
Kurt Tucholsky: Der letzte Tag (1926)
Zum Urlaubs-Ende eine kleine Betrachtung über den Abschied von den "langen Stunden, in denen gar nichts geschah" (Weltbühne, 14.9.1926).
"Schnipsel" nannte Kurt Tucholsky (1890-1935) seine späten Aphorismen. Sein journalistisches, feuilletonistisches und lyrisches Gesamtwerk ist aber weit mehr als das: Ein hochintelligent-pointierter Kosmos seiner Zeit. Der Sprach- und Sprechkünstler Frank Dittmer trägt in diesem Podcast seit 2019 wöchentlich einen neuen Text von Tucholsky vor: über Politik und Liebe, Kunst und Literatur, die Tragik und die Komik des Lebens. Alle haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind vor hundert Jahren…
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Zum Urlaubs-Ende eine kleine Betrachtung über den Abschied von den "langen Stunden, in denen gar nichts geschah" (Weltbühne, 14.9.1926).

Tucholskys scharfsichtiger Denkzettel für alle "Sonntagsrepublikaner", die sich nur lau zur neuen Demokratie bekennen, in Wirklichkeit aber dem alten Imperialismus anbiedern: Ohne positive Ideale wird die Gesellschaft wieder in ihre alten Muster zurückfallen. "Und es stehe hier, zum Nachschlagen:" Die selben Phrasen und die selbe Denkart werden in die nächste kriegerische Katastrophe führen…

Kleiner Spott über eine "Dienstreise" des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Der weiht lieber einen Provinzsportplatz in Hinterpommern als eine Frankfurter Mainbrücke ein. "In einem altdeutschen Napfkuchen" fühlt er sich schließlich behaglicher als bei den größstädtischen Demokraten (Weltbühne, 7.9.1926).

Aktuelles aus dem Rechenbuch der Weimarer Republik: "1 sozialdemokratische Partei hat in 8 Jahren 0 Erfolge. In wieviel Jahren merkt sie, dass ihre Taktik verfehlt ist?" (Weltbühne, 31.8.1926).

Kurze Zwischen-Station der Eisenbahn: Niemand steigt aus, aber Peter Panter malt sich am Abteilfenster das liebliche Musterbild eines deutschen Provinznestchens aus (Weltbühne, 31.8.1926).

Herr Tiger besteht aus einem Oberteil und einem Unterteil - welcher Mensch wäre auch "aus einem Gusse ... in der schönsten der Welten"? (Weltbühne, 24.8.1926)

Sommerliche Reise-Eindrücke, die "wie weitflüglige Vögel sacht aus der Luft fallen": Von Valuta-Engländern in der Normandie, sächsischen Touristen in Bayern, Großstädtern auf der Zugspitze und einem Schriftsteller, der auf dem Schweizer Hotelbalkon eingesperrt wird (Weltbühne, 24.8.1926).

Fragen an den Herrn Landgerichtsdirektor (Weltbühne, 17.8.1926).

Die deutschen Geistesgrößen, den Göttern gleich, bleiben besser fern am Sternenhimmel stehn - denn bei näherer Betrachtung... (Weltbühne, 3.8.1926).

Urlaubszeit: "Hier gletschern die Gletscher" und "ringfeine Smoking-Berliner" schauen ihnen dabei zu... (Weltbühne, 27.7.1926)