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Alliteratus | Ihr Onlinemagazin rund um Literatur & Medien · Oct 27, 2025

Cai Marin: Nordkap

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blanvalet 2025 ⋅ 608 S. ⋅ 17,00 € ⋅ 978-3-7645-0872-2 ⋅ **** von Mark Jungbluth

Der Selbstmord des Sápmi-Energieministers geht durch die Medien. Ein blutüberströmter und dem Tode nahender Junge wird am Strand gefunden. Wunden, die Rätsel aufgeben. Ein Paar verschwindet beim Baden im Fjord spurlos. Unerklärliche Vorkommnisse sorgen an der Küste Nordnorwegens für Aufsehen. Kriminaloberrat Simen Sundby beginnt mit seinem Team zu ermitteln und trifft auf eine Mauer des Schweigens.

Gleichzeitig entdecken der Apnoetaucher Eric und sein Freund und Aktivist Cai Ungereimtheiten im Wasser. Zusammen mit der Dokumentarfilmerin Synni Opland kommen sie einem Umweltskandal auf die Spur. Je weiter sie in die Ermittlungen und Recherchen eintauchen, umso mehr erschreckende Details um ein Energieprojekt werden sichtbar. Scheinbar operieren machtgierige Menschen im Hintergrund und am Staat vorbei. Diese schrecken auch vor Gewalt und Manipulation nicht zurück. Immer enger werden die Protagonisten in den Bann um neue Energietechnologien gezogen. Dann überschlagen sich die Ereignisse und Simen Sundby und Co. müssen sich einem mächtigen Drahtzieher stellen. Die Zukunft Nordnorwegens und der Welt liegt in ihren Händen.

Ein actiongeladener Klimathriller mit Schauplatz Nordnorwegen im Stile eines Frank Schätzings kombiniert mit einer Storyline, die auch von Dirk Rossmann hätte sein können – so zeigt sich „Nordkap“ von Cai Marin, das ein Pseudonym eines deutschen Autors ist (also nicht verwirren lassen, es ist kein Norweger!).

Die Spannung beginnt ab der ersten Seite. Die rätselhaften Vorkommnisse rund um das Wasser an der norwegischen Küste geben über das erste Drittel des Romans einige Rätsel, bis sich langsam ein roter Faden erkennen lässt, in welche Richtung sich die Handlung offenbar hinbewegen wird. Die zahlreichen Figuren, aus deren Perspektive die Handlung erzählt wird, machen es zu Beginn nicht leicht, den Überblick zu behalten. Da ist es ziemlich passend, dass es einen Anhang gibt, in dem alle Figuren nochmal aufgeschlüsselt sind – ich musste beizeiten immer mal wieder nachschauen. Doch nach ungefähr der Hälfte des Thrillers war ich „eingegroovt“ und wusste, wer welchen Blickwinkel einnimmt.

Die Handlung ist gut recherchiert, auch wenn sie sich manchmal bei zu kleinen technischen Details aufhängt. Vielleicht wäre hier eine Kürzung von Vorteil gewesen. Andersherum gibt es Passagen, die doch etwas zäher geraten sind, und auch hier hätte der Rotstift einige Vorteile gehabt. An Brutalität verschenkt der Thriller dafür aber nichts. Hier ist er auf konstant hohem Niveau und sorgt für eine gute Portion Cliffhanger nach jedem Kapitel – gerade wenn es einen Perspektivwechsel gibt. Die Thematik ist ansonsten top recherchiert, sodass sich der Thriller in die Riege der klassischen Umwelt- und Klimathriller einreiht, in dem ein bestimmtes Phänomen oder Technologie zum Problem oder/und zur Lösung beiträgt. Hier in diesem Falle sorgt das Kernmotiv für einen Wettlauf gegen die Zeit. Neben machtgierigen Politikern und Söldnern, über einen naiven Professor und einem Polizeiteam sowie neugierigen Aktivisten ist eine große Bandbreite an Figuren vertreten. Gerade diese Unterschiedlichkeit macht den Thriller spannend und abwechslungsreich. Die Spannung lässt in der zweiten Hälfte etwas nach, der Thriller bleibt aber durchweg solide. Das Finale ist nicht sonderlich überraschend, bleibt aber einem Finale würdig – gerade wenn man sich durch über 550 Seiten gelesen hat.

Dieser Klimathriller erfindet das Rad nicht neu. Er unterhält mit klassischen Thrillermotiven und kombiniert einen Umweltskandal mit solider Krimispannung. Gute vier Sterne sind absolut drin.

Mark Jungbluth, Oktober 2025: Marin, Nordkap

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