Ich bin Ingenieur. Die Arbeit am Wirkungsgrad war das ganze Berufsleben mein tägliches Brot.
Sie kennen das noch aus der Schule:
Wirkungsgrad ist Nutzen geteilt durch Aufwand.
Hier mal ein kleines Beispiel zur Erinnerung:
Ein Motor nimmt z.B. 100 kWh Energie in Form von 10l Diesel auf. Am Ende des Triebstranges kommen 40 kWh nutzbarer Arbeit am Rad auf der Straße an. Damit kann der LKW auf der Autobahn rund 36 km weit fahren.
Der Wirkungsgrad: 40 Prozent.
Meine Aufgabe als Ingenieur war klar und eindeutig: Den Wirkungsgrad kontinuierlich erhöhen.
Wie?
Indem ich penibel Energieverluste aufspüre!
Wo verschwindet die Energie, ohne nutzbare Arbeit zu leisten?
Reibung hier. Wärmeverlust dort.
Ineffizienzen suchen, finden und beseitigen. Das ist die Vorgehensweise.
Wenn die Messwerte dann den geforderten Verbesserungsfaktor zeigen, ist der Ingenieur stolz und der Chef zufrieden. Der Erfolg ist real.
Diese Arbeit ist sehr motivierend, weil Erfolg und Misserfolg klar und zweifelsfrei belegbar sind.
Als ich Führungskraft in der Fahrzeugentwicklung wurde, lag der Fokus meiner eigenen Arbeit nicht mehr auf dem Wirkungsgrad des Produktes, sondern auf dem Wirkungsgrad meiner Organisation.
Die Problemstellung war eigentlich gleich, aber trotzdem viel, viel schwieriger zu lösen.
Es gibt einen Aufwand, das sind die Ressourcen, die eingesetzt werden:
Personal,
Material,
Equipment.
Dieser Aufwand ist messbar. Man kann die Mitarbeiter zählen, die Materialkosten erfassen und die Abschreibung auf das Equipment berechnen.
Und es gibt einen Nutzen:
Die Profitabilität des Produktes. Die ist messbar — eigentlich.
Aber hier wird es kompliziert.
Wie übersetzt sich die Leistungsfähigkeit des Produktes in die Zahlungsbereitschaft des Kunden?
Ist das Produkt nicht gut genug oder hat der Verkäufer schlecht verhandelt?
Ist die Konjunktur schuld an zu hohen Kosten oder haben die Entwickler zu teure Lösungen gewählt?
Die Faktoren, die den Gewinn beeinflussen sind undurchschaubar und nicht quantifizierbar.
Es ist eine hochkomplexe Problemstellung, die sich einer ingenieurtechnische Analyse entzieht.
Also musste ich einen anderen Ansatz finden.
Ich fand ihn bei Peter Drucker. Und er war gleichzeitig einfach und tiefgreifend:
Teile den Wirkungsgrad auf in Effizienz und Effektivität.
Effektivität: Die Frage, wofür die Ressourcen eingesetzt werden.
Effizienz: Die Frage, wie viel Ressourcen eingesetzt werden.
Plötzlich ist der Wirkungsgrad analysierbar, ohne kausale Zusammenhänge zum Ergebnis kennen zu müssen.
Wenn ich den Anteil von Aufwand reduziere, der in Tätigkeiten ohne Nutzen fließt, steigt der Wirkungsgrad.
Wenn ich die Menge an Aufwand reduziere, der in nutzvolle Tätigkeiten fließt ohne das Ergebnis zu beeinträchtigen, auch dann steigt er.
Schaffe ich es diese beiden Effekte systematisch und reproduzierbar zu realisieren, dann kann ich davon ausgehen, dass der Wirkungsgrad steigt.
Dafür brauche ich aber ein System, eine Methode.
Aus dieser Erkenntnis entstanden die zwei Modelle.
Das Granatapfelbaum-Modell — es schafft Effektivität.
Der Universelle 4-Takt-Zyklus — er schafft Effizienz.
Beide kombiniert erhöhen den Wirkungsgrad in der Wissensarbeit.
Und das wunderbare an der Sache ist, dass es nicht nur in der Entwicklung funktioniert, sondern in allen indirekten Bereichen.
Um den Wirkungsgrad bei der Arbeit zu erhöhen, beginne ich mit einer gründlichen Wertstromanalyse:
Welche Tätigkeiten haben einen echten Wertbeitrag, und welche nicht?
Die Tätigkeiten mit Wertbeitrag werden priorisiert, alle anderen minimiert oder ganz vermieden.
Doch das ist nur die halbe Wahrheit.
Genauso wichtig wie die richtige Auswahl der Tätigkeiten ist es, Fehler bei der Arbeit zu vermeiden.
Denn jeder Fehler ist eine Verschwendung. Er führt zu Schleifen, Rücksetzern, Doppelarbeit, Überplanungen, Wiederholungen, verlorener Zeit.
Um das zu verhindern, müssen wir die Trefferwahrscheinlichkeit erhöhen und den direkten Weg gehen: ohne Schleifen, ohne Irrtümer, so geradlinig wie möglich zum Ziel.
