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SUSE IN YOUR POCKET · Jul 26, 2026

Hydra ist der Ort, an dem ich immer wieder sicher bin: beides ist wahr.

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Suse Kaloff · SUSE IN YOUR POCKET

Vierzig Minuten für einen Weg. Vierzig Minuten zurück. Ein achtzigminütiger Walk unter der sengenden Sonne an der Küste entlang für ein Bikinihöschen aus dem Sale. Hätte ich, wie all die Jahre zuvor, nur eins besessen, wäre das nicht passiert. Paar Tage zuvor stand eine Frau breitbeinig in einem pinkfarbenen Zweiteiler und einem Strohhut im Wasser am Bisti Beach und sagte zu ihren drei Wiener Freundinnen: „I hab’ vierzehn Bikinis dabei.“

Nun laufe ich den holprigen Weg zum Four Seasons, das mit der Hotelkette nichts zu tun hat, und sich nach einem jahrelangen Rechtsstreit umbenannt hat in Bellevalia, um nach meinem vergessenen Bikiniunterteil zu fahnden. Ich war am Vortag in dem feinen Beachhotel gewesen, hatte eine weiße, gepolsterte Liege mit blauer Paspel plus Schirm für 40 Euro reserviert. Ich bekam zwei Liegen, weil Singles leider nicht berücksichtigt werden könnten, sagt der nette Dimos, dem ich vorab eine WhatsApp mit meinen Reservierungswünschen geschickt hatte. Von Jahr zu Jahr weiß ich mehr, wie es auf der Insel läuft, und habe die wichtigen Telefonnummern in meinen Kontakten gespeichert. Von Jahr zu Jahr weiß ich weniger.

Ich lasse mir einen Fredo Cappuccino an den Platz servieren. Vor mir liegt eine Pariser Clique, drei Paare in meinem Alter. Einer der Männer arrangiert seine Finanzmagazine auf dem Beistelltischchen und richtet das Laken seines Lagers akribisch mit so riesigen, neonfarbenen Plastikwäscheklammern, die man extra für diesen Zweck im Ort kaufen kann. Kein Windchen weht. Sein Beachtowel rührt sich keinen Zentimeter. Alles ist unter Kontrolle. In den sechs Stunden, die ich dort verbringe, spricht er kein Wort mit seiner Gattin, die überwiegend telefonierend rumläuft. Ich stelle mir vor, seine Ehefrau zu sein, und wie mich seine Klammern in den Wahnsinn treiben würden. Und wie ich abends im Bett im 16.Arrondissement neben ihm liegen würde und er unser Spannbettlaken absichern würde, bevor er für mich ein paar Zeilen aus Capital zitieren würde.

In der Taverne des Bellevalia esse ich zu Mittag, und sehe reichen Leute beim Reichsein und Bohème Französinnen beim Rauchen und Rotwein trinken zu. Am frühen Abend, kurz bevor ich aufs Boot springe, das mich wieder zurück in den Hafen bringt, wechsle ich auf dem Klo meine nasse Bikinibüx und lasse sie an einem Haken in der Kabine hängen.

Auf dem Boot sitzt eine schwedische Zweijährige in einem hellblauen Hunza Badeanzug und schreit sich die Seele aus dem goldenen Leib. Eine junge Frau weint tonlos in ein azurblaues Frotteehandtuch. Zwei erwachsene Brüder sitzen neben ihren Eltern, der eine trägt ein makellos gebügeltes Leinenhemd mit zart hellblauen Streifen. Er hat sich verknöpft und sieht aus, als sei er grad aus dem Bett gefallen. Nach sieben Minuten fahren wir in den Hafen von Hydra ein, alle beruhigen sich wieder. Nur ich nicht.

Hydra ist ein sonderbarer Ort. Er bringt das Hellste und das Dunkelste zu gleichen Teilen an die Oberfläche. Ich war noch nie hier und habe nicht gelitten. Ich war noch nie hier und habe nicht vor Glück geflennt. Hydra ist der Ort, an dem ich immer wieder sicher bin: beides ist wahr. Beides existiert parallel, das Hadern und das Strahlen.

Nach drei Tagen auf der Insel bekomme ich einen Koller.

Read the original on susekaloff.substack.com

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