen zeigt, als Florence vorschlägt auf eigene Faust zu ermitteln und im besten Fall den Jungen zu retten. Die beiden Hobbydetektivinnen legen also mit ihren Ermittlungen los. Während Jenny jedoch Alfie – und die Wahrheit – herausfinden will, hat Florence ihre ganz eigene Agenda und fragt sich: Wozu ist Dylan wirklich fähig?

Bunt, schrill und plakativ – diese Beschreibung passt nicht nur zum Cover der unterhaltsamen Satire über Klassendenken, Elternschaft und die High Society, sondern auch zu der Protagonistin Florence. Die Geschichte ist komplett aus ihrer Perspektive erzählt und strotzt, genau wie sie selber, nur so vor Sarkasmus, Witz und cleveren Beobachtungen ihres Umfeldes. Ich musste durchweg schmunzeln bei ihren sprachlich cleveren, präzisen und witzigen Beschreibungen der anderen Mütter, der Privatschulkultur und eigentlich ihres kompletten Umfeldes. Florence ist eine intelligente, exzentrische und manchmal auch anstrengende Protagonistin, die der Natur dieses satirischen Romans auch etwas überzeichnet ist. Gerade dadurch, und weil sie im Laufe der Geschichte eine überzeugende Entwicklung durchmacht, sich ihren schrulligen und liebenswerten Kern aber erhält, wächst sie dem Leser aber zusehends ans Herz. Genau deswegen kann man ihr ihre abstrusen, teils illegalen Aktionen auch nicht wirklich übelnehmen, vor allem wenn man bedenkt, dass ihr gesamtes Handeln, so egozentrisch sie auch manchmal sein mag, eigentlich nur von der allumfassenden und bedingungslosen Liebe zu ihrem Sohn getrieben ist.

Die Handlung selbst hält immer wieder spannende Wendungen bereit, wobei ich den Plot-Twist am Ende so ab der Hälfte des Romans ganz leicht habe kommen sehen. Auch wenn nicht immer alles ganz logisch und realistisch ist – aber muss es das bei einer Satire überhaupt sein? – kann man doch voll in die Story eintauchen und sich ganz auf Florences spannendes Abenteuer einlassen. Unter all dem Sarkasmus und exzentrischen Verhalten schwingen immer mal wieder tiefe und ernstere Töne mit, die für eine tolle Mischung an Themen und Stimmungen sorgen. Ich hatte jede Menge Spaß bei diesem unterhaltsamen, toll geschriebenen Mix aus Gesellschaftsroman, Satire und Thriller und werde Florence definitiv vermissen!

Tatjana Siberg, Februar 2026: Harman, All the other mothers hate me

Read the original on alliteratus.substack.com

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