Das ist klar die erste Priorität.
Aber da Fehler nicht komplett unvermeidbar sind, müssen wir in der zweiten Priorität erreichen, dass wir, wenn wir schon Fehler machen, diese so zeitig wie möglich machen und so schnell wie möglich erkennen.
Doch nun will ich kurz auf die wesentlichen Aspekte der beiden Modelle eingehen:
Mit dem Granatapfelbaum - Modell wird der Wertstrom adressiert.
Es ist eine Methode des gezielten Priorisierens. Hier geht es darum die richtigen Sachen zum richtigen Zeitpunkt zu erledigen.
Über 4 Ebenen wird systematisch bewertet, welche Ziele bzw. Ergebnisse gerade jetzt die wichtigsten sind, um den größtmöglichen Nutzen zu erhalten.
Ich halte es für wichtig an dieser Stelle eine wichtige Beobachtung zu teilen:
Verfügbaren Ressourcen werden immer verbraucht!
Das ist im Sinne von einem hohen Wirkungsgrad sogar gut und richtig.
Bei dieser Aussage werden wohl dem einen oder anderen Leser die Haare zu Berge stehen.
Sollten wir nicht sparsam mit Ressourcen umgehen und so wenig wie möglich davon verbrauchen?
Naja.
Mitarbeiter die nichts zu tun haben, schaffen keinen Wert und werden trotzdem bezahlt,
Maschinen, die nicht ausgelastet sind, wurden bezahlt und schaffen weniger Wert.
Selbst beim Geld ist es ähnlich. Geld auf dem Konto, das nicht zur Wertsteigerung eingesetzt wird, verdient vielleicht gerade mal ein paar mickrige Zinsen.
Es geht also darum mit den vorhandenen Ressourcen die maximale Wertsteigerung zu erzielen.
Und das macht das Granatapfel-Modell und zwar über das gesamte Geschäftssystem hinweg.
Ziele und Ergebnisse werden so gesetzt, dass alle Ressourcen immer am maximalen Wertzuwachs arbeiten.
Wie das genau geht können sie in meinem Artikeln nachlesen, im Text zu diesem Podcast finden sie die Liste der Artikel und Podcast-Episoden.
https://uwemierisch.substack.com/p/managing-priorities
https://uwemierisch.substack.com/p/work-with-the-item-list
https://uwemierisch.substack.com/p/project-and-item-planning-
https://uwemierisch.substack.com/p/milestone-planning
https://uwemierisch.substack.com/p/drum-beat-get-things-done
https://uwemierisch.substack.com/p/drum-beat-planning-and-documenting
https://uwemierisch.substack.com/p/todo-management
https://uwemierisch.substack.com/p/the-todo-management-that-transforms
Nun will ich aber doch noch einige Worte zum Einsparen sagen, denn auch das hat mich in meinem Berufsleben intensiv beschäftigt.
Ich unterscheide zwei Situationen, in denen Ressourcen reduziert werden müssen.
Es sind mehr Ressourcen verfügbar, als zu einer sinnvollen Wertsteigerung notwendig sind.
Durch hohe Ineffizienzen in der Organisation werden mehr Ressourcen benötigt, als idealerweise notwendig sind.
Fall Nummer 1 ist Top Managers Liebling, auch wenn es häufig mit unangenehmen Emotionen verbunden ist.
Nicht benötigtes Personal kann abgebaut, nicht gebrauchte Maschinen und Einrichtungen können abgeschafft werden. Budgets werden einfach gekürzt.
Leider ist das Szenario 1 im wahren Leben viel seltener anzutreffen als Szenario 2 und bei dem muss anders vorgegangen werden.
Hier müssen erst die Ineffizienzen beseitigt werden, bevor die Ressourcen reduziert werden.
Tut man das nicht, was ich leider sehr häufig beobachten musste, und reduziert die Ressourcen trotzdem, dann sinkt der Output und es entsteht eine Abwärtsspirale.
Zu einem zu hohen Ressourceneinsatz kommt dann zu allem Unglück noch ein fallender Nutzen hinzu und damit wird der Wirkungsgrad immer schlechter.
Die Ineffizienz besteht aus schlechter Effektivität und schlechter Effizienz und das sind ja gerade die Baustellen an denen wir mit den beiden Modellen arbeiten.
Richtig implementiert und konsequent angewandt schaffen sie die Voraussetzungen für sinnvolle Ressourceneinsparung.
Allerdings ist das dann noch eine zusätzliche Aktivität. Der Ressourcenabbau ist in den beiden Modellen nicht enthalten. Wenn es Sie interessiert, wie das geht, dann schreiben sie mir. Auch dazu kann ich Tipps geben.
Doch nun zum universellen 4 Takt Zyklus.
Der universelle 4 Taktzyklus ist eine Methode, mit der die Fehler-Auftretenswahrscheinlichkeit reduziert wird.
Damit sorgt er für Effizienz.
Die Sachen richtig machen heißt, auf möglichst direktem Wege zum gesetzten Ziel oder Ergebnis zu kommen.
Dafür bedient er sich einer Logik, die so allgemeingültig ist, dass sie in sehr vielen anderen Methoden auch zu finden ist. Es ist eine Art Naturgesetz.
Auch hier begegnet mir wieder die magische Zahl 4, denn er besteht aus 4 Phasen, wie es der Name schon andeutet.
Am Anfang steht eine Phase des bewussten Planens, Analysierens, Vorbereitens, gefolgt von der Phase des Tuns, danach die Phase der Überprüfung des Ergebnisses und der finalen Phase der Sicherstellung der Wirksamkeit.
Die genaue Beschreibung finden sie in einem eigenen Artikel und einer eigenen Podcast Episode und in weiteren Artikeln die ich demnächst schreiben werden.
Also abonnieren sie bitte den Newsletter, falls sie es noch nicht gemacht haben, damit sie nichts verpassen.
Beide Modelle werden gleichzeitig und sich überlagernd genutzt.
Der universelle 4 Takt Zyklus findet auf mehreren Ebenen des Granatapfelmodell statt. Mindestens allerdings zwingend auf Ebene 2 der Meilensteinplanung und Ebene 4 der ToDo Planung.
Es muss darauf geachtet werden, dass jedes ITEM mindestens die 4 Meilsteine aufweist, die den 4 Takten des universellen 4 Takt Zyklus entsprechen.
Ebenso muss jedes ToDo unbedingt alle 4 Takte durchlaufen. Auch wenn, gegebenen Falles, vielleicht ein Takt auch mal nur ein paar Minuten dauert, muss er auf jeden Fall stattfinden.
Bei jeder Planung wird immer betrachtet, in welchem Takt gerade gearbeitet werden muss.
Das klingt durcheinander und kompliziert?
Ist es aber nicht, es ist eine Sache der Gewohnheit. Hat man die Logik einmal intus, dann findet sich das ganz automatisch zusammen.
Effizienz und Effektivität befruchten sich gegenseitig.
In diesem Artikel habe ich mich darauf fokussiert, wie der Wirkungsgrad bei der Wissensarbeit verbessert werden kann.
Genau wie in der Ingenieurtechnik werden systematisch Verluste reduziert oder eliminiert und damit der Nutzen gesteigert und der Aufwand reduziert.
Es geht hierbei um ein Arbeitskultur, um eine gemeinsame Denk- und Vorgehensweise, die in der gesamten Organisation synchron und durchgängig vorhanden sein muss.
Und um das zu erreichen müssen Regeln und Prozesse implementieren werden, die genau diese Arbeitskultur vermitteln und die notwendigen Fähigkeiten und Gewohnheiten bei dem Mitarbeitern entwickeln.
Über diese operativen Details schreibe ich in meinen kostenpflichtigen Artikeln. Ich empfehle Ihnen das Abo zu buchen.
Ich halte es für kostengünstig und im schlimmsten Falle können sie es monatlich wieder kündigen, falls es ihnen nicht gefällt.
Im bezahlten Abo ist auch der Chat und meine persönliche Verfügbarkeit für Fragen und Analyse ihrer konkreten Situation enthalten.
Der Vorteil der Methode besteht darin, dass sie nicht an eine konkrete Software gebunden ist.
Sie können die von mir empfohlene Software nutzen oder sie können das System in anderen Tools implementieren.
Wenn Sie möchten helfe ich ihnen auch dabei.
Der Wirkungsgrad ist ein blinder Fleck in der Wissensarbeit. Er wird oft ignoriert, obwohl er entscheidend für den Erfolg der Unternehmung ist.
Effektivität und Effizienz sind zwei unterschiedliche Fragen: Welche Ziele sind es wert, erreicht zu werden? und Wie stelle ich sicher, dass ich diese Ziele auch tatsächlich erreiche?
Das Granatapfelbaum-Modell beantwortet die Frage der Effektivität.
Der Universelle 4-TaktZyklus beantwortet die Frage der Effizienz.
Es beginnt mit einer ehrlichen Wertstromanalyse: Welche Tätigkeiten haben echten Wertbeitrag? Priorisieren Sie diese, vermeiden Sie alles andere.
Jeder Fehler ist Verschwendung. Um effizient zu arbeiten, müssen Sie Ihre Trefferwahrscheinlichkeit erhöhen und den direkten Weg gehen – ohne Schleifen, ohne Irrtümer.
Nicht Logik allein schafft Erfolg. Es braucht Systeme, Prozesse und Regeln.
Das System wird durch die Mitarbeiter implementiert bis es zur Gewohnheiten geworden sind.
Effizienz und Effektivität befruchteten sich gegenseitig und werden gleichzeitig angewandt.
Wie schätzen sie sich ein? Wenden sie das Granatapfelmodell und den Universellen 4 Takt Zyklus schon an oder haben sie andere Erfahungen und Vorschläge?
Schreiben sie mir ich lese alles.
In den nächsten Episoden werde ich weiter in die Details des Granatapfel-Modelles und des universellen 4 Taktzykluses eingehen. Also abonieren sie meinen Podcast, damit sie nichts verpassen.
Wenn ihnen diese Folge gefallen hat, dann empfehlen sie meinen Podcast doch bitte weiter.

